Sichere Passage zur Lofoten-Bucht
Der Eingang zur Bucht öffnet sich nordwestlich des Nappstraumen (59°35,7′ N | 13°36,4′ E). Eine einzelne grüne Tonne („Hauklandsgrunn“) markiert das westliche Ende einer Felsschwelle; sie bleibt an Steuerbord. Südlich der Tonne liegen verstreute Steine bis knapp unter die Oberfläche – wer sich zu dicht herantraut, riskiert Kratzspuren im Gelcoat. Danach läuft man mitten in den Sandkessel ein; die Tiefe fällt gleichmäßig von 25 m an der 10-Meter-Isobathe auf 6–12 m im inneren Drittel ab. Die Passage ist bei Tageslicht unproblematisch, doch nachts helfen ausschließlich Plotter, Radar und das diffuse Straßenlaternenlicht am Parkplatz. Achtung Tidenhub: In den Lofoten schwankt der Wasserstand je nach Mondphase um 1,7–2,3 m. Besonders bei auslaufender Springtide schiebt die Abströmung aus dem Nappstraumen Schwell in die Bucht – wer eine schwojende Nacht vermeiden möchte, plant das Manöver in der Kenterphase.
Perfektes Ankern bei östlichen Winden
Am zuverlässigsten hält der Anker auf dem hellen, schier endlosen Sandteppich vor dem nördlichen Strandabschnitt; dort graben sich Mantus, Rocna & Co. bereits nach einer halben Bootslänge Kette fest. Am Südrand der Bucht mischen sich Kies und einzelne Felsplatten unter den Sand; Haltekraft ok, aber Kette unbedingt mit Maske kontrollieren. Bei östlichen bis südöstlichen Winden liegt man wie in der Badewanne. Dreht die Brise jedoch auf West bis Nord, rollen atlantische Dünungsreste ungebremst herein – dann wird es unangenehm, lange bevor die Böen zweistellig werden. In Starkwindlagen aus Nordwest sucht man besser Zuflucht in den Fjorden östlich von Leknes.
Haukland Beach: Neuer Visitor Center im Bau
Das Dinghy kann an jeder Stelle des Strandes weich auflaufen; bei mäßigem Schwell empfiehlt sich die Kiesspitze neben dem Parkplatz, wo das Gefälle flacher ist. 2023 ersetzte die Kommune die maroden 1970er-Sanitärbaracken durch ein provisorisches WC-Gebäude; ein dauerhafter Visitor Center-Bau mit barrierefreien Toiletten, Duschen und Café ist seit 2024 im Bau (Fertigstellung vsl. Sommer 2026). Im Sommer (Juni–September) öffnet täglich das Haukland Beach Café: Waffeln, Fischsuppe, Kaffee – und das Wichtigste für Segler:innen ohne Wassermacher: Trinkwasser für Kanister. Müllcontainer für Rest- und Wertstoffe stehen direkt am Parkplatz; Glas bitte separat entsorgen. Diesel gibt es nur im 11 km entfernten Leknes; der dortige „Circle K“ verfügt auch über eine LPG-Zapfstelle.
Haukland: Alte Geologie und lebendige Natur
Geologisch besteht die Halbinsel Haukland aus 3 Milliarden Jahre altem Gneis. Das verleiht den Bergen ihre graublauen Adern, die vor allem abends im Streiflicht leuchten. An Land gedeihen Wollgras, Krähenbeere und vereinzelt Strandhafer – ein seltenes Bild so weit im Norden. Unter Wasser wogen Tangwälder, in denen Seehasen, Seelachsschwärme und Seesterne leben. Die Sichtweite ist bei ruhigem Wetter erstaunlich: 10–12 m sind keine Seltenheit. Wer das Dinghy an den südlichen Strand setzt, kann über den Küstenpfad Uttakleiv-Haukland (4,5 km, 75 Höhenmeter) wandern – ein Panoramaweg, der früher als Pferdekarrenstraße diente. Sportliche Crewmitglieder wählen den steilen Aufstieg auf den 541 m hohen Mannen: 360-Grad-Blick vom Vestfjord bis Moskenesøya; empfehlenswert bei Mitternachtssonne oder Polarlicht.
Hauklandstranda: Nordatlantische Schönwetter-Oase
Hauklandstranda ist kein Allwetter-Refugium, sondern ein Schönwetter-Highlight. Wer bei stabilem Ostwind einläuft, wird mit bizarr schönem Farbspektrum, guter Haltequalität und einem Strandspaziergang belohnt, der fast vergessen lässt, dass man sich im Nordatlantik befindet. Infrastruktur bleibt minimalistisch, reicht aber zum Auffüllen von Wasser, zur Müllentsorgung und für einen heißen Kaffee an Land. Ideal für crews, die auf dem Weg nach Tromsø eine Nacht vor Anker einlegen oder den Tidenstrom des Nappstraumen abpassen müssen. Für Langkieler über 2,30 m ist der Platz tief genug, für leichte Charterkielschwerter fast ein Luxus-Pool. Mein Logbuchurteil nach zwei Nächten (eine davon windstill, eine mit 18 kn West): vier von fünf Sternen – Abzug nur für die Swell-Empfindlichkeit. Wer karibische Farben, arktische Klarheit und die rohe Bergkulisse der Lofoten in einem Bild sucht, sollte diesen Ankerplatz nicht auslassen.
Community's Meinung