Dover: Strömungsstarker Hafen mit Funkpflicht
Position: 51 ° 07,6′ N | 1 ° 18,7′ E Dover liegt exakt am Südausgang der Nordsee–La-Manche-Passage; Strömungen laufen hier bei Springtide mit bis zu 3 kn. Zwei Seemeilen vor der Mole ist daher bereits „Funkpflicht“: Auf VHF Ch. 74 „Dover Port Control“ melden, Listening-Watch halten und die Einweisungen befolgen. Einlaufen West (empfohlen für die Marina): Von SW hält man das West-Entrance-Leuchtfeuer (Iso.R.4s) auf 350 °, meldet sich 200 m vorm Molenkopf erneut und folgt dann dem gut befeuerten Fairway in die Outer Harbour. Tiefe im Ansteuerungskanal ≥ 7 m, keine Bar. Einlaufen Ost passiert den Fährterminal – nur auf Anweisung nutzen, denn Ro-Ro-Riesen haben Vorfahrt. Tidenhub: ca. 6 m Springs. Die Outer Marina bleibt auch bei LAT über 3,0 m tief; in das historische Wellington Dock gelangt man dagegen nur durch eine Schwenkbrücke + Sektorschleuse (Betriebszeit ± 2,5 h HW, Tiefgang max. 2,4 m). Nachts ist der Hafen dank Richtfeuern und Verkehrslampen gut erkennbar, die Stadt selbst wirft allerdings viel Streulicht – Radar hilft, Rot-/Grün-Sektoren zu unterscheiden.
Sicherer Yachthafen hinter Marina Pier
Das neue Becken liegt hinter dem 550 m langen „Marina Pier“ – quasi ein Binnenhafen im Großhafen. Gegen Schwell von Fähr- und Berufsschifffahrt schützen massive Schwimmwände, bei Starkwind bleibt lediglich eine leichte, resonante Bewegung. Fenderbrett überflüssig, normale Hafenfender reichen. Liegeplätze: Fingerstege A–C, 5 m Breite, Strom & Wasser am Poller, Tiefen 3–5 m LAT. Längsseitsplätze für 25 m-Yachten an der Innenkante des Marina Pier. Grund: Feiner Hafenschlick, Beton-Pontons – Ankern ist verboten, man liegt nur an Stegboxen oder längs. Windschutz: Rundum exzellent; einzig starker Ost kann Verwirbelungen über den Fährbecken erzeugen, die sich aber kaum im Yachthafen bemerkbar machen.
Moderne Marina mit Top-Ausstattung und Lage
Zwei Minuten vom Steg steht das moderne Marina-Gebäude: 24 h Duschen/WC, Laundry, Family-Badezimmer, Recyclingstation (Glas, Metall, Ölfilter) und ein Card-operated Fuel-Pontoon (Diesel + petrol) – alles in der Liegegebühr (aktuell 4,20 £/m). Strom/Wasser: 16 / 32 A am Steg, Trinkwasser UV-gefiltert. WLAN: Kostenlos, passwortgeschützt; Geschwindigkeit ausreichend für Wetter-GRIBs. Chandlery & Werkstatt: „Dover Marine Services“ direkt an der Pier, 09–17 h; Travel-Lift 50 t. Einkauf: Tesco Express & Aldi (10 min Fußweg), Screwfix-Baumarkt gegenüber der A20. Verkehr: Fußweg zum Hauptbahnhof 12 min, High-Speed-Zug nach London-St Pancras 1 h 05. Für Dinghys gibt es eine eigens ausgeschilderte Sliprampe; wer Crew an die Fähre schickt, kann das Beiboot dort parken.
Abenteuer an Dovers Küste und Klippen
Direkt am Hafen beginnt Englands berühmteste Wanderung: The White Cliffs Trail. In weniger als 30 Minuten steht man oben auf der Kliffkante, blickt nach Calais und sieht bei klarer Luft die französischen Windräder. Im Frühjahr nisten Dreizehenmöwen und seltene Wanderfalken in den Kreidesimsen. Unter Wasser ist die Sicht meist 1–3 m, doch Wracktaucher schwärmen von der „Goodwin Graveyard“ – über 2 000 Schiffwracks liegen auf den Sandbänken nur 6 sm östlich. Für Nicht-Taucher lohnt sich eine Robbenbeobachtungsfahrt zur Sandwich-Bay; Tickets gibt es am Besucherzentrum an der esplanade. Dover selbst überrascht mit Geschichte: Römisches Leuchtturm-Relikt (Pharos), mittelalterliche Tunnel im Castle und die Battle-of-Britain-Memorialanlage. Cafés an der Marina-Curve servieren lokalen Crab-Roll, und im Pub „The White Horse“ signieren Schwimmer:innen des Ärmelkanals noch heute die Wände.
Marina Dover: Strategisches Sprungbrett mit Charme
Marina Dover ist kein idyllischer Naturhafen, sondern ein strategischer Knotenpunkt – und genau das macht ihren Reiz aus: Pluspunkte 24 h tidal-free Zugang zum Steg, perfektes „Waiting Room“-Revier vor dem Kanalsprung nach Frankreich oder vor der Nordsee-Etappe. Modernste Infrastruktur von Dusche bis Fast-Fuel. Einmalige Kulisse mit Kreidefelsen, Castle und Fähr-Megalinern im selben Bild. Minuspunkte Dauerbeschallung durch Hafenfunk und Fährsirenen – Ohrstöpsel helfen. Preise über UK-Durchschnitt; dafür Rabatt bei Vorausbuchung oder Langzeit-Liegezeit. Sicht unter Wasser mäßig, Schnorchel-Faktor gering. Für Langfahrtcrews ist Dover ideal zum Bunkern, Zollklarieren (UK Border Force Büro 200 m hinter dem Marina-Tor), Crewwechsel per Zug und Abwettern schwerer Westwinde. Charteryachten genießen die kurze Überfahrt nach Boulogne-sur-Mer (27 sm) oder einen Landtag mit Klippen-Hike. Mein Logbuch nach drei Nächten: „Strom, Diesel, heiße Dusche – und die Gewissheit, beim nächsten Windfenster schnell draußen zu sein.“ Dafür vergebe ich 4,5 von 5 Klang-Schallsignalen – volle Punktzahl für Funktionalität, kleiner Abzug für den Industrie-Charme. Wer das akzeptiert, findet in Dover eines der professionellsten Sprungbretter Europas.
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