Navigationsroute: Sichere Zufahrt zum Markermeer
Die Zufahrt beginnt bei Tonne VD1 am Markermeer-Fahrwasser. Von Süden kommend steuert man 030 ° bis zur grünen Pricke VD3, danach folgt man dem betonnten Stichkanal mitten durch das Flachwasser. Die Rinne ist jährlich gebaggert und hält ca. 2,4 m bei mittlerem Pegel; bei starkem Westwind kann der Markermeerspiegel 20 cm fallen – dann lieber mit geborgenen Schwertern langsam einlaufen. Landmarke ist der Kirchturm von Sint-Vincentius mit hellgrauem Turmhelm. Sobald das rote Molenlicht Fl R 5 s querab kommt, fällt man auf Steuerbord ab in das Vorbecken. Nachts erleichtern Richtfeuer am Südkai (283 °) die Peilung; dennoch besser bei Tageslicht, weil viele Charterboote und Ausflugsdampfer kreuzen.
Sichere Liegeplätze in Volendam-Häfen
Freies Ankern direkt vor Volendam ist weder erlaubt noch sinnvoll – das Wasser fällt schnell unter zwei Meter, außerdem läuft Fährverkehr nach Marken. Hafengäste haben zwei Optionen: Marina Volendam östlich des Ortes: ein großes, modernes Becken mit schwimmenden Fingerstegen, wo auch 45-Fuß-Yachten bequem Platz finden. Der Untergrund aus weichem Schlick dämpft jeden Schwell, die lange Steinmole bricht Wind bis 7 Bft. Gemeentehaven mitten an der Promenade: historische Holzstege längsseits, begrenzt auf circa 1,9 m Tiefgang. Hier rollt bei Nordwind etwas Seegang durch das Vorbecken, dafür liegt man in erster Reihe vor den Aalräuchern und Fischbuden. Beide Häfen bieten Strom (16 A) und Wasser direkt am Platz; der Pegel bleibt wie überall im IJsselmeer gezeitenlos, Strömung ist vernachlässigbar.
Komfort und Versorgung in Volendam-Häfen
Von der Marina sind es fünf Minuten Fußweg bis zum Deich, vom Gemeindehafen steht man praktisch schon in der Hauptgasse. Proviant: Ein großer Albert-Heijn-Supermarkt liegt im Ortskern (700 m). Frischen Aal und Kibbeling kauft man bei „Smit-Bokkum“ gleich hinterm Südmolenkopf. Treibstoff: Diesel und Benzin gibt es am Tankponton der Marina Volendam; Camping-Gaz tauscht die angrenzende Wassersportwerkstatt. Sanitär & Extras: Beide Häfen bieten moderne Duschen, Waschmaschinen und schnelles WLAN (kostenfrei). In der Marina gehören Hallenbad und kleine Sauna zum Liegepreis. Ein 40-t-Travellift ermöglicht Unterwasserarbeiten; ein Segelmacher sitzt im Nachbarort Edam und holt Tücher ab. Recycling: Wertstoffcontainer direkt hinterm Hafentor, Altöl nimmt die Werft ohne Gebühr.
Naturerlebnis und Entspannung am Ijsselmeer
So quirlig die Deichpromenade ist, so ruhig zeigt sich die Umgebung: Gleich außerhalb des Ortes beginnt der Polder „Zeeschelde“. Radwege führen durch weite Weiden, an Entwässerungsgräben brüten Säbelschnäbler und Rotschenkel. Ein klassischer Ausflug ist die 20-minütige Fähre ins Insel-Dorf Marken – früher ein Eiland im Zuiderzee, heute per Damm erreichbar; dort warten Pfahlhäuser, Holzboote und grüne Wiesen voller Lämmer. Unter Wasser erwarten einen IJsselmeer-typische 1–2 m Sicht, Seegraswiesen, Stichlinge und Zwergmuscheln. Kinder plantschen in der seichten Lagune gleich neben der Marina; das Wasser erwärmt sich hier im Juni schon auf über 20 Grad.
Volendam: Lebendiger Hafen mit Kontrasten
Volendam polarisiert: Manche Segler empfinden das Trachtenbesucher-Ballyhoo als Kitsch, andere genießen die lebendige Hafenszene. Aus nautischer Sicht sprechen drei Punkte klar für einen Stopp: Einfache, tiefe Zufahrt – auch bei Starkwind sicher, dank betonntem Stichkanal. Top-Versorgung – Diesel, Travellift, Supermarkt und jede Menge Gastronomie in Gehweite. Kultur & Flair – Werftmuseum, Muschelkutter, Trachtenfotos – ein bisschen Disneyland, ja, aber eben auch authentische Fischereigeschichte. Wer ruhige Abende möchte, legt sich besser in die Marina und radelt zum Bummeln in den Ort. Wer das bunte Treiben sucht und ein leichtes Schaukeln toleriert, wählt den Gemeindehafen. Für Tiefgänger über zwei Metern empfiehlt sich ausschließlich die Marina. Familien finden Sandstrand, Spielplatz und Käsehof; Technikcrews schätzen Werft und Ausrüster. Weniger geeignet ist Volendam für Natureinsiedler und für Nachtschwärmerinnen, die lange Ruhe wollen – die Bars schließen gegen eins, und morgens um acht legt das erste Ausflugboot ab. Ich selbst kam an einem Sonnabendabend – schob mich durch Selfie-Touristen, schlürfte fangfrischen Hering und lauschte Akkordeons. Als der Trubel abklang, hörte ich wieder Takelgeklapper, Seevögel und Polderfrösche. Genau dieser Umschwung macht Volendam spannend: Laut und leise in einem Atemzug. Ein Kleinod fürs Logbuch, das zeigt, dass ein Hafen nicht nur Wellenbrecher, sondern auch Weltenbrecher sein kann.
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