Anspruchsvolle Hafeneinfahrt in Aveiros Lagune
Die Einfahrt zur Ria de Aveiro ist einfach zu finden, aber nur bei passenden Bedingungen sicher: Die Hafenbehörde empfiehlt maximal 2 m Signifikantwelle und weniger als 15 kn Wind für das Passieren der Barre – bei mehr wird der Hafen offiziell geschlossen. Bei auflandigem Wind oder über 1,5 m Dünung sollte man weitersegeln. Leitmarke: Farol da Barra (Fl (2) W 7 s, 23 M). Kurs: 060 ° in die 250 m breite Gasse zwischen den Molenköpfen, beide befeuert. Achtung Strom: Bis zu 4 kn mitlaufend oder gegenan, deshalb möglichst im letzten Drittel der auflaufenden Tide hineingehen. Erfahrungsberichte nennen bei Strom mitlaufend sogar 3–4 kn zusätzliche Fahrt über Grund. Nach 0,5 sm weitet sich das Fahrwasser; an der grünen Tonne „Barra“ längsseits halten und nach Backbord in den São-Jacinto-Arm abbiegen (Tiefen in der Mitte 5–6 m bei HW). Für Yachten ist dieser Abzweig die Endstation – dahinter wird es flach oder militärisch gesperrt. Ankerplatz: Das eigentliche Revier liegt bei 40° 39,3′ N / 08° 44,1′ W im NE-Zipfel des Hafenbeckens von São Jacinto. Man fährt bis fast ans Ende des Betonkais, wendet und sucht sich 4–5 m Wassertiefe. Bei Dunkelheit helfen Pierlaternen und der Schein des Leuchtturms; Radar ist trotzdem Pflicht, weil Fischerboote oft unbeleuchtet liegen.
Sicherer Ankerplatz mit großzügigem Schwoiraum
Der Untergrund besteht aus festem Schlick-Sand-Gemisch – eine Wohltat nach all den rolligen Felsbuchten Nordportugals. Schon bei halber Maschinenleistung vergrub sich unser 25-kg-Rocna tief. CruisersWiki lobt einhellig die Haltequalität; nur starker SW erzeugt im kilometerlangen Becken unangenehmen Chop. Bei solchen Bedingungen würde man die Barre ohnehin nicht mehr ansteuern können. Tidenhub: 3,7–3,9 m Springs; wir lagen mit 5:1-Kette und einem Snubber völlig entspannt. Schwoiraum ist reichlich vorhanden, dennoch sollte man sich nicht zu nahe an die betonierten Ufer setzen – dort verkehren Fischer mit fünfstelligen Pferdestärken.
Einfacher Zwischenstopp im Fischerhafen São Jacinto
Mit dem Dinghy landet man am Nordende des langen Fischereikais (alter Militärpier) an; Leitern und Reifenkotflügel erleichtern das Aussteigen. Trinkwasser gibt es nicht am Steg, aber 200 m landeinwärts steht ein öffentlicher Wasserhahn an der Bushaltestelle – unbedingt filtern oder abkochen. Diesel holt man per Kanister an der Tankstelle der Fähre (800 m) oder fährt bei passender Tide 2 sm weiter nach Gafanha da Nazaré, wo es eine Automatstation direkt am Wasser gibt. São Jacinto verfügt über zwei Mini-Supermercados, mehrere Bars mit WLAN und eine hervorragende Bäckerei für das süße Aveiro-Gebäck „Ovos Moles“. Größeren Proviant bunkert man besser in Aveiro-Stadt: Die Personenfähre legt stündlich am Pier ab (Fahrzeit 20 min). Müllcontainer stehen oberhalb der Sliprampe; Altöl nimmt die kleine Werft an der Südkante des Beckens nach Voranmeldung.
Naturparadies zwischen Lagune, Dünen und Meer
Kaum ein anderer portugiesischer Ankerplatz schenkt so viel Naturlagunen-Atmosphäre. Die Ria de Aveiro beherbergt im Winter über 20 000 Zugvögel; ganzjährig trifft man Löffler, Säbelschnäbler und mit etwas Glück sogar Flamingos in den Salinen. Abends huschen Eisvögel zwischen den Schilfinseln, tagsüber gleiten grell bemalte „Moliceiro“-Boote aus Aveiro vorbei. Ein Spaziergang führt in 15 min zur Dünen- und Strandlandschaft des Naturparks São Jacinto Dunas. Hinter meterhohen Weißdornbüschen öffnet sich ein 8 km langer Atlantikstrand – leer, wild und nur vom Rauschen der Brandung begleitet. Wer mehr Zeit hat, radelt auf Holzstegen über die Salzgärten von Guia oder besucht das Meeresforschungszentrum Ecomare. Unter Wasser ist die Sicht bescheiden (Lagune!), doch Seegrasfelder bieten Lebensraum für jungen Wolfsbarsch und massenhaft Krabben – tolles Revier für Kinder mit Kescher.
Sicher ankern zwischen Lagune und Flamingos
Aveiro/São Jacinto ist für mich der Inbegriff eines „Reward-Stops“ nach der oft rauen portugiesischen Westküste: Sicherer Haltegrund, völlig schwellfrei bei passendem Wetter, einzigartige Lagunenkulisse statt Werften und Beton, authentische Kleinstadt mit Fähre zur pastellfarbenen Kanalstadt Aveiro. Einschränkungen gibt es natürlich: Ohne Genehmigung der Hafenverwaltung (VHF 74 anmelden) darf niemand durch die Barre; bei kräftigem SW-Schub wird die Einfahrt rasch lebensgefährlich. Außerdem fehlen Marina-Komforts wie Wasser am Steg oder Strom – wer aufladen will, muss den Generator anwerfen oder einen Hafentag in Figueira da Foz einlegen. Ich empfehle den Platz deshalb Fahrtencrews mit robustem Anker-Equipment, die Wind + Welle aufmerksam beobachten, aber zur Belohnung gern Pelikane – pardon: Flamingos – vom Cockpit aus zählen. Familien schätzen den breiten Nordatlantikstrand, Naturliebhaber die Vogelwelt, Technikbastler dagegen sollten besser weiterziehen. Für mich steht fest: Kommt die nächste Nord–Süd-Etappe, plane ich wieder ein Hochwasserfenster für die Barra de Aveiro ein – allein für das abendliche Lichterspiel des höchsten Leuchtturms Portugals lohnt es sich.
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