Navigationshinweise für Benagil-Bucht-Ansteuerung
Benagil liegt rund 12 sm östlich von Lagos (37 °05,0 ′ N / 08 °25,0 ′ W). Die Küste ist frei von Riffen, doch der lange Atlantikschwell steht ungebremst auf die Steilküste; eine Tagesansteuerung bei ruhigen Bedingungen ist daher ratsam. Wir hielten zwei Kabel Luvabstand zur Felslinie, bis der Strand von Benagil deutlich erkennbar war, und steuerten dann 340 ° in die Mitte der Bucht. Tiefen fallen gleichmäßig von 15 m am Einschnitt auf 6–8 m vor der Brandungszone ab. Bei Nacht fehlen Leuchtfeuer; wer trotzdem im Dunkeln ankommt, nutzt den Schein der Küstenorte als Backdrop und sucht sich mit Scheinwerfer und Plotter seinen Radius. Vorsicht: Tagsüber kreuzen bis 18 Uhr permanent Ausflugsribs und Kajakgruppen zur Höhle – also defensiv navigieren und AIS mitlaufen lassen.
Ankerplatz Benagil: Sicher, aber rollend
Der Grund besteht aus festem, hellem Sand mit vereinzelten Seegrasinseln. Unser 20-kg-Delta griff nach weniger als zehn Metern Kette; Navily-Berichte bestätigen „sehr guten Halt bei 5–7 m Tiefe“ . Allerdings ist der Platz nur bei Nord- bis Ostlagen wirklich ruhig. Dreht der Wind auf Südwest oder kommt Dünung aus langanhaltendem Westschwell, beginnt das Boot kräftig zu rollen – ein Grund, warum viele Crews Benagil eher als Tagesstopp nutzen. Die mittlere Tidenspanne an der Algarve beträgt rund 2,8 m; bei Ankunft auf Hochwasser lohnt etwas Kettenreserve.
Strenge Zugangsregeln zur Algar-Höhle
Beachten sollte man zweierlei: Brandungsbrandung – selbst bei kleinem Swell steht am Strand eine knackige Uferwelle – und Regeln für den Höhlenzugang. Seit Juli 2024 ist es verboten, mit eigenem Dinghy in die Algar-Höhle einzufahren oder dort anzulanden; erlaubt ist nur geführter Paddel- oder Bootstourenbetrieb, der strengen Kapazitätslimits unterliegt . Entsprechend legt man das Dinghy am besten am Westrand der Badezone an, zieht es weit hoch oder benutzt den kleinen Betonschrägaufzug neben den Fischerbooten. Trinkwasser erhält man direkt am Strand nicht; das nächstgrößere Angebot (Supermarkt, Diesel, Gas) findet sich im 2 km entfernten Lagoa – Taxi oder Lieferdienst einplanen. Müllcontainer stehen oberhalb des Strandes.
Algar de Benagil: Naturwunder an der Algarve
Die Szenerie ist spektakulär: Honigfarbene Kalksteinklippen, vom Meer zu Bogengängen, Höhlen und nadelschmalen Felspfeilern erodiert. Highlight ist – klar – der Algar de Benagil: eine Doppelhöhle mit 30 m Durchmesser und „Himmelfenster“ in der Kuppel, sodass Sonnenstrahlen wie Lichtkaskaden hereinfallen . Unter Wasser wogen Seegraswiesen, zwischen denen Oktopusse, Wrackbarsche und leuchtend blaue Meerpfauenschnecken patrouillieren; Sichtweiten von 8–12 m sind keine Seltenheit. Die Surf-Forecast-Daten zeigen das ganze Jahr über moderaten Grundschwell (durchschnittlich 0,5–1 m), der bei Weststürmen jedoch abrupt auf 2–3 m hochschnellen kann . Kleine Wanderpfade führen entlang der Klippe nach Osten zur berühmten Praia da Marinha, vorbei an duftenden Pinien und Rosmarinpolstern; mit etwas Glück kreist ein Wanderfalke über der Abbruchkante.
Benagil: Traumkulisse mit Herausforderungen
Benagil ist – im besten Sinne – ein Postkartenmotiv mit Haken: Der Ankerplatz begeistert durch einmalige Felslandschaft und gute Haltequalität, verlangt aber Wetterfenster und Toleranz für Schwell. Für Crews, die tagsüber die Höhle erkunden und abends weiterziehen, ist er ideal. Wer eine ruhige Nacht sucht, sollte nur bei nördlichen Winden bleiben oder als Plan B die 4 sm entfernte, deutlich geschütztere Praia do Barranco im Hinterkopf behalten. Mich persönlich hat der Augenblick fasziniert, als die Tagestouristen verschwunden waren: Die untergehende Sonne färbte die Deckenöffnung des Algar blutrot, vom Strand klangen noch letzte Stimmen herüber, und unser Boot lag in smaragdgrünem, fast ölglattem Wasser – ein kurzer Moment vollkommenen Friedens, bevor in der Nacht wieder Atlantikrollgeräusche an die Bordwand klopften. Kurzurteil + Fester Sandgrund, spektakuläre Küstenkulisse, einfacher Höhlenzugang (SUP/Kajak) − Offene Bucht, daher rollig bei West-Südschwell; keinerlei Versorgungsinfrastruktur Empfehlung: Perfekt als Foto- und Schnorchel-Stop für wetterflexible Fahrtsegler:innen; weniger geeignet für Langlieger:innen oder Crews mit großem Versorgungsbedarf.
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