Marina Gustow: Sichere Ansteuerung im Strelasund
Gustow liegt auf der Halbinsel Drigge, genau gegenüber von Neuhof im südlichen Strelasund. Die Ansteuerung erfolgt über das betonnte, unbefeuerte Fahrwasser Gustow: Von Westen kommend passiert man die rot befeuerte Fahrwassertonne 28 des Strelasundes und geht 600 m später nach Backbord in den Seitenpriel. Von Südost wendet man bei Tonne 26, steuert auf das Tonnenpaar G1/G2 und folgt dann knapp zwei Kilometer der mit roten und grünen Staketon-Dalben markierten Rinne – Solltiefe rund 2,5 m. Die letzte Wendeboje liegt schon in Sichtweite der Marinaeinfahrt (Position 54° 17,7′ N / 13° 11,6′ E). Bei Tag helfen die beiden befeuerten Leitdalben vor dem Hafen, nachts sind die Tonnen selbst jedoch unbeleuchtet – wer spät einläuft, vertraut lieber auf Peilungen oder GPS und hält den Scheinwerfer parat. Der Priel ist kurvig, bietet aber bis zur Hafeneinfahrt wenigstens 3 m Wassertiefe; im Innenbecken sind es an den Gaststegen bis 4 m, am Außensteg sogar 5 m.
Geschützte Marina mit ruhigem Ankerplatz
Die Marina liegt tief im Einschnitt der Wiek, nur nach Süden zum Strelasund hin offen. Das Hafenbecken selbst wird durch einen massiven Dalbenpier und eine Steinkante geschützt, sodass selbst Sturm aus Süd nur leichten Kabbel in die Boxen trägt. Wer lieber schwojt, findet gleich außerhalb der Einfahrt – zwischen Schilfufer und Fahrwasser – 2,5 bis 3 m Tiefe über dichtem Schlick-Sand. Unser 20-kg-Ploughanker grub sich nach einer halben Bootslänge fest; auch bei 30-kn-Böen aus West blieb der GPS-Track ein Kreis ohne Eiszapfen. Grundsee baut sich erst bei hartnäckigen Südwest-Lagen auf, und selbst dann ist der fetch kurz. Strömung? Fehlanzeige. Tidenhub beträgt höchstens 20 cm; einzig der Wasserstand schwankt bei Starkwindlagen durch Ostseepumpen um vielleicht 30 cm.
Moderner Hafen mit Rundum-Service bei Stralsund
Vom Steg sind es buchstäblich zwei Schritte zum Hafenbistro, in dem morgens frische Brötchen warten und abends Boddenzander oder – wenn der Hafenmeister von der Jagd heimkehrt – Wildschwein am Spieß. Strom und Trinkwasser liegen an jedem Liegeplatz; eine moderne Sanitäranlage mit Familienbädern, Fußbodenheizung und Waschcenter lässt selbst Langfahrtcrews jubeln. Diesel liefert auf Anruf ein Tankwagen direkt an den Kopfsteg; Gasflaschen tauscht man im Bootsbauhof nebenan. Ein 20-t-Kran, Slip und Mastkran stehen für Reparaturen bereit; die im-jaich-Werft übernimmt vom Unterwasseranstrich bis zur Elektrik eigentlich alles. Einkauf? Der kleine Ort Gustow liegt zwei Kilometer landeinwärts; dort gibt es einen gut sortierten Dorfladen und einen Landbäcker. Für Großeinkäufe nimmt man das Leih-E-Bike oder den Linienbus (1,5 km bis zur Haltestelle „Drigge“) und ist in 15 Minuten in der UNESCO-Stadt Stralsund. Müll wird am Werfthof getrennt gesammelt, Altöl und Batterien nimmt die Servicestation kostenlos entgegen. Wer geankert hat, kann das Dinghy am Holzponton südlich des Fischerkutterkais kostenlos festmachen.
Naturidylle zwischen Bodden, Schilf und Vögeln
Kaum ist das Hafentor hinter einem zugefallen, steht man in Norddeutschlands vielleicht spannendstem Bodden-Puzzle: Schilfgürtel, Salzwiesen, flache Buchten und die winzige Vogelinsel Vilm gleich gegenüber. See- und Fischadler kreisen regelmäßig über den masten; früh morgens tapst schon mal ein Reh am Strand entlang. Westwärts führt ein naturbelassener Uferpfad zur alten Prosnitzer Schanze, einer Wallanlage aus dem Dreißigjährigen Krieg – heute ein Aussichtshügel mit Panorama über Strelasund und Hiddensee. Wer Räder dabei hat, radelt in 40 Minuten über Putbus nach Lauterbach und kann dort mit der Weißen Flotte zur Insel Vilm übersetzen (Vorabreservierung obligatorisch). Angler schwärmen vom Hecht- und Zanderbestand in den Schilfseen nördlich des Hafens; laut Fischereiverordnung muss Hecht hier mindestens 50 cm haben – wer kleiner fängt, setzt zurück. Unter Wasser reicht die Sicht selten über einen Meter hinaus, doch die Krautwiesen sind Kinderparadiese zum Keschern: Stichlinge, Schnecken, Muscheln in Mengen. Im Frühjahr und Herbst füllen oft Tausende Kraniche und Wildgänse die Felder – abends klingt das Rascheln ihrer Schwingen bis aufs Vorschiff.
Ruhiger Naturhafen mit Rundum-Service
Gustow ist kein Jet-Set-Hafen, sondern ein stiller Rückzugsort mit kompletter Infrastruktur – die perfekte Bodden-Basis für Crews, die einen Technik-Stop brauchen, ohne den Charme eines Naturhafens zu verlieren. Fahrtenseglerinnen, die nach einer Ostseerunde in Ruhe einkranen oder die Osmose versiegeln lassen wollen, finden hier Service bis zur Edelstahlschweißung. Familien genießen den flachen Sandstrand in Sichtweite der Cockpitbank und den Erlebnisfaktor „Rasender Roland“ in Putbus. Naturfans legen das Fernglas nicht mehr weg, weil Seeadler oder Kranich jederzeit vorbeiziehen können. Einziger Wermutstropfen: Bei Nebel oder Dunkelheit erfordert das unbefeuerte Fahrwasser sauberes Kartenlesen oder Plotterblick. Doch wer die Tonnenkette einmal verinnerlicht hat, läuft Gustow beim nächsten Mal mit links an. Mein Logbuch vermerkte nach drei entspannten Tagen nur ein Wort: „Heimathafen“ – und genau so fühlt sich dieser Platz auch an.
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