Unkomplizierte Ansteuerung bei Tageslicht, nachts riskant
Position: 04 ° 17,4′ S / 55 ° 41,5′ E. Von der Pointe Millers kommend hält man sich dicht unter Land, bis die beiden markanten Granitfinger am Nord- und Südende der Bucht fluchten. Zwischen ihnen öffnet sich ein 150 m breites, riff-freies Fenster mit 15 m Tiefe, das rasch auf 6–9 m abfällt. Der Sandgrund leuchtet fast weiß – ein zuverlässiges optisches Lot. Bei Tageslicht ist die Ansteuerung unkompliziert, bei Nacht jedoch riskant: Es gibt weder Befeuerung noch Landmarkenbeleuchtung, und der Schwell bricht sich lautlos auf vorgelagerten Felsnasen. Während des Südost-Passats (Mai – Oktober) läuft leichter Gegenstrom in die Bucht; von November bis März sorgt der Nordwest-Monsun für quer setzende Dünung. Yachten mit mehr als 2 m Tiefgang sollten in der Abenddämmerung nicht mehr einlaufen, da sich sandige Sicheln am Fuß der Klippen beständig verschieben.
Tagesankerplatz mit feinem Sand und Schwellrisiko
Geankert wird im Zentrum der Sichel auf 6–9 m über feinem Korallensand – erstklassiger Grip, kaum Seegras. Ein 35-m-Kettenausleger reichte bei unserem 42-Fuß-Boot völlig. Doch die Bucht schneidet nur flach in die Insel; schon kleine Winddreher lassen Rollschwell einlaufen. Bei kräftigem Südost liegt man angenehm ruhig, weil Dünung von Silhouette Island abgelenkt wird. Kippt der Wind südlich oder westlich, baut sich binnen einer Stunde unangenehmes Querrollen auf – nichts Gefährliches, aber schnell nervtötend. Deshalb nutzen die meisten Crews Anse Georgette als reinen Tagesankerplatz; zur Nacht verholt man besser nach Anse Lazio oder Curieuse.
Abgeschiedener Traumstrand mit rustikalem Charme
Mit dem Dinghy landet man mittig auf dem Sandteppich; selbst bei Hochwasser bricht die Brandung selten höher als kniehoch. Scheint die See unruhig, lohnt ein kleiner Schwenk an den Südost-Rand, wo Granitblöcke die Welle bremsen. Infrastruktur gibt es keine: weder Steg noch Frischwasser noch Müllentsorgung. Wer Glück hat, ergattert an der improvisierten Strandbar eine gekühlte Kokosnuss oder eine Obstplatte – bezahlt wird in Seychellen-Rupien, manchmal auch in Euro. Weiter ins Inselinnere gelangt man nur über den privaten Golfplatz des Constance Lémuria-Resorts; Zugang ist nach Voranmeldung erlaubt, aber Security achtet darauf, dass Strandbesucher nicht mit Rollkoffern anrücken. Einkäufe, Diesel oder Gas bekommt man erst wieder in Baie Sainte Anne (8 sm).
Naturparadies mit Schildkröten und Schnorchelrevier
Anse Georgette liegt wie ein Smaragd inmitten des Praslin National Parks. Oberhalb des Strandes rascheln endemische Seychellen-Früchte-Tauben, und im Oktober wandern seltene Hawksbill-Schildkröten zur Eiablage an Land. Unter Wasser wartet ein farbenfroher Spielplatz für Schnorchler: Vom Südzipfel zieht sich ein Blockriff in nur drei Metern Tiefe nach draußen – Heimat von Kaiserfischen, Blaupunktrochen und neugierigen Oktopussen; mit etwas Geduld gleitet oft eine Grüne Schildkröte durchs Seegras. Sichtweite bis 20 m, Wassertemperatur ganzjährig um 27 °C. Wer die Beine vertreten will, kann vom Strand links einen steinigen Pfad hinaufklettern. Nach 15 Minuten steht man oberhalb der Klippe und blickt bis Curieuse – ein perfekter Spot für den Sundowner-Rum. Botaniker nehmen sich einen halben Tag und fahren per Beiboot nach Anse Lazio: Von dort führt ein gut ausgeschilderter Trail durch Palmenhaine ins Vallée de Mai, Heimat der legendären Coco-de-Mer.
Traumhafter Tagesankerplatz mit Schnorchelfaktor
Anse Georgette ist ein atemberaubender Bilderbuchankerplatz – aber eben keiner für Langschläfer. Wer mit stabilem Südost und ruhiger Dünung einen Tagesstopp plant, wird mit Postkartenfarbe, erstklassigem Schnorchelrevier und Beach-Chillout belohnt. Nachts dagegen gewinnt meist die Dünung; wer Seekrankheit vorbeugen will, sollte rechtzeitig den Anker lichten. Ideal ist der Platz für Crews mit solidem Ankergeschirr und Lust auf kurze Landerkundungen ohne Versorgungsstress. Charteryachten auf Praslin-Rundkurs oder Blauwasserschiffe auf Seychellen-Kreuz genießen hier einen der fotogensten Badestopps des Archipels – vorausgesetzt, man respektiert den fragilen Sandhang, nimmt den Müll wieder mit und hält den Propeller fern vom Riff. Mein persönlicher Höhepunkt war der Augenblick, in dem ich vom Schnorcheln ins Cockpit kletterte: Über der Bucht stand die Nachmittagssonne wie ein Spotlicht, und die fallende Tide zeichnete flüssige Jadebänder auf den Sand. Für Momente wie diesen lohnt sich jeder Ankerhub, selbst wenn man abends noch weiterziehen muss.
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