Medemblik: Idealer Segelstopp am Ijsselmeer
Medemblik liegt am Westufer des Ijsselmeers, etwa auf halber Strecke zwischen Enkhuizen und Den Oever. Das Fahrwasser „Vaargeul Medemblik“ ist gut betonnt und bis kurz vor die Schleuse auf 3 m ausgebaggert. Als Landmarken dienen der gelb-rot geringelte Leuchtturm De Ven (Fl (2) W 8 s) fünf Seemeilen südlich und der weiße Kirchturm der Bonifatiuskirche. Nach Passieren der Molenköpfe hält man sich je nach Ziel entweder rechts zum Regatta Center (sehr tief, alle Servicebetriebe) oder fährt geradeaus in die Stadtschleuse. Die Stadtschleuse arbeitet tagsüber alle 20–30 Minuten und hebt den knapp 40 cm höheren Westerhavenpegel; Funkkontakt ist nicht nötig, Ampel beachten und bei Rot an den Wartedalben festmachen. Bei Starkwind aus Südwest steht leichter Seitenversatz, doch der Schleusenkopf bietet guten Windschatten. Nachtansteuerung ist dank Führungsfeuern und Straßenlaternen unproblematisch.
Idyllische Hafenvielfalt mit Geschichtsflair
Vor der Mole ankert kaum jemand – zu viel Schiffsverkehr und schlechter Halt über weichem Schlick. Drinnen verteilen sich Liegeplätze auf drei Bereiche: Oosterhaven direkt hinter der Schleuse: Boxen 2,5–3 m, ideale Altstadtlage, etwas Schwell durch vorbeifahrende Traditionssegler. Westerhaven (Stadthafen): längsseits an historischen Kais, Wassertiefe 2,2 m. Liegt pittoresk zwischen Giebeln und Restaurants, aber eng beim Wenden. Regatta Center IJsselmeer südlich des Schlosses: fingerstege für Yachten bis 20 m auf 3,5 m Tiefe, absolute Ruhe und viel Platz. Alle Becken sind stromlos, schwellfrei und selbst bei 8 Bft sicher. Einziger Schwachpunkt: starker Ostwind drückt Wasser aus dem Ijsselmeer; bei extremem Niedrigwasser (< −50 cm NAP) wird der Westerhaven für Tiefgänger knapp.
Perfekte Segler-Infrastruktur am Oosterhaven
Strom, Wasser und kostenloses WLAN stehen an allen Stegen. Das moderne Sanitärgebäude in der Middelweg bietet Duschen und Waschmaschinen, beim Regatta Center gibt es zusätzliche Anlagen. Diesel bunkert man an der Selbstbedienungsstation an der Binnenhaven-Brücke; Gasflaschen tauschen mehrere Camping-Shops im Ort. Lebensmittel? Zwei Supermärkte (Albert Heijn und Vomar) liegen keine fünf Gehminuten vom Oosterhaven entfernt, Bäcker und Käseladen sind in Sichtweite. Auf dem Kai verkaufen Fischer frisch geräucherten Aal, und freitags füllt ein Bauernmarkt den Nieuwstraat mit Käse-, Honig- und Blumenständen. Mülltrennung (Rest, Glas, Kunststoff, Papier) direkt am Hafenkopf; eine Fäkalienabsaugung ist am Regatta Center kostenfrei. Für Reparaturen sitzen Rigging-Service, Segelmacher und Motorwerkstatt rund ums Regatta-Center; ein 40-t-Kran und Winterlagerhallen sind vorhanden. Trotz dieser Infrastruktur bleibt alles überschaubar – der Hafenmeister kommt per Fahrrad vorbei und kassiert am Steg.
Wassersport und Kultur am Ijsselmeer
Sobald Leinen klariert sind, locken mehrere Ausflugsziele: Schloss Radboud – Wasserburg aus 1288, heute Museum (Marinemodelle, Burggraben-Rundgang). Dampfmaschinenmuseum am Stadtrand: funktionstüchtige Pumpstation von 1869, in der Sommerferienzeit unter Volldampf. Ijsselmeerstrand: 15 Minuten zu Fuß, flaches Badewasser, ideales SUP-Revier. Radwege führen über den Deich nach Enkhuizen oder durch das Polderland zum Käsestädtchen Hoorn. Vogelbeobachter:innen sollten Fernglas einstecken: In den Reusen vor dem Hafen jagen Brandseeschwalben; im Frühjahr rasten zehntausende Pfeifenten auf den Polderflächen.
Medemblik: Historischer Charme für Seglerträume
Medemblik vereint alt-holländisches Flair, solide Infrastruktur und ein überschaubares, gastfreundliches Hafenteam. Für Küstensegler:innen, die vor der Nordsee-Passage noch einmal Kultur, Technikservice und Käse einkaufen wollen, ist der Ort perfekt. Familien freuen sich über Strand, Dampfmuseum und flache Radwege; Regattacrews schätzen das tiefe Bassin und die kurzen Wege zum Ijsselmeer. Weniger geeignet ist der Stadthafen für Yachten über 15 m oder Tiefgänger > 2,8 m – diese finden am Regatta Center aber exzellenten Ersatz. Mein Logbuch endet mit der Notiz: „22:10 Uhr – Glockenspiel der Bonifatius, frisch geräucherter Aal im Cockpit, leises Knarren der Plattbodenschiffe. Ijsselmeer spiegelt Abendrot, und der Nordseesturm von morgen wirkt plötzlich halb so wild.“ Medemblik: ein Hafen, der historische Kulisse und moderne Seglerbedürfnisse so selbstverständlich kombiniert, dass man immer einen Tag länger bleibt als geplant.
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