Barsø: Anspruchsvolle Ansteuerung im Aabenraa-Fjord
Barsø liegt in der Nordausfahrt des Aabenraa-Fjords (55 ° 07,1′ N / 09 ° 33,0′ E). Von Süden folgt man dem betonnten Fjordfahrwasser bis kurz vor die grüne Tonne „Barsø Rev“, schwenkt auf 310 ° in das unbefeuerte Stichfahrwasser und hält sich mittig: die Solltiefe beträgt 2,0–2,2 m, sinkt aber direkt neben der Spur rapide ab. Ein rotes Holzhaus am Fähranleger und die weiß getünchte Dorfkirche dienen tagsüber als sichere Landmarken. Im letzten Bogen nicht zu weit in Richtung Strand ausfahren – wer dort über 1,80 m Tiefgang hat, sitzt schnell auf . Nachtansteuerungen sind mangels Befeuerung riskant; besser ist die Ankunft im Abendlicht, wenn die flachen Ufer noch gut zu erkennen sind.
Kleiner Hafen mit geschützter Ankerbucht
Geankert wird hier selten, denn das kleine Hafenbecken bietet rund 20 Liegeplätze – davon etwa die Hälfte für Gäste – mit bis zu 1,8 m Wassertiefe . Die Dalben und Boxen sind nach Westen offen, aber durch eine flache Landzunge gut gegen Schwell geschützt. Bei starkem Nordwest kann kurzer Kabbel in die Einfahrt stehen, legt sich jedoch sofort hinter der Mole. Wer dennoch draußen ankern möchte, findet im Südteil des Barsø-Vigs 3–4 m Tiefe über festem Sand-Lehm-Grund; hier hält der Anker wie betoniert und ist rundum gegen Wind gedreht sicher.
Einfacher Inselhafen mit Selbstversorger-Atmosphäre
Am Steg gibt es Wasser und Strom aus kleinen 16-A-Säulen (Sommerbetrieb), Toiletten sowie einfache Duschen im Sanitärhäuschen. Das Liegegeld – pauschal 100 DKK pro Nacht – wandert in einen Briefumschlag, der in den Kasten am WC-Gebäude gesteckt wird . In der Saison öffnet neben dem Fähranleger eine Mini-Kioskhytte mit Eis, Kaffee und Grundnahrungsmitteln; außerdem stehen Picknicktische und ein Gemeinschaftsgrill bereit . Müll wird an Containern sortiert, eine Pump-Out-Station fehlt – den Fäkalientank also besser in Aabenraa leeren. Diesel oder Gas gibt es auf der Insel nicht; Kanisterservice lässt sich über den Fährkapitän organisieren, wenn man freundlich fragt.
Kleine Inselwanderung mit Panoramablick
Barsø ist nur 2,7 km² groß, aber landschaftlich erstaunlich vielseitig: Moränenrücken wechseln mit Salzwiesen und feinsandigen Stränden. Ein markierter Rundweg von knapp sieben Kilometern startet direkt am Hafen und führt einmal um die Insel – perfekte 1,5 Stunden Gehzeit mit Panoramablick auf Genner Bugt, Aabenraa-Fjord und die Hügel von Løjt Land . Unterwegs streift man Weideflächen mit Galloways, findet Feuerstein und Porphyr in den eiszeitlichen Geröllfeldern und entdeckt mit etwas Glück Seeadler, die über den flachen Buchten jagen . Das Badewasser ist klar, aber schnell abfallend; Kinder planschen daher lieber innerhalb des Hafenbeckens oder am nahen Fährstrand, wo der Sand flach ausläuft.
Barsø: stille Inselidylle im Kleinen Belt
Barsø Havn ist der Inbegriff der dänischen Mini-Insel-Romantik: kaum Infrastruktur, aber alles Nötige; kaum Menschen, aber reichlich Herzlichkeit. Wer Natur, Ruhe und kurze Wege sucht, wird hier glücklich – egal ob als Boxenstopp auf einer Belt-Runde oder als Wochenendziel von Flensburg, Sønderborg oder Kolding. Familien lieben die überschaubare Größe, Wanderfans den 360-Grad-Küstenpfad, und Langfahrt-Segler:innen genießen einen sicheren, günstigen Liegeplatz, um Starkwind im Belt abzuwettern. Nicht geeignet ist Barsø für Yachten über 2 m Tiefgang oder Crews mit großem Diesel- und Einkaufshunger – dafür sollte man den Schlag nach Aabenraa oder Dyvig einplanen. Mein persönlicher Höhepunkt: ein lauer Juniabend, in dem sich das letzte Fährgeräusch verlor, die Sonne feuerrot hinter Løjt Land versank und nur noch das Kluckern am Bug verriet, dass die Insel nicht träumt, sondern wirklich existiert.
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