Navigationshinweise für Huvudskärs Archipel
Das Archipel liegt rund 15 sm südöstlich von Dalarö; die befeuerte Schifffahrtsrinne „Nämdöfjärden–Huvudskär“ führt bis zur grünen Stängseltonne Hsk 10. Von dort peilt man 120 ° auf den Leuchtturm (Iso W 8 s) und dreht, sobald der Turm deckungsgleich mit dem roten Lotsenhaus fällt, nach Süd auf die Einfahrt der Fladenbucht. Die schmale S-Kurve zwischen Ålandsskär (W) und Lökskär (O) ist frei von Steinen, doch an sonnigen Tagen spiegelt das Wasser; Polaroidbrille und Bugposten helfen. Tiefgang: 4 m in der Rinne, 3–4 m im inneren Becken; direkt unter den Klippen steigt der Granit abrupt hoch. Besonderheiten: Nachts fehlt jede Befeuerung außer dem Turm – Einlaufen nur bei Sicht. Bei Südost > 20 kn schiebt der Wind ordentlich Strom quer in die Einfahrt, dann Motoren in Bereitschaft halten.
Perfektes Ankern in Fladenbucht
Die klassische Methode ist das Schärenpakt: Heckanker in 6–8 m feinem Sand/Kies fallen lassen, Bug an eine stabile Felsöse oder eigene Bolzenspitzen ausbringen. Der Grund hält ausgezeichnet, die Felsen sind rund und algenfrei. Schutz besteht perfekt von NW bis O; offene Sektoren nach S–SW lassen bei aufziehendem Tiefdruck langen Schwell herein – dann verholt man zur nordöstlichen Minibucht am Lotsensteg oder notfalls nach Bredskär. In Hochsommerwochenenden passen knapp 25 Boote in die Fladenbucht; wer spät kommt, muss improvisieren oder auf Gegenüberliegende Skär ausweichen.
Abgeschiedene Ankerbucht ohne Versorgungsstellen
Der Fels steigt fast überall senkrecht aus dem Wasser; nur am Südostende der Bucht liegt eine kleine Kiesrampe fürs Dinghy. Trinkwasser, Strom oder Mülltonnen gibt es nicht. Frischwasser muss komplett an Bord sein; Tagesgäste des Lotsenstationsvereins dürfen in Notfällen am Regenwassertank zapfen – freundliche Nachfrage vorausgesetzt. Müll nimmt man mit zurück; die Schärenstiftung kontrolliert und verhängt bei Wildentsorgung empfindliche Bußgelder. Gas und Diesel: nächster Service in Dalarö (15 sm) oder Utö (13 sm).
Huvudskär: Naturparadies der Schäreninseln
Huvudskär ist Naturreservat mit über 200 Felsen und Inseln. Vegetation? Dünne Moosflecken, Kråkris-Heide, einzelne geduckte Wacholder und in Senken kleine Moore, in denen im Juni weißes Wollgras leuchtet . Der Vogelbestand ist bemerkenswert: Eider, Tordmule, Tobisgrissla und im Spätsommer durchziehende Sturmschwalben. Mit etwas Glück segelt der Seeadler über die Inselkämme. Unter Wasser herrschen 4–6 m Sicht, Tangwälder und Granitblöcke mit Guanobewuchs; Seesterne, Butterfische und in Felsspalten versteckte Taschenkrebse sind Standard. Ein Pfad führt von der Anlegebucht hinauf zur ehemaligen Lotsenstation und weiter zum Leuchtturm von 1931. Infotafeln erzählen, wie Lotsen einst in Sturm und Eiseskälte auf Mastkörben Ausschau hielten, um Handelssegler sicher durch die Schären zu geleiten. Im alten Schmugglerkeller der „Mässen“ kann man bei Sturm Schutz suchen; Bänke, Holzofen und einfache Stockbetten stehen offen – „alle tar med, alla tar hem“ lautet die Inselfaustregel.
Huvudskär: Naturparadies ohne Infrastruktur
Huvudskär ist kein Komfortankerplatz, sondern ein Schärenerlebnis für Selbstversorger: Pluspunkte Sichere Sandanker & Granitösen, grandiose Kulisse, Null Lichtsmog – Sternbilder bis zum Horizont. Lebendige Geschichte: Leuchtturm, Lotsenhaus, Schmugglerkeller. Reicher Vogel- und Meeresfaunabestand; Tauchen mit Schnorchel fühlt sich wie ein Aquarium ohne Glas an. Minuspunkte Keine Infrastruktur, Null Handyempfang; Funkgerät bleibt einzige Wetterquelle. Bei Südwestlage oder Gewitterfront rasch ungemütlich, Ausweichbucht begrenzt. In Juli-Wochenenden voller als mancher Gästehafen; wer Einsamkeit sucht, kommt unter der Woche. Empfehlenswert für Crews, die autonome Bordtechnik, einen soliden Heckanker und Lust auf Schärenklettern besitzen. Ungeeignet für Tiefgänger über 2,2 m oder Komfortsegler, die abends gern an der Marinabar sitzen. Ich persönlich habe hier zwei Nächte bei Ostwind verbracht: morgens Kaffee mit Blick auf glänzende Granitkuppen, mittags einen Tauchschnorchel mit neugierigen Seespinnen, abends Linseneintopf im Vorglanz des Leuchtturms. Als in der zweiten Nacht das Nordlicht zart über dem Horizont tanzte, hielt der Anker, als wäre er verschweißt, und ich wusste: Deshalb segelt man in die äußeren Schären – um das fragile Band zwischen Mensch und blankem Granit zu spüren.
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