Geschützter Hafen in malerischer Bergkulisse
Sørvågen liegt an der geschützten Ostseite von Moskenesøya (Position 67 °52,5 N / 13 °02,5 E). Von Norden kommend passiert man den kleinen Leuchtturm Kraka an Steuerbord, dann die Südbake der gleichnamigen Insel, bevor man im rechten Winkel in die langgezogene Bucht eindreht. Die Rinne ist klar betonnt, Tiefen ≥ 6 m – selbst bei Springniedrigwasser bleiben noch vier Meter unter dem Kiel. Nachts helfen ein Richtfeuer und die weißen Fassaden der Hafenhäuser; Bergsilhouetten werfen jedoch wenig Radar-Echo, daher lieber Tagesansteuerung wählen. Bei Starkwind aus Süd (Fallwinde vom Lilandstinden) baut sich kurzfristig Gegensee bis ans Joch – ein paar Minuten abwettern außerhalb spart Nerven und Farbe.
Geschützter Liegeplatz zwischen hohen Felswänden
Im äußeren „Allgemeinsteg“-Becken teilen sich Gastyachten das Gelände mit Angelkuttern; dort sind 3–4 m Wassertiefe vorhanden. Ruhiger liegt man ganz hinten unter den Rorbuer: Zwei solide Schwimmstege bieten bei Niedrigwasser immer noch vier Meter Tiefe, Strom und Wasser sind inklusive. Der Fjord knickt nach Südwesten ab und ist von hohen Felswänden umgeben – perfekter Schutz gegen Nord, Ost und West. Bei hartem Südsüdwest können Böen im Lee der Berge ansetzen, doch Welle baut sich dank der Enge kaum auf. Der Grund besteht aus dichtem Schlick, falls jemand den Heckanker ausbringt. Ankern im Vorfjord ist möglich (8 m, Schlamm), doch nur bei ruhigem Wetter empfehlenswert.
Einfacher Hafen mit guter Versorgungsanbindung
Die Stege verfügen über blaue Säulen mit 16-A-Strom und Trinkwasser; Sanitär, Waschmaschine oder Pump-Out gibt es nicht. Das Liegegeld (2025: 250 NOK) zahlt man über Vipps oder – ohne norwegische ID – direkt oben im Restaurant „Maren Anna“ bzw. in der kleinen Fischfabrik. Proviant: Zwei gut sortierte Supermärkte (Matkroken & Coop) liegen zehn Minuten oberhalb an der E 10. Hier bekommt man auch Drogeriebedarf, SIM-Karten und Bargeld. Treibstoff: Keine Tankstelle im Hafen; Diesel gibt’s 6 sm nördlich in Reine oder per Kanister an der Straßentanke. Entsorgung: Müllcontainer am Slip; Altöl-Annahme nur im Industriehafen von Å (Taxi). Gastronomie: „Maren Anna“ bietet fangfrischen Dorsch und Rentier-Stew; ein Galerie-Café lockt mit Zimtschnecken und Blick aufs Becken.
Lofoten entdecken: Wandern, Tauchen, Fischerdorfcharme
Vom Steg führt ein Holzplankenweg in fünf Minuten zum Telegraphen-Museum, wo die erste Funkverbindung Spitzbergen–Festland dokumentiert wird. Noch lohnender ist die kleine Wanderung entlang der Küste ins 2,5 km entfernte Museumsdorf Å i Lofoten: bilderbuchmäßige Rorbuer, Trockenfischrahmen und das Stockfisch-Museum, alles in einem riesigen Freiluftensemble – ein Spaziergang über Klippen, Heide und gischtgepeitschte Felsen. Wer höher hinaus will, besteigt in drei Stunden den 729 m hohen Munkan. Der Trail startet hinter dem Ort, führt durch Birkenwald, dann über alpines Geröll und belohnt mit Gipfelblick über das gesamte Lofoten-Südende – ein Panorama aus Fjorden, Seen und dem berüchtigten Moskenesstrøm. Unter Wasser bietet Sørvågen klaren Atlantiksicht (5–10 m). Bereits an den Stegpfählen tummeln sich Seespinnen und Dorschbrut; Tauchschulen aus Reine steuern das Wrack der „Gudrun“ (30 m) in der Nachbarbucht an. Angler schwärmen von Heilbutt und Skrei gleich außerhalb der Hafeneinfahrt – im Februar/März legen hier hunderte Fischerkutter an.
Authentisches Lofoten-Idyll für Naturliebhaber
Sørvågen liefert das Rundum-Lofoten-Paket in handlichem Format: Stärken Bilderbuchkulisse, aber ohne Bustouristen – authentisches Fischerleben statt Instagram-Hotspot. Hervorragender Windschutz, Stege mit 4 m Tiefe – ideal auch für Langkieler. Basis-Service (Strom, Wasser, Supermarkt) und Top-Restaurant in Blickweite des Bugs. Schwächen Kein Diesel-Ponton, keine Dusche – wer Komfort sucht, läuft Reine an. Vipps-Zahlung für Ausländer umständlich; Bargeld bereithalten. Bei starkem Südwind Einlaufen anspruchsvoll, aber handhabbar mit Geduld. Empfohlen für Hochlatitude-Cruiser auf Nordkap-Kurs, Foto- und Naturfreaks, kleine Crews bis 14 m, die Einsamkeit mögen, aber nicht auf Strom und Brot verzichten wollen. Weniger geeignet für Charter-Flottillen, Regattaboote mit Tiefgang > 4,0 m und Crews mit Wellness-Ansprüchen. Mein Logbuch endet mit Mitternachtssonne: Es ist 0:47 Uhr, der Himmel brennt in Pastell, das Wasser liegt wie Quecksilber, und der Duft von Stockfisch mischt sich mit Kaffeedampf aus dem Cockpit. Neben uns spiegelt sich ein Rorbuer im Fjord, und irgendwo klimpert ein Windspiel. Sørvågen – ein Hafen, der nicht viel hat, aber alles, was man im hohen Norden wirklich braucht: Schutz, Brot, Geschichten und eine Szenerie, die sich ins Gedächtnis brennt.
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