Ungeahntes Segelvergnügen in gesperrter Bucht
Die Bucht liegt an der Ostseite der Halbinsel Finisterre bei 42 ° 56,6′ N / 09 ° 13,9′ W. Von Westen her nimmt man zunächst Kurs auf den weithin sichtbaren Leuchtturm Faro de Cabo Finisterre (Fl(2) W 10 s). Sobald dieser querab liegt, steuert man ca. 045 ° in die Bucht, bis der helle Sandstreifen genau voraus liegt. Untiefen oder Riffs gibt es in der Einfahrt keine; der Grund fällt gleichmäßig von 25 m auf 10 m ab. Bei Frühjahrstiden steigt das Wasser hier – wie in der benachbarten Ría de Corcubión – um gut 3,5 m; Strömung bleibt unter 1 kn, macht sich aber bei Querwind bemerkbar. Wichtig: Nach den offiziellen „Sailing Directions“ gilt Sardineiro als restriktives Fischereigebiet; rein formal ist der Bereich für Freizeitboote gesperrt. De facto ankern jedoch seit Jahren Fahrtenyachten am nördlichen Rand des Strandes außerhalb der ausgelegten Fischreusen – wer hier bleiben möchte, hält deutlichen Abstand zu den gelben Fangbojen und bereitet sich auf mögliche Nachfrage der Guardia Civil vor.
Sichere Ankerbucht mit Sternenhimmel
Geankert wird in 8 – 12 m Tiefe auf hellem, festem Sand – der Anker gräbt sich sofort ein und hält selbst bei böigen 30 kn aus Nordost zuverlässig. Die rundliche Bucht ist vor Nord- bis Westwellen gut abgeschattet; bei ausgeprägtem Süd- bis Südwestwind steht jedoch kurzer, konfuser Schwell hinein. Dann verlegt man besser nach Corcubión oder Fisterra. Wegen des großen Schwoikreises empfehle ich mindestens 40 m Kette bei 10 m Tiefe. Das Wasser ist klar; in zwei Nächten ankerten wir mit freiem Rundumblick auf Sternenhimmel und Leuchtturmblitze – ohne jede Rollbewegung.
Sardineiro: Naturoase ohne Versorgungsluxus
Mit dem Dinghy fährt man durch eine markierte Lücke in der Badezonen-Bojereihe direkt auf den Sand. Alternativ bietet der kleine Peirao de Sardiñeiro (Betonsteg am Nordende) trockenen Fuß; dort liegen auch ein Recyclingcontainer und eine Wasserleitung, die im Sommer oft abgeschaltet ist. Ein Mini-Supermercado (Basisproviant), Bäckerei und zwei Bars erreicht man in fünf Gehminuten an der Küstenstraße AC-445; für größere Einkäufe empfiehlt sich der Bus (15 min) nach Cee. Diesel oder Gasflaschen gibt es erst wieder im neun Seemeilen entfernten Hafen von Muros – Sardineiro ist klar ein Naturplatz, kein Versorgungsstopp.
Küstenparadies mit Dünen und Pilgerweg
Der Strand bildet den Beginn eines drei Kilometer langen Dünenbogens; dahinter duften Stechginster und kniehohe Heide. Entlang des Wassers verläuft der Camino de Fisterra, der Pilgerweg zum „Ende der Welt“ – eine perfekte Jogging- oder Wanderrunde bei Sonnenaufgang. Unter Wasser tummeln sich Seesterne, Seespinnen und gelegentlich Seepferdchen zwischen den Tangwiesen; Sichtweiten von 3–4 m sind für die offene Atlantikküste beachtlich. Oberhalb der Baumlinie ziehen häufig Fischadler; abends färbt die untergehende Sonne die Granitfelsen von Monte Pindo rosa. Das Strandprofil fällt sanft ab und ist von der regionalen Tourismusbehörde als Badegewässer mit Lifeguard-Präsenz eingestuft, wenngleich sonst kaum Infrastruktur existiert.
Galicische Traumbucht: Ruhe und Naturerlebnis
Praia de Sardiñeiro ist der Inbegriff einer galicischen Traumbucht: fester Sandgrund, gute Rundumabdeckung und eine Naturkulisse, die vom Cockpit aus wirkt wie eine Kinoleinwand. Wer Landstrom, Warmdusche und Schiffswerft sucht, wird enttäuscht – wer dagegen nach einer Passage um Finisterre einen Tag Barfuß-Ruhe, Schwimmen und kurzen Landgang zum Dorf benötigt, findet hier sein Paradies. Bei starken Südlagen oder wenn man formale Rechtssicherheit braucht, sollte man ausweichen; an allen anderen Tagen gehört Sardiñeiro zu den stillsten und schönsten Ankerplätzen der Costa da Morte. Ich lege auf dem Weg nach Norden jetzt immer eine Nacht ein – allein schon wegen des einmaligen Moments, wenn der erste Camino-Pilger bei Morgengrau den Strand entlangzieht und man den Duft von frisch gebrühtem Bordkaffee mit dem Salz der Brandung mischt.
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