Vlieland: Anspruchsvoller Tidehafen mit beweglicher Zufahrt
Vlieland ist ein reiner Tidehafen. Die Schlüsselfrage heißt daher: Wann mit dem Strom? Offizielle Empfehlung: von Harlingen etwa zwei Stunden nach Hochwasser starten, von Kornwerderzand bei Hochwasser oder eine Stunde davor – so surft man auflaufend über den Vliestroom und hat selbst im flachsten Stück noch mindestens 2 m unterm Kiel . Die befeuerte Fahrwasserkette („V14–V20“) weist deutlich, doch das Gatt verlagert sich ständig; aktuelle Tiefen bietet nur das BSH-Portal oder die Waddenhavens‐App. Außerhalb der Tonne V24 biegt man hart nach Süden in die Vorhafenrinne, dann geradewegs zwischen rotem Leitdalben und Fährpier hindurch. Achtung auf Querverkehr: Die Katamaranfähren laufen mit acht Knoten – Funkkontakt auf VHF 12 sichert das Timing. Im Drempel vor dem Hafenbecken fällt das Lot bei Springniedrigwasser auf 1,9 m; Dickschiffe (> 2,20 m TG) sollten Hochwasser abwarten oder Päckchenplätze anfragen. Nachts erleichtern Sektorenlichter und die beleuchtete Fährrampe die Orientierung, trotzdem schneidet Starkwind aus Südwest fiese Querseen in die schmale Einfahrt – bei Böen über 7 Bft sperrt der Hafenmeister zeitweise.
Ruhiger Innenhafen trotz starkem Tidenstrom
Ankern ist im Fahrwasser und rings um die Fährmole untersagt; die alternative Reede Vliesloot westlich der Hafeneinfahrt bietet 3–4 m über festem Sand, aber auch bis zu 3 kn Tidenstrom – wer dort liegt, bleibt besser zwei Tidewechsel an Bord, um den Halt zu testen . Im Innenhafen hingegen herrscht Badewannenruhe. Die zwei Wellenbrecher und die Fährpier schirmen Nord- bis Ostschwell vollständig ab, einzig starker Südwest drückt leichten „Surge“ an die Außenpontons – Springs lang ausbringen, dann bleibt es ruhig.
Moderner Inselhafen mit solider Infrastruktur
Liegeplätze: gut 300 Boxen, dazu Päckchen + Fingersteg für Langkieler. Tiefgang offiziell 3,0 m, faktisch bei starken Abläufen ± 2,5 m. Reservieren geht nicht – das Ampelsystem der Waddenhavens-Webseite zeigt live „ample / sufficient / limited“ freie Plätze . Versorgung: Strom inklusive, Wasser 0,70 € / 100 l, Diesel an der Pier hinter dem Hafenbüro. Wi-Fi kostenlos, Bandbreite solide. Sanitär: 2022 modernisiert, warme Duschen (50 ct), Waschsalon mit 4 Maschinen. Einkauf: Supermarkt Spar und Bäcker De Bolder im Dorf Oost-Vlieland (800 m) – morgens ab 7 Uhr frische „Suikerbroodjes“. Entsorgung: Mülltrennung, Altöltank und Fäkalsaugstation am Kopfsteg; Grauwasser ins Watt ist tabu. Mobilität: Auf Vlieland fahren keine Privatautos. Mietfahrräder direkt am Hafentor, E-Bus („Vliebus“) zum Posthuys.
Vlieland: Naturparadies zwischen Dünen und Watt
Vlieland ist im besten Sinne karg: Kiefernwald, offene Dünentäler, endloser Sand an der Nordseite. Vom Hafen führt ein Plankenweg durch Pioniervegetation direkt auf den 12 km langen Strand; bei Ebbe ein 100 m breites Wüstenplateau, bei Flut ein schmaler Streifen vor rollender Brandung. Flora & Fauna Im Spätsommer leuchten Stranddisteln vor dem Hafenwall, im Frühjahr rosarote Strandnelken. Auf den Wattflächen jagen Austernfischer, Graubruststrandläufer und im Herbst Tausende Brandgänse – Vogelglas nicht vergessen. Zwischen den Sandbänken tummeln sich Kegelrobben; beim abendlichen Sundowner kann man ihr Schnorcheln hören. Aktivitäten Rad & Hike: 26 km gut ausgeschilderte Radwege, Highlights sind der Blick vom 40 m hohen „Vuurboetsduin“ (Leuchtturm) und die Westwanderung zum Vliehors-Sandplateau – eine Mini-Sahara mit Blick auf Texel. Watt & Wasser: Bei Springniedrigwasser bieten Ranger geführte Wattexkursionen ab Hafen. Für Sportliche gibt es ein Stand-Up-Paddle-Verleih; Strömung macht Paddeln allerdings nur im Flutstrom sinnvoll. Unterwasser: Sicht selten über 1 m, doch in den tieferen Gats (30 min RIB) liegen Wracks des 17. Jh. – Tauchcenter „Leisure Dive“ holt Gäste am Fährsteg ab.
Idyllischer Tidenhafen mit Naturgarantie
Die Waddenhaven Vlieland ist kein luxuriöser Resort-Yachthafen, sondern ein Tide-Knotenpunkt zwischen Wattenmeer und Nordsee – perfekt für Crews, die Naturerlebnis, Segeltechnik und holländische Gastfreundschaft verbinden wollen. Stärken Einfacher Landgang: Dorf, Dünen, Strand – alles unter zehn Gehminuten. Tidenfreundliche Organisation: Live-Belegungsampel, Hafenmeister im gelben Rib hilft beim Päckchensortieren. Natur pur: UNESCO-Welterbe vor dem Vorschiff mit Robben- und Vogelgarantie. Schwächen Hochsaison: Marina oft „voll“ ab 15 Uhr – Spät-Einläufer landen zwangsläufig im Dreier-Päckchen. Keine Reservierungen möglich – wer sicher gehen will, startet früh oder wählt Texel als Ausweich. Starkströmung im Vliestroom verlangt saubere Törnplanung; Motorcheck vor Abfahrt Pflicht. Für wen geeignet? Watten-Einsteiger, die das Tidensegeln kennenlernen wollen – klare Routenfenster, wenig Pricken-Slalom. Familien: Autofreie Insel, breiter Strand, Spielplatz am Steg. Öko-Fans: Wattwanderungen und Vogelparadies direkt vor der Koje. Mein Logbuch endet meist mit demselben Satz: „Vlieland voll – aber voll schön!“ Und jedes Mal, wenn ich bei Hochwasser Harlingen ablege, höre ich schon das Sirren der Brandungsmöwen am Vuurduin in den Ohren.
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