Exponierter Hafen an Rügens Nordostküste
Lohme ist einer der ganz wenigen Häfen an Rügens exponierter Nordostseite. Die befeuerte Einfahrt (Molenköpfe rot/grün, Richtfeuer 229° Oc R 2× 5 s) ist knapp 20 m breit und liegt in der östlichen Durchfahrt des Wellenbrechers . Die 300 m lange Vorrinne ist jedes Frühjahr ausgebaggert; Solltiefe rund 3,0 m, aber bei Starkwind aus Nord wird Sand versetzt – also bei <2,5 m Tiefgang lieber mittig im Leitfeuer bleiben . Nachts ist das weiße Leitfeuer 8 sm sichtbar; die unbefeuerten Reedetonnen davor erkennt man nur im Scheinwerfer – eine Dämmerungsansteuerung ist stressfreier. Bei mehr als 5 Bft Nord sollte man den Schwell vor der engen Hafeneinfahrt nicht unterschätzen und notfalls in die Tromper-Wiek ausweichen.
Geschützter Hafen unter hoher Steilküste
Geankert wird hier nicht – der 1906 entstandene Fischerei- und Yachthafen bietet rund 50–53 Liegeplätze bis max. 20 m Länge, alle an Fingerstegen oder Heckpfählen . Trotz offener Lage liegt das Becken 40 m unterhalb der Steilküste und ist nach drei Seiten von Mauern umschlossen; selbst bei West- oder Oststurm bleibt das Boot fast bewegungslos. Einziger Schwachpunkt: Bei sehr kräftigem Nord setzt sich Dünung bis vor das Hafentor und das Manöver erfordert Motorpower. Der Grund besteht aus Spundwand + Fels, Festmacher sollten also gut gefedert sein.
Idyllischer Hafen mit sportlichem Treppenaufstieg
Der Charme des Hafens hat seinen Preis: 90 Höhenmeter trennen Steg und Dorf. Eine sanierte Steilhangtreppe (ca. 250 Stufen) führt in fünf Minuten hinauf; wer warme Brötchen holen will, braucht morgens also etwas Puste . Oben warten Bäcker, zwei Fischrestaurants, Fahrradverleih und ein kleiner „Tante-Emma-Laden“. Am Steg selbst gibt es Wasser, 16-A-Strom, kostenloses WLAN, Mülltrennung, WC & Duschen; Diesel wird (nach Anmeldung) im Kanister vom Hafenmeister gebracht, Gas tauscht die Touristik GmbH im Ort . Eine Fäkalienabsaugstation und ein 6-t-Kran sind 2024 instandgesetzt worden – ideal für kleinere Reparaturen. Achtung: Hangrutschungen können sporadisch zu kurzen Hafensperrungen führen; Aushänge am Büro beachten .
Spektakulärer Hafen vor Rügens Kreideküste
Kaum ein Ostseehafen liegt so spektakulär: Direkt östlich ragen die Kreidewände des Nationalparks Jasmund mit ihren alten Buchenwäldern empor – UNESCO-Welterbe seit 2011. Ein Küstenpfad führt in 7 km zum Königsstuhl; unterwegs schweben regelmäßig See- und Fischadler über den Flanken. Nur 100 m östlich des Hafens lugt der 162-t-Findling Schwanenstein aus der Brandung, Mittelpunkt zahlreicher Sagen und Namensgeber der jährlichen Regatta . Unter Wasser dominieren Geröll und Tangwiesen; zwischen Buckelsteinen verstecken sich Aalmuttern und junge Dorsche – ein Neopren lohnt sich fürs Schnorcheln an windstillen Tagen. Abends färbt die untergehende Sonne die Kreidekante orange-rosa, während westlich übers Kap Arkona oft der Leuchtturm blitzt – ein Panorama, das schwerlich zu toppen ist.
Ruhiger Hafen mit spektakulärer Rügen-Kulisse
Lohme ist kein „Durchfahrts-Tanken-Weiter“-Hafen, sondern ein Ziel für Genießer:innen: klein, sicher, landschaftlich großartig. Wer Rügen gegen den Uhrzeiger umrundet oder aus Bornholm kommt, findet hier die erste (oder letzte) geschützte Box vor der langen Darßer Küste. Ideal für Crews, die einen Ruhetag mit Wanderung im Buchenwald oder Radtour nach Kap Arkona planen, Naturfotografie lieben – Sonnenuntergang über Kap Arkona, Adler, Findling, Kreide, oder Wind abwettern müssen, ohne auf Sanitärkomfort zu verzichten. Weniger geeignet ist Lohme für Tiefgänger > 3 m, Chartercrews mit großem Proviantbedarf oder Nachtansteuerungs-Neulinge. Mein persönliches Aha-Erlebnis war der Weitblick vom Dorfplatz: Unter mir glitzerte das Boot winzig im Hafenbecken, links leuchtete Arkona, rechts ragte der Königsstuhl – und irgendwo da draußen begann die offene Ostsee. Genau dieser Mix aus Schutz und Fernweh macht Lohme zu einem der memorabelsten Stopps auf einer Rügen-Runde.
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