Geschützte Ankerplätze bei Ons-Insel
Ons schützt die Ría de Pontevedra wie ein Riegel gegen Westdünung. Die geschützten Ankerfelder liegen folgerichtig auf der Ostseite, im Lee der Insel. Von Nord oder Süd kommend steuere ich zunächst den weißen Leuchtturm Faro de Ons an (127 m Feuerhöhe, 25 sm Tragweite). Danach halte ich exakt Ost, bis die grüne Kardinaltonne Melide (Fl G 5 s) querab fällt und peile dann 180° auf den Holzsteg von O Curro. Kartentiefen bleiben durchgehend >10 m; erst unmittelbar vor dem Strand steigen sie zügig auf 5–8 m an. Wichtig: Für jedes Einlaufen ist vorab eine Navigationsgenehmigung des Nationalparks nötig; das Formular gibt es online und gilt jeweils ein Kalenderjahr. Erst mit dieser Nummer darf man separate Ankergenehmigungen (max. 70 Boote/Tag, Zonen Melide & Castelo) reservieren. Bei Dunkelheit ist die Ansteuerung dank Leuchtturm kinderleicht; bei Sommerdunst oder Nebel sollte Radar laufen, denn Muschelflöße und kleine Fischerboote sind kaum befeuert.
Sicherer Ankerplatz bei ruhigem Sand
Das Hauptfeld liegt nördlich des Besucherpiers auf 6–9 m über feinem, hellen Sand – “Mooring on sand by 8 m”, wie Navily-Nutzer lakonisch schreiben. Schon nach einer halben Bootslänge rückwärts grub sich mein 25-kg-Rocna tief ein. Die Insel schirmt zuverlässig gegen alles aus West bis Nordost; erst anhaltender Südost wirft Kabbelsee über die flachen Sandbänke. Der mittlere Springhub liegt bei gut 3 m; wer 5:1 Kette gibt, schläft auch bei nächtlichem Winddreher ruhig. Bei Starkwind kann man auf die Bojenreihe vor dem Fähranleger ausweichen oder in die Ría hinein nach Bueu verholen.
Minimalistisches Inselabenteuer im Nationalpark
Das Dinghy lässt sich direkt an der Steintreppe des Holzstegs anlanden; bei Niedrigwasser müssen ein paar Meter durchs Watt gewatet werden. Wasser gibt es nur begrenzt an einem Brunnen neben der Besucherinformation – nicht immer als Trinkwasser deklariert. Deshalb lieber Kanister vom Festland mitbringen. In O Curro warten drei Bars/Restaurants (mein Favorit: Casa Checho mit legendärem Pulpo), ein Mini-Tante-Emma-Laden und ein kleiner Erste-Hilfe-Posten. Mülltonnen? Keine. Im gesamten Nationalpark gilt „pack it in – pack it out“: Alles, was an Bord kommt, muss auch wieder mit zurück. Diesel, Gas & Co. gibt es erst wieder auf dem Festland; der nächste Hafen mit Tankstelle ist Portonovo (6 sm).
Geologie und Naturwunder auf Ons entdecken
Ons gehört zum Atlantik-Nationalpark und ist ein einziges Open-Air-Lehrbuch für Geologie und Biologie. Östlich breiten sich seichte Seegraswiesen aus, in denen Taucher häufig Kurzschnauzen-Seepferdchen sichten – eine in Galicien geschützte Art. Vor der Westküste brandet der Atlantik an bis zu 60 m hohe Granitklippen; hier hat die Brandung die spektakuläre Schachthöhle Buraco do Inferno in den Fels gefräst. Vier markierte Wanderwege starten am Anleger: Die 8-km-Nordroute führt zum Mirador Fedorento mit Panorama auf Onza, Cíes und Cabo Home; die kürzere Südroute tangiert spektakuläre Klippen sowie die Düne von Area dos Cans. Der Aufstieg zum Faro (128 m) dauert gemütliche 35 Minuten und wird mit 360-Grad-Blick belohnt. Vogelfreunde notieren Kolonien von Gelbschnabelmöwen, Sturmvögeln und im Frühling durchziehende Basstölpel. Im Wasser zog bei unserer Ankunft ein Delfinschwarm elegant durch die Bucht – kein seltenes Schauspiel laut den Fährkapitänen.
Isla de Ons: Paradies für Segler و Naturliebhaber
Die Isla de Ons ist kein Logistik-Stopp, sondern ein Erlebnisankerplatz erster Güte: kristallklares Wasser, bombenfester Sandgrund und Wanderrouten, die jede Crew vom Cockpit auf die Beine locken. Wer Technik-Service, Supermärkte oder Dauerstrom sucht, wählt besser Vigo oder Sanxenxo. Wer dagegen nach einem langen Schlag über den Golf von Biskaya oder der portugiesischen Küste hinauf Seele und Boot „durchlüften“ möchte, wird hier vollends entschädigt. Meine Empfehlung: Fahrtensegler:innen auf Langstrecke – drei Erholungstage unter Permit einplanen, Pulpo essen, Wassertanks füllen und weiter. Familiencrews – wattiefe Sandstrände im Lee und sichere Wege, aber Trinkwasser mitnehmen! Naturfans & Hobbybiologen – Fernglas und Schnorchel nicht vergessen; die Mischung aus Seegras, Klippen und Brutvogelkolonien ist einzigartig. Kurzum: Ons ist wild, ehrlich und unvergesslich – solange man die Parkregeln respektiert und die Abfälle wieder mitnimmt. Für mich bleibt der Ort einer dieser raren Ankerplätze, an denen das Logbuch am Ende nur ein Wort braucht: volveré – ich komme wieder.
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