Sichere Ansteuerung zum Muiderslot
Von Norden kommend bleibt man im befeuerten Fahrwasser „Pampusgeul“, bis der rote Turm von Fort Pampus querab liegt. Hier zweigt nach Westen die seitlich mit grünen Staken markierte Muidertrekvaart ab. Tiefe über die gesamte Strecke ≥ 2,9 m; erst direkt vor der Schleuse fällt sie auf 2,4 m – ausreichend selbst für Langkieler. Bei Starkwind aus Nordost entsteht quer setzender Druck, den man mit etwas Motorleistung kompensiert. Die Grote Zeesluis öffnet täglich von 06:00 bis 22:00 Uhr (Funk VHF 06). Wartedalben liegen unterhalb der Schleusentore; Stromversatz ist gering, dennoch lohnt ein langer Vorläufer. Hinter der Schleuse teilt sich das Wasser: Rechts geht es zum KNZ&RV-Hafen (tief, breit, Zugang ohne Brücke), links durch die historische Kade zum kompakten Jachthaven Stichting Muiden direkt unterhalb des Muiderslot. Nachts helfen Straßenlaternen und das Lichterband des Schlosses; dennoch ist eine Dämmerungsansteuerung entspannter, weil Ausflugsboote spätabends dicht vor dem Tor kreuzen.
Sichere Häfen in Muiden entdecken
Ankern auf dem Markermeer vor der Schlossbucht ist offiziell erlaubt, aber unkomfortabel – geringer Abstand zur Fahrinne, mäßiger Halt im weichen Schlick und Fähren, die jede Stunde Vorbeiwellen schicken. Drinnen bieten die Häfen perfekten Schutz: KNZ&RV Muidenhaven – Schwimmstege und Dalbenboxen für Yachten bis 25 m Länge auf 3 – 3,5 m Tiefe. Passanten sind willkommen, müssen sich aber vor dem Einlaufen beim Havenmeester melden. Jachthaven Stichting Muiden – nur 25 Gastplätze, Wassertiefe 2,3 m, dafür direkt am Schlossgraben gelegen. Reservierung in der Hochsaison ratsam. Beide Becken liegen hinter Schleuse und Brücken vollkommen strom- und schwellfrei. Bei Sturmtiefs spürt man lediglich Fallböen, die durch die Vechtgassen pfeifen.
Komfortable Marinas mit erstklassiger Ausstattung
Strom (16 A), Trinkwasser und schnelles WLAN gibt es an allen Stegen beider Marinas. Sanitär: KNZ&RV unterhält ein modernes Clubhaus mit Duschen, Nachttoilette und Waschmaschinen. Jachthaven Stichting Muiden verfügt über kleinere, aber sehr gepflegte Anlagen. Treibstoff: Diesel erhält man am Selbstbedienungsponton im KNZ&RV-Becken; Benzin per Kanister an der Tankstelle oberhalb der Schleuse. Werft & Kran: Für größere Arbeiten steuert man die Marina Muiderzand (20 min) an; der lokale Havenmeester organisiert aber Kleinreparaturen. Proviant: Ein „Albert Heijn to go“ und ein Bäcker liegen zwei Gehminuten vom Jachthaven entfernt. Frischer Räucheraal wird freitags am Schleusenkopf verkauft. Mülltrennung erfolgt an Containerinseln; Altöl nimmt der Club nach Absprache zurück.
Wassersport und Geschichte an der Vecht
Direkt vor dem Bug zieht die Vecht wie ein grünes Band in Richtung Utrecht – gesäumt von Pappelreihen, Landhäusern und Teehäuschen. Ein Abstecher mit Dinghy oder SUP stromauf lohnt: Nach zwei Kilometern erreicht man den weiten Poldersee „Gaasperplas“, wo Eisvögel jagen. Zu Fuß geht es in zehn Minuten zur Festung Muiderslot. Der Mix aus Wassergräben, Zitronenbäumen im Burggarten und einer Rüstkammer mit originalen Hellebarden begeistert Kinder wie Erwachsene. Literaturfreunde pilgern zum „Muiderkring-Hof“ des Dichters P. C. Hooft. Wer länger bleibt, radelt über den Deich auf die künstliche Pampus-Insel – UNESCO-Festungswerk und Vogelparadies – oder Richtung Naardermeer, einem der ältesten Naturschutzgebiete der Niederlande mit Rohrdommeln, Seeadlern und Exmoorponys.
Muiden: Historische Hafenidylle bei Amsterdam
Muiden kombiniert drei seltene Qualitäten: eine historische Kulisse, eine seglerisch einfache, aber geschützte Lage – und die unmittelbare Nähe zu Amsterdam (Bus 320 in 20 Minuten). Ideal, um Gäste an- oder abzusetzen, Proviant aufzustocken oder einen Regentag mit Museumsbesuch zu füllen. Familien lieben das Schloss und den autofreien Ortskern; Traditionsschiff-Fans bekommen mit jedem Brückenhub ein kostenloses Schiffskino. Einschränkungen gibt es dennoch: In der Sommerferienzeit ist der Platz knapp, besonders im kleinen Stiftungshafen. Tiefgänger über 3 m finden nur im KNZ&RV einen sicheren Liegeplatz und sollten sich zuvor anmelden. Abends endet der Dorftrubel zwar früh, doch die berühmte Kneipe „Ome Ko“ direkt an der Schleuse kann bis Mitternacht für lebhafte Bordmusik sorgen. Für mich bleibt Muiden einer dieser Plätze, die man nicht nur als Etappe, sondern als Erlebnis abhakt: Beim Sundowner im Cockpit spiegelte sich das beleuchtete Schloss im ruhigen Schleusenwasser, und das leise Klappen der Zugbrücke schickte einen Gruß aus längst vergangenen VOC-Tagen über die ruhende Bootsflotte – maritime Romantik, wie man sie kaum dichter an Amsterdam findet.
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