Gezeiten-Navigation zum idyllischen Neufelder Hafen
Die Reise beginnt weit draußen im Fahrwasser der Unterelbe. Etwa auf Höhe Brunsbüttel öffnet eine Lücke im für die Elbvertiefung aufgeschütteten Steindamm den Weg ins Neufelder Watt. Orientierung bietet die gelbe Reede-Fasstonne 14 sowie eine Doppelpricke nördlich davon – dort startet die ausgeprickte Privatrinne. Ab jetzt wandert das Echolot zur Chef-Anzeige: Der Prickenstrich führt zunächst westwärts, dann in langen Bögen südwärts. Wer sich an die simple „Pricke außen halten, Echolot im Blick“-Regel hält, hat selbst mit 1,60 m Tiefgang noch gut einen Meter Wasser unterm Kiel. Nach zwei Seemeilen taucht die nächste Doppelpricke auf; dort geht es durchs Neufelder Watt in einen sich windenden Priel – grüne Marsch links, Deich rechts. Noch eine Seemeile weiter öffnet sich der Hafen. Bei Tag ist das Manöver dank Pricken entspannt, nachts gibt es weder Befeuerung noch Fahrwassertonnen: Plotter-Track speichern oder bis Morgen warten. Das Zeitfenster ist groß: Boote bis 1,50 m kommen laut Revierführer schon ab halber Tide durch, Tiefgänger bis 1,80 m etwa zwei Stunden rund HW.
Ruhiger Tidenhafen hinter schützendem Schilf
Geankert wird hier nicht – Marina Neufeld ist ein Sielhafen, der bei Niedrigwasser weitgehend trockenfällt. Die Liegeplätze verteilen sich auf eine Holzpier im vorderen Becken (idyllisch hinter Schilf) und eine Betonpier weiter im Osten. Der Untergrund ist weicher Hafenschlick; lange Kiele sinken nur zur Hälfte ein. Sicherheitshalber bindet man das Boot mit einem Fall oder einer Leine zum Land hin ab, damit es bei steiler Hafenböschung nicht umkippt. Festmacher sollten mindestens Bootslänge haben, um den knapp vier Meter Tidenhub schadlos abzufedern. Wind- und Wellenschutz sind hervorragend: Hinter Deich und Schilf herrscht selbst bei Starkwest völlige Ruhe. Lediglich der „Inselblick“ in der Hafeneinfahrt bekommt bei stürmischem Nordwest eine Prise Prieleinschub ab – deshalb bevorzugen viele Skipper die Plätze hinterm Schilf. Strom und Wasser liegen an der Pier; Diesel gibt es nicht, aber Tankstellen in Marne (5 km).
Gepflegter Hafen mit authentischem Nordsee-Charme
Vom Steg führt ein kurzer Weg zum Clubhaus des Sportboot-Clubs Neufeld. Dort warten äußerst gepflegte Duschen und WCs; den Schlüssel erhält man beim Platzwart / Hafenmeister (Anrufbeantworter: +49 4851 9474790). Strom- und Wasserzapfstellen sind im Liegegeld enthalten. Auf dem Deich oberhalb parken häufig Wohnmobile – dieselbe Crew betreut auch deren Stellplatz, sodass Besucher freundlich empfangen werden. Kulinarisch hat man die Wahl: zwei Lokale direkt am Hafen (leider Touristenpreise) oder der authentische Weg – frische Nordseekrabben direkt vom Kutter, selbst gepuhlt und mit Rührei veredelt. Der kleine Hofladen am Deich verkauft außerdem Eier, Marmelade und saisonales Gemüse. Supermärkte findet man erst in Marne; Fahrräder sind daher empfehlenswert. Müllcontainer stehen am Slip, Altöl nimmt der Club gegen Spende.
Naturidylle zwischen Watt, Wiesen und Wasser
Neufeld ist eigentlich Naturhafen mit angeschlossener Landschaftskulisse: Verschlammte Wattflächen schimmern silbrig, Stockenten gründeln im Priel, und zur Zugzeit überfliegen Tausende Ringelgänse den Koog. Hinterm Deich schlängeln sich Radwege durch blühende Gräben bis zur Holländerwindmühle „Immanuel“ oder zur Badestelle Kaiser-Wilhelm-Koog (4 km). Wer mehr Wasser möchte, steigt in Brunsbüttel in die Elbfähre oder beobachtet Containerriesen an der Schleusentreppe. Unter Wasser herrscht Null-Sicht, aber für Kinder ist das Watt ein Abenteuerlabor voller Wattwürmer und Schlickkrebse.
Entschleunigter Tidenhafen mit Marschland-Charme
Marina Neufeld ist kein Designer-Hafen mit Rundum-Service, sondern ein entschleunigter Tidenstopp inmitten reiner Marschlandschaft. Wer auf dem Weg nach Helgoland oder in den NOK eine ruhige Nacht sucht, wer mit Schlick an den Stiefeln leben kann und Freude an Deichschafen, Wattgeruch und Krabbenbroten hat, wird hier glücklich. Strom, Wasser, Top-Sanitär und ein entspannter Club bieten alles Nötige; auf Diesel, großen Supermarkt oder Funkmast muss man verzichten. Tiefgänger über 1,80 m oder Crews, die nicht trockenfallen wollen, wählen besser Brunsbüttel. Mein Logbucheintrag nach zwei Tagen: „Schlick unter dem Kiel, Sterne über dem Mast und selbstgepuhlte Krabben im Cockpit – Neufeld bleibt ein Pflichtstopp, solange wir die Elbe hinauf- und hinabfahren.“
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