Sichere Einfahrt nach Birkholm erkunden
Birkholm liegt zwischen Ærø und Fyn, etwa fünf Seemeilen nordwestlich von Marstal. Die Einfahrt erfolgt ausschließlich von Süden. Ab Kardinaltonne E“n” (F NG) folgt man einem betonnten Kanal, der zwischen Schilfinseln hindurchführt. Tiefe laut dänischem „Sejladsudsigten“: 2,0 – 2,2 m, bei längerem Ostwind können flache Stellen 1,8 m erreichen. Ein markanter Orientierungspunkt ist der weiße Glockenturm am Ostufer, der bei Tag als einzige „Erhebung“ der Insel dient. Nach dem letzten grünen Prickenpaar dreht man hart backbord in das Hafenbecken; dabei nicht zu weit ausschwenken – steuerbord lauert eine nur 1,5 m tiefe Schlickbank. Bei Dunkelheit zeigt ein Occulting-WR-Feuer den Kanal, doch die Entfernungen sind kurz, und das Dorflicht blendet – besser tagsüber einlaufen. Bei westlichem Starkwind steht Schiebewasser in den Kanal, stramm aber nicht gefährlich; Großsegel sollte vorher geborgen sein.
Geschützter Hafen im Schilfmeer
Der Hafen ist L-förmig, bietet knapp 25 Dalbenplätze und ist rundum von Schilfwällen umgeben. Nur Nordostwind findet einen Spalt, und selbst dann bleibt das Wasser selten kabbelig. Untergrund: fester Marschlehm; die Dalben absorbieren selbst Sturmboen. Ankern vor der Insel ist nicht ratsam – die Ostsee fällt flach aus, und Seegras ist streng geschützt.
Minimalistische Insel mit herzlicher Gastfreundschaft
Birkholm zählt zehn ständige Einwohner, dementsprechend reduziert sich die Infrastruktur auf das Wesentliche: Liegegeld 2025: 120 DKK für Boote bis 12 m, Strom pauschal 25 DKK. Bezahlt wird im roten Hafenhäuschen per MobilePay oder bar in eine Kasse. Wasser gibt es an einem Schlauch auf der Hauptpier, lediglich im Sommer; im Frühling und Herbst bleibt die Leitung wegen Frostgefahr zu. Sanitär: Ein kleines Backsteinhäuschen beherbergt Toilette und zwei Duschen (10 DKK-Münzautomat, warm, sauber). Lebensmittel? Fehlanzeige. Einmal pro Woche kommt das Versorgungsschiff aus Rudkøbing; wer Glück hat, kann beim Hafenmeister frische Eier ergattern. Sonst muss man bunkern, bevor man herkommt. Diesel / Gas: nicht erhältlich. Der Hafenmeister hilft notfalls mit 20-Liter-Kanistern, doch der nächste Stützpunkt ist Marstal. Müll wird getrennt; Glascontainer am Hafenausgang, Restmüll abgeben, sobald das Frachtboot anlegt. Trotz Minimalismus ist die Gastfreundschaft groß: Wir bekamen abends selbstgeräucherten Aal, weil wir beim Ausbringen des Fischerkutters halfen – eine Art Naturalwährung der Insel.
Birkholm: Idylle ohne Autos und Lärm
Birkholm ist nur zwei Kilometer lang; ein Muschelweg führt vom Hafen zum Dorfplatz mit Glockenturm, alter Schule (jetzt Museum) und einem Gemeinschaftsgarten voller Stockrosen. Kein Auto, kein asphaltierter Weg stört den Spaziergang. Flora & Fauna Die Insel gilt als Vogelparadies: Rotschenkel, Kiebitz und Rotschnabelmöwe brüten in den Feuchtwiesen; abends fliegt der Seeadler vom Nachbarrevier Drejø rüber. Im seichten Wasser wuchert Seegras, in dem Hechte und junge Dorsche jagen – bei ruhigem Wetter reicht eine Schnorchelmaske, um ihnen zuzuschauen. Im Spätsommer färben Strandastern die Salzwiesen lila, und überall summen Wildbienen. Ausflüge Wer ein Dinghy oder SUP hat, paddelt in 20 Minuten zu den nordwestlichen Sandhaken. Bei Niedrigwasser liegen dort Millionen Herzmuscheln im Sonnenlicht, und der Blick geht bis zum 25 km entfernten Leuchtturm „Keldsnor“ auf Langeland. Radfahren lohnt kaum – in zehn Minuten ist man einmal um die Insel. Dafür lädt der Hafen abends zu einem Bad von der Badeleiter ein: brackiges, oft spiegelglattes Ostseewasser, das im seichten Becken schnell 22 °C erreicht.
Birkholm: Ruheparadies für Segler und Naturliebhaber
Birkholm ist Reduktion auf das Wesentliche: sicherer Liegeplatz, stille Natur, herzliche Bewohner – sonst nichts. Gerade deshalb fühlt man hier nach einem vollen Segeltag die Uhren langsamer ticken. Unsere Crew blieb zwei Nächte, weil wir nach Tagen auf der betriebsamen „dänischen Südsee“ endlich wieder Grillenzirpen hören wollten. Pluspunkte Rundum geschützter Hafen – selbst bei 7 Bft West sitzt man wie auf einem Ententeich. Einmalige Vogel- und Pflanzenwelt, komplett autofrei. Unvergessliche Sonnenuntergänge über flachem Land, Sternenhimmel ohne künstliches Licht. Minuspunkte Tiefganglimit um 2 m, „dicke“ Fahrtenyachten haben es schwer. Totale Versorgungsarmut: Kein Supermarkt, kein Diesel – Autarkie zwingend. Hafen winzig und in der Hochsaison ab 15 Uhr voll, besonders an Wochenenden. Geeignet für Segler:innen, die Stille suchen, Kindercrews, die barfuß Krabben keschern wollen, Naturliebhaber mit Fernglas und Fotoapparat. Nicht geeignet als Durchgangsstation für hastig getaktete Ostseerouten. Logbuch-Eintrag beim Ablegen: „Birkholm – ein Platz, an dem man die Welt kleiner macht, um sie danach größer zu sehen.“
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