Amsterdam per Mast – Stadthäfen zentral erreichbar
Standing-Mast-Route: Von Norden (IJsselmeer) passiert man die Oranjesluizen (VHF 18) – rund um die Uhr in Betrieb – und erreicht nach 0,8 sm die Schellingwouderbrug. Diese Straßenbrücke öffnet stündlich zur vollen Stunde sowie ± 20 min, außer werktags in der Rush-Hour (06-09 h / 16-18 h). Durchfahrtshöhe geschlossen 7 m, geöffnet 12,5 m. Danach hält man sich mittig im betonnten IJ-Fahrwasser. Vorsicht: reger Berufsverkehr (Kohlependel, Fährquerschnitte). Geschwindigkeit strikt 6 kn. Von Westen / Nordsee: Ab IJmuiden 12 sm Kanalfahrt, überwiegend 8 kn Speed-Limit. Nach Schleusung in den Oude Houthaven (max. Tiefgang 9 m) läuft man freie Fahrt bis zum Bahnhof. Einlaufen Sixhaven (Backbordseite): Einfahrt bei Fl (2) R 5 s; gleich VHF-Anruf +31 20 632 94 29 – „Landfest met de lange kant, wir helfen sofort“. Amsterdam Marina (Steuerbordseite IJ-Promenade): breiter Vorhafen mit Iso G 4 s. Tiefe 4,5 m. Reservieren nicht nötig, aber ratsam bei Veranstaltungen wie SAIL 2025, wenn >10 000 Boote erwartet werden.
Ruhige Stadtliegeplätze nahe Amsterdams Zentrum
Sixhaven (Nordufer, direkt gegenüber vom Hauptbahnhof) Der traditionsreiche Stadt-Yachthafen fasst rund 175 Boote bis 20 m Länge. Die Boxen liegen an schwimmenden Holzpontons, seitlich durch Dalben begrenzt. Der weiche IJ-Schlick wirkt wie eine Feder: selbst wenn eine der kostenlosen Personenfähren dicht vorbei-zieht, bewegen sich Schiff und Steg eher sanft auf und ab als vor- und zurück. Der Wasserstand im IJ variiert nur wenige Zentimeter und Strömung bleibt unter 0,3 kn – dadurch kein nennenswerter Ruck an den Festmachern. Bei Starkwind aus West oder Nordost erreicht nur ein kurzer Kabbel die Hafenfront, weil Bahndamm, Fähranleger und die hohe Bebauung viel Energie herausnehmen. Tiefgang ist offiziell mit 2,6 m angegeben; wer mehr als 2,4 m zieht, legt sich besser an die Außenkanten der Pontons und fragt den Hafenmeister nach der tagesaktuellen Lotung. Amsterdam Marina (NDSM-Werftgelände, etwa 500 m weiter nordwestlich) Hier stehen rund 350 Liegeplätze zur Verfügung, ausgelegt für Yachten bis 30 m. Die Pontons sind aus Beton, mit Gummipuffern an massiven Stahlpfählen geführt – ideal bei langer Seitenlast. Die Hafeneinfahrt ist breit und fünf Meter tief; im Innenbecken fallen die Tiefen sanft auf etwa viereinhalb Meter ab. Durch das hoch aufragende Gelände ringsum kommt kaum Wind an die Wasseroberfläche, sodass es selbst bei Herbststürmen fast schwellfrei bleibt. Lediglich bei heftigem West bis Nordwest spürt man leichte Bewegung im äußersten Südost-Quadranten des Beckens. Gemeinsame Charakteristik beider Häfen – Beide Anlagen bieten Strom (16 A, teilweise 32 A) und Frischwasser direkt am Finger. – Der Untergrund ist überall feiner IJ-Schlick; ein versehentlich fallengelassener Gegenstand sinkt ein, ohne das Schiff zu gefährden. – Die Geschwindigkeitsbegrenzung von sechs Knoten auf dem IJ verhindert dauerhafte Bugwellen. Fähren verursachen zwar kurze Querschläge, die nach wenigen Sekunden abklingen. – Dank der flutunabhängigen Schleuse bei IJmuiden gibt es keinen nennenswerten Tidenhub und damit keine strategischen Probleme beim Höhentrimm der Leinen. Kurz gesagt: Wer eine Hauptstadt mit 24-Stunden-Schutz vor Schwell sucht, bekommt in beiden Häfen hervorragende Liegebedingungen – Sixhaven etwas rustikaler, Amsterdam Marina modern und großzügig.
Amsterdam: Moderne Häfen mit guter Infrastruktur
Sanitär / WLAN – Sixhaven: moderne Waschhäuser, gute Duschen; WLAN inklusive, manchmal schwach bei SAIL. Amsterdam Marina: Hotel-Quality-Washrooms, Glasfaser-WLAN. Diesel & Gas – Bunkerstation „GP Groot“ 400 m westlich Amsterdam Marina (24/7 Self-Service). Camping-Gaz-Shop 300 m beim „HISWA te Water“-Gelände. Reparatur/Schiffsausrüster – „Delta-Lloyd Shipyard“ (50-t-Lift) direkt im Amsterdam-Marina-Komplex; Segelmacher Molenaar liefert über Nacht. Einkauf – XXL-Albert Heijn im Bahnhofstunnel (5 min Fähre von Sixhaven, 15 min Fußweg von Marina). In Noord hipper Foodmarket „Jumbo Foodmarkt“ (1 km). Entsorgung – Wertstoffinsel, Altöl-Tank und Schwarzwasser-Saugstation an beiden Häfen (gratis, 09-18 h).
Naturnahe Marina mit zentraler Amsterdam-Anbindung
Stadt und Natur sind hier kein Widerspruch: Gleich hinter Sixhaven beginnt der Park Vliegenbos – alte Buchen, Papageienkolonie und Rehwild. Vom Amsterdam Marina aus radelt man in 15 min aufs Polderdeichnetz Waterland (Deiche, Reiher, Windmühlen). Unter Wasser herrscht IJ-typische Trübe (<1 m Sicht); dafür ziehen Robben und gelegentlich Schweinswale bis vor die Schleusentore. Kulturmodus: Der kostenlose GVB-Ferry (24/7, 5 min) spuckt einen direkt vor der Hintertür des Hauptbahnhofs aus. Von dort sind es 10 min zu Fuß zum Anne-Frank-Haus, 15 min zum Rijksmuseum (Tram 2) oder 5 min zum Rotlichtviertel.
Amsterdam: City-Liegeplatz mit maritimem Flair
Amsterdam ist kein stilles Naturankerfeld – es ist eine metropolentaugliche Drehscheibe für Blauwassercrews: Plus Überragende Lage: 5 min bis zur Altstadt, trotzdem stehender Mast möglich. Service-Dichte: Travel-lift, Bunkern, Ersatzteile – alles fußläufig. ÖPNV & Airport: Bahnhof Centraal gegenüber; Schiphol 20 min Zug. Minus Schiffsverkehr erzeugt tagsüber Schaukel (Sixhaven). Liegegeld im oberen NL-Segment (Sixhaven 2,25 €/m, Amsterdam Marina 2,65 €/m, 2025er Tarif). Während SAIL 2025 extrem früh reservieren oder ausweichen nach Zaandam. Geeignet für Crews, die City-Kultur, Crewwechsel und Technikservice kombinieren wollen; weniger für Reisende, die absolute Ruhe oder Badewasserqualität suchen. Ich selbst bleibe hier jedes Jahr mindestens eine Woche: morgens Kaffee im Cockpit, Blick auf vorbeischippernde Hausboote; tagsüber Museen oder einfach Radeln durchs Jordaan; abends Stroopwafelgeruch, während die Fähre blau beleuchtet übers IJ gleitet. Wenn gegen Mitternacht die letzten Kanalfahrer heimkehren und der GVB-Kapitän einen guten Nachtgruß über das Wasser ruft, weiß man, dass Städtesegeln ein ganz eigenes Logbuchkapitel verdient.
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