Navigation zum Deviner See: Herausforderungen und Tipps
Neuhof liegt am Eingang des Deviner Sees, knapp drei Seemeilen südöstlich der Ziegelgrabenbrücke von Stralsund. Vom betonnten Strelasund-Fahrwasser geht es an der grünen Tonne 26/NE2 mit Kurs 194 ° in ein privat ausgestecktes, 4 sm kurzes Stichfahrwasser; die Tonnen sind vom 1. April bis 31. Oktober befeuert (Fl.R/G 4 s). Außerhalb dieses Zeitfensters bleibt das Fahrwasser unbeleuchtet – ein Grund, die Passage in der Dämmerung oder bei Tag zu planen . Die Solltiefe beträgt rund 3 m; gestrandet wird nur, wer das Fahrwasser verlässt, denn beidseits lauern vereinzelte Findlinge. Der Strelasund selbst ist ganzjährig betonnt und befeuert, also auch bei Dunkelheit problemlos zu befahren . Bei Starkwind aus Südost schiebt die Brise quer über den Kanal – wir brauchten bei 28 kn Böen etwas mehr Gas, um den Versatz zu kompensieren, doch vor der Hafeneinfahrt ist das Wasser wieder glatt.
Sicherer Hafen bei jedem Wetter
Geankert wird hier nicht – Neuhof ist ein reiner Boxen- und Fingersteghafen. Etwa 150 Liegeplätze (LÜA bis 20 m) bieten Tiefen von 2,5 – 3,0 m; Katamarane können auf Mooringtonnen im Flachwasser ausweichen . Der Hafen liegt 40 m unterhalb des bewaldeten Steilufers und ist von drei Seiten mit massiven Spund- und Steinschüttungen eingefasst; selbst bei West- oder Oststurm bleibt das Boot nahezu regungslos. Nur bei hartem Nord schwappt leichter Schwell bis vors Tor, doch die Einfahrt ist breit genug, um auch dann sicher zu manövrieren. Dalben und Pfähle sind neu, Festmacher dürfen entspannt gefahren werden.
Komfortabler Hafen mit umfassendem Service
Alle Plätze verfügen über Frischwasser, 16-A-Strom und kostenloses WLAN; Diesel und Benzin gibt es an der Bunkerstation gleich neben dem Kran . Das Sanitärgebäude glänzt skandinavisch-sauber, Waschmaschine inklusive. Ein 16-t-Kran, Slipbahn, Motoren- und Segelservice sowie Winterlagerhallen decken technische Wünsche ab . Bezahlt wird – wenn der Hafenmeister unterwegs ist – einfach oben im Hafenrestaurant, dessen Terrasse einen Bilderbuch-Sundowner über dem Strelasund bietet . Versorgung: In Brandshagen (1 km) gibt es einen Bäcker und eine Dorflade; große Supermärkte warten am Stadtrand von Stralsund (15 min mit Leihfahrrad oder Bus). Gasflaschen tauscht der Hafenmeister auf Bestellung, ein kleiner Yachtshop hält Standardersatzteile vor. Müll wird getrennt entsorgt; eine Fäkalienabsauganlage ist kostenlos nutzbar. Kostenlose, umzäunte Parkplätze liegen direkt hinter dem Hauptsteg.
Naturnahes Abenteuer zwischen Schutzgebieten
Neuhof liegt im Vorfeld zweier Schutzgebiete: der Halbinsel Devin, einer 106 ha großen Moränenlandschaft mit Trockenrasen und Seeadlern, und der Kormorankolonie bei Niederhof, in der mehrere Hundert Brutpaare seit 1954 unter strengem Schutz stehen . Schon der kurze Spaziergang über den Deich führt an röhrichtgesäumten Flachwasserzonen vorbei; im Frühsommer balzen Rohrdommeln hier im Morgengrauen. Auf dem Wasser tummeln sich Hechte, Barsche und gelegentlich Schweinswale, die über den Bodden in den Strelasund kommen. Wer Rad fährt, kann den 12-km-Deichradweg nach Stralsund nehmen – immer mit Gorch-Fock-Silhouette im Blick. Wandernde folgen dem Rundweg Halbinsel Devin (6 km) und finden in den alten Eichen am Osthang bizarre Kormoran-Nester. Für Kinder gibt es einen kleinen Badesteg am Südrand des Hafens; Stand-up-Paddler gleiten lautlos durch den Deviner See, oft begleitet von Höckerschwänen.
Neuhof: Ruheoase mit Panoramablick
Neuhof ist der Gegenentwurf zur vollen Citymarina: kein Brückenstress, kein Hafenkino – dafür Panoramablick ins Schilf, perfekte Ruhe und eine Infrastruktur, die man einem so „grünen“ Platz kaum zutraut. Ideal für: Bodden-Törns rund Rügen, die hier einen geschützten Technik- oder Crewwechselstopp brauchen; Familien, die Naturerkundung, Badesteg und sicheres Kinderradeln schätzen; Langfahrt-Crews, die Brückenöffnungen oder Wetterfenster abwarten wollen – LTE und Werkstatt sind an Bord. Weniger geeignet ist Neuhof für Tiefgänger über 3 m oder Nachtschwärmer, denn nach 22 Uhr herrscht im Hafen stille Boddenidylle. Mein persönliches Highlight: Der Blick von der Restaurantterrasse, wenn die Sonne hinter den Birken der Halbinsel Devin versinkt, die Kormorane krächzend einfliegen und das Boot in vollkommener Flaute leise am Fingersteg zupft – ein Moment, der beweist, dass Ruhe manchmal der größte Luxus ist.
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