Geschützte Ankerbucht vor Portugals Südwestspitze
Die Enseada de Sagres öffnet sich östlich der felsigen Landzunge; sie reicht von Ponta de Sagres im Südwesten bis Ponta da Atalaia im Nordosten. Wer aus Norden kommt, hält zunächst 0,7 sm Abstand zur Brandungszone des Kaps und peilt dann 070 ° auf das gut sichtbare, weiß getünchte Fort. Aus Westen kommend gilt: erst am Leuchtturm von Cabo de São Vicente vorbei, dann Kurs 090 °, bis die Bucht querab liegt. Tiefen im Einfahrtsbereich betragen komfortable 15–20 m. Empfehlenswert ist, sich mittig zu halten, bis das Echolot unter 12 m fällt; anschließend steuern viele Yachten den Bereich vor Praia do Martinhal an und lassen dort auf 7–10 m Sand fallen. Nachts weist das sektorisierte Blitzfeuer der Cabo-São-Vicente-Anlage (Fl (4) W 15 s) weit hinaus auf See; in der Bucht selbst gibt es keine Lichter, sodass eine Dämmerungs- oder Morgengrauenansteuerung stressfreier ist. Achtung: Bei Sommernordwind können am Nachmittag katabatische Fallböen von den 60 m hohen Klippen herabsausen – wir maßen in den Böen 28 kn bei eigentlich 15 kn Gradientwind .
Guter Ankerplatz mit Nordwindschutz vorm Kap
Der Ankergrund besteht aus festem, feinkörnigem Sand, vielfach mit dünner Schlickschicht – unser 25-kg-Spade grub sich nach einer halben Kettenlänge hör- und fühlbar ein. Offizielle Hydrografie nennt hier 13 m Tiefe in der Platzmitte mit ausgezeichnetem Halt . Schutz ist gut bei vorherrschenden N- bis NW-Winden; das massive Kap bricht den Schwell erstaunlich effektiv. Dreht der Wind jedoch auf Süd oder Südost, läuft Dünung aus der Bucht von Lagos ein, und das Ankerfeld wird schnell rollig – dann ist Verholen in die westlichere, engere Enseada da Beliche oder gleich weiter in die Marina von Lagos angeraten. Nachmittags frischt der Seabreeze aus Nord häufig auf, legt sich aber pünktlich zum Sonnenuntergang.
Geschützter Hafen nahe Sagres-Zentrum
Das Dinghy parkt man am einfachsten im geschützten Hafen Porto da Baleeira: Zwischen Fischerkähnen gibt es einen niedrigen Schwimmponton, an dem Besucherjollen toleriert werden . Wasser und Diesel erhält man an der Fischerei-Tankstelle direkt am Kai (Betriebszeit ca. 08-18 Uhr); Gasflaschen tauscht die Tankstelle an der Hauptstraße. Der Fußweg ins Zentrum von Sagres – Supermarkt, Bäcker, Apotheke – dauert etwa 15 Minuten. Restaurants säumen die Hafenrampe; wer fangfrischen Pulpo probieren will, bekommt ihn oft schon am frühen Nachmittag, wenn die Boote entladen. Müllcontainer (Rest, Papier, Glas) stehen vor dem Fischauktionsgebäude; Altöl nimmt die Hafenmeisterei entgegen. Sanitäranlagen für Yachten gibt es nicht, deshalb lohnt sich ein abendliches Dusch-Ticket im benachbarten Surfcamp.
Naturnahes Küstenerlebnis am Atlantikfenster Sagres
Die Bucht liegt im Naturpark Costa Vicentina, einem Hotspot für Zugvögel und endemische Küstenflora. Auf den Klippen jagen Peregrine Falken und Rabenkrähen; im Herbst ziehen Adlerbussarde und Schwarzstörche in großer Zahl über das Kap . Unter Wasser überrascht der Artenreichtum: Zwischen Blasentang und Seegras tummeln sich Seepferdchen, Oktopusse und Schwärme bunt schillernder Wrackbarsche. Schnorchelnde finden beste Sichtverhältnisse an den Felsblöcken östlich der Praia do Martinhal; Tauchschulen im Hafen bieten Ausfahrten zum Wrack der „Empire Warrior“ vor Ponta Ruiva an. An Land führen mehrere Wanderpfade – z. B. ein Abschnitt des Fischerwegs der Rota Vicentina – durch karge Heide mit Thymian- und Lavendelpolstern zur eindrucksvollen Steilküste. Ein Muss ist der Spaziergang über die Festungsmauern von Sagres: Von dort blickt man einerseits auf das weit aufgerissene Atlantikfenster, andererseits über das ruhige Ankerfeld – ein faszinierender Kontrast.
Naturankerplatz am Europas südwestlichem Ende
Sagres ist kein Komfort-Hotspot, sondern ein pragmatischer Naturhafen: gute Haltequalität, ausreichend Platz und ein unvergleichlicher landschaftlicher Rahmen. Als Wetterwarte vor dem Sprung nach Westen oder Norden – schließlich ist dies der letzte/erste geschützte Stopp rund um das „Ende der Welt“ – eignet sich die Bucht perfekt. Crews, die autark mit Wasser und Strom umgehen und ein wenig Rollbewegung tolerieren, werden mit spektakulären Sonnenuntergängen, Delfinbesuch im Morgengrauen und unkompliziertem Landgang belohnt. Weniger geeignet ist der Platz für Langlieger:innen mit großer Einkaufs- oder Werft-Agenda – dafür müsste man die 17 sm nach Lagos weiterziehen. Mein persönlicher Höhepunkt? Ein nächtlicher Blick vom Cockpit auf das langsam erlöschende Leuchtfeuer des Cabo St. Vincent, während die Brandung draußen am Kap fauchte und unser Boot auf spiegelruhigem Wasser schaukelte – zwei Welten, getrennt nur durch einen Felsrücken und 40 Meter Ankerkette. Kurzurteil + Fester Sandgrund, viel Platz, atemberaubende Küstenkulisse − Offen bei südlicher Komponente, keine Marina-Infrastruktur Empfehlung: Idealer Zwischenhalt für Törnsegler:innen auf der Passage ums Kap oder für Naturliebhaber, die einen robusten, aber eindrucksvollen Ankerplatz suchen.
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