Sichere Einfahrt zum Hafen Monte Brasil
Die Einfahrt ist dank der Vulkankuppe des Monte Brasil tagsüber unübersehbar; nachts weist dessen Leuchtturm den Weg. Vom Süden her folgt man dem 342-Grad-Richtfeuer bis zur grünen Molenspitze und hält dann direkt auf die schwimmende Tankpier zu. Die ausgebaggerte Rinne bietet 4–5 m; im Vorhafen liegen noch 8 m an. Die Hafeneinfahrt ist gegen Atlantikschwell durch einen breiten Wellenbrecher gesichert, allerdings reflektieren stürmische Südwestseen bis in das äußere Stegbecken – bei Starkwind empfiehlt der Hafenmeister, an den inneren Fingerstegen festzumachen. Ein- und Ausklarieren erfolgt im Hafenbüro / Polícia Marítima am Kopf des Landestegs; VHF 09 oder 16 anrufen, wenn Lotsenhilfe gewünscht wird.
Moderne Marina mit Lavaboden-Lage
Die Marina verfügt über rund 260 Boxen an Betonschwimmstegen, davon 30 Plätze für Yachten bis 25 m Länge und 3,5 m Tiefgang. Strom (16 A, auf Anfrage 32 A), Trinkwasser, starkes Wi-Fi und 24-h-Security sind Standard. Der Grund besteht aus Lavagestein mit dünner Schlickschicht, sodass die Stege auch bei stürmischer Dünung ruhig liegen. Bei Breeze aus SE kann ein leichter Schwell in das äußere Becken laufen; eine lange Vorspring entschärft die Bewegung. Wer ankern möchte, findet südlich des Hafenarms in 10–30 m Tiefe Platz – offiziell erlaubt, doch bei längerem Aufenthalt kommt die Hafenbehörde um eine Meldegebühr nicht herum.
Komplette Hafeninfrastruktur in Gehweite
Diesel und Benzin bunkert man direkt am Schwimmsteg; bei zehn Minuten Vorabfunk meldet der Tankwart sich mit dem Schlauch. Außerdem gibt es einen 50-t-Travelift, Kran, Sail-Loft, Motorwerkstatt, Gasversorgung, Laundry, Recyclingstation und eine Absaugpumpe für Schwarzwasser – alles innerhalb von 100 m. Zwei gut sortierte Supermercados, Bäcker und Metzger liegen in der Rua Direita, fünf Gehminuten landeinwärts, und die Markthalle verkauft morgens frischen Albacore sowie Ananas von São Miguel. Müll trennt man an der Rampe – Rest, Glas, Plastik; Altöl nimmt die Mini-Werft an.
Tauchen und Wandern auf den Azoren
Kaum verlässt man den Ponton, steht man zwischen Herrenhäusern, Manuelskirchen und schattigen Patios der ältesten Stadt der Azoren. Ein 20-Minuten-Aufstieg über Kopfsteinpfade führt zum Obsidian-Krater des Monte Brasil, wo Fregattvögel im Aufwind kreisen und bei guter Sicht bis nach São Jorge grüßen. Unter Wasser beginnt das Abenteuer gleich an der Hafeneinfahrt: Rund um das versunkene Dampfschiff Lidador (5–11 m) tummeln sich Barrakudas, Zackis und Rotbarsche. Tauchbasen holen Gäste direkt von der Marina ab. Wer lieber wandert, nimmt den Linienbus zum Vulkankegel Algar do Carvão – ein begehbarer Lavatunnel mit unterirdischem See und spektakulär bewachsener Tropfsteinkammer.
Marina Angra: Geschützter Hafen im Atlantik
Marina Angra do Heroísmo vereint, was Blauwasser-Crews mitten im Ozean suchen: eine rundum geschützte Box mit solidem Service, eine lebendige Stadt vor dem Bug und ein Flughafen (Praia da Vitória) in 20 Minuten Taxi-Distanz für Crewwechsel. Wer mit Langkieler oder Kat bis 3,5 m Tiefgang unterwegs ist, findet hier eine sichere Reparatur- und Versorgungsbasis; Atlantiküberquerer schätzen die kombinierte Crew-Erholung und UNESCO-Kulisse. Einzige Wermutstropfen: In den Frühsommer-Hochzeiten kann der Beckenplatz eng werden – frühes Reservieren lohnt. Und bei südwestlicher Sturmlage rollt im Außenbecken spürbar Dünung – dann besser ins Binnenfeld verholen oder einen Ankertrip in die stillen Buchten der Ria de Praia einlegen. Ich selbst kam 2018 auf der Flucht vor Tropensturm „Helene“ – und blieb statt der geplanten zwei Tage fast drei Wochen. Zwischen Nachtschichten in der Bootswerft, Tagestripps zu Vulkankratern und abendlichen Fado-Sessions in der Rua de São João wurde die Marina zum schwimmenden Zuhause. Angra mag nicht billig sein, doch jeder Liegegebühren-Euro steckt in Service, Sicherheit und unvergesslicher Azoren-Atmosphäre. Wer also auf dem weiten Nordatlantik einen Zwischen- oder Endpunkt sucht, für den gehört Terceiras Hauptstadt ganz oben auf die Liste.
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