Windstilles Revier im Arnisser Noor
Die Schlei ist ohnehin ein geschütztes Revier, doch der Hafen Arnis liegt noch eine Bucht weiter im windstillen Arnisser Noor. Etwa 1,7 sm oberhalb von Kappeln zweigt an der grünen Spier “Arnis 1” ein gut befeuerter Seitenarm ab. Die Fahrrinne ist auf 2,1 m gekennzeichnet und wird jeden März nachgebaggert; Werften und Vereine achten peinlich genau auf die Solltiefe – tiefer als 2 m sollte man aber nicht versprechen. Landmarken sind rar: Backbord erscheint ein rot geklinkertes Werftgebäude, steuerbord die gelb-weiße Segelflugtonne. Nach 0,4 sm öffnet sich das Noor beckenartig; hier runter vom Gas, denn oft üben Opti-Kids mitten im Fahrwasser. Hell beleuchtete Richtfeuer gibt es nicht, doch die Dorfbeleuchtung und Reflextafeln an den Pfählen genügen für eine vorsichtige Dämmerungsansteuerung.
Ruhiger Hafen mit 260 Liegeplätzen
Geankert wird im Noor nur ausnahmsweise – fünf Steganlagen mit zusammen rund 260 Liegeplätzen erwarten einen an der West- und Südseite. Boxengassen sind bis 15 m Bootslänge und 2,10 m Tiefgang dimensioniert; Festmacher greifen an stabilen Dalben, die 2021 erneuert wurden. Der Hafen ist von Schilf und Gehöften umgeben, das Wasser steht fast still; selbst bei 7 Bft West spürt man höchstenfalls ein leises Kluckern am Bordwand. Halteproblemen gibt es keine, denn die meisten Liegeplätze sind Schwimmstege, und die Pfahlköpfe dämpfen jede Drehbewegung. Wer unbedingt frei liegen will, wirft den Anker vor dem Werftsteg auf 2,5 m Mud/Sand – exzellenter Grip, aber wenig Platz zum Schwojen, weil Opti-Bahn und Fährlinie die Fläche begrenzen.
Moderne Marina mit umfassendem Service
Strom (16 A), Wasser und WLAN gibt es an jedem Finger; das Sanitärgebäude der im-jaich-Marina (Steg E) wurde 2022 modernisiert – inklusive Waschmaschine und Trockner. Dieselkähne gibt es nicht, aber Kanister-Service: An der Bootswerft Jöhnk (100 m) wird Diesel verkauft; Gasflaschen tauscht die Shell-Station in Kappeln, die Hafenmeisterin organisiert gern einen Shuttle. Fäkalienpumpe und Sliprampe (max. 15 t) befinden sich am WSG-Steg. Ein kleiner Backwarenkiosk („Dat Backhus“) liefert morgens Brötchen ans Boot, größere Einkäufe erledigt man mit dem Rad (5 km) in Kappeln. Müll wird konsequent getrennt, Altöl nimmt die Werft kostenlos zurück. Abends trifft man sich auf dem zentralen Grillplatz zwischen Steg C und D oder fünf Gehminuten weiter in der Schleiperle, einer urigen Kneipe mit Räucherfisch und Blick über die Masten.
Arnis: Naturparadies und Kulturerbe entdecken
Arnis liegt in der Landschaft Angeln, einer Eiszeitkuppe, die sanft in die Schlei abfällt. Schon ein 20-Minuten-Spaziergang über die Alleenbrücke ins Dorf Grödersby zeigt Knicks voller Holunder, Feldhasen und im Herbst Kraniche, die trompetend einfliegen. Kajak-Paddler schwärmen vom stillen Oehe-Noor (Naturschutzgebiet), das man vom Hafen in weniger als einer Stunde stromauf erreicht. Unter Wasser dominiert Schlick mit Seegrasinseln; zwischen Juli und September ziehen Schwärme von Stichlingen und Zwergseeschlangen ins flache Noor – ein Eldorado für Kinder mit Unterwasserkamera. Vogelfans beobachten Haubentaucher und Seidenreiher, während Seeadler über KapArkona einfliegen und gelegentlich über dem Noor kreisen. Für Landgänge lockt die kulturelle Miniaturweltstadt: Die Holzkirche von 1649, das Schifferversorgungshaus, die historischen Reetdächer und das kleine Werftmuseum erzählen vom einstigen Walfang und der Jachtbau-Tradition. Radfahrer folgen dem Ostseeküstenradweg Richtung Schleimünde (14 km) – Abstecher zum Lighthaus inklusive Eis in Maasholm.
Arnis: Ruhiges Segelparadies mit Charme
Arnis ist kein Technik-Hub und kein Nachtleben-Hotspot – aber genau das macht den Zauber aus: absolute Ruhe, perfekter Schutz und eine maritime Gemeinde, die Gastlieger wie Klubkameraden behandelt. + Punkte Rundum-Schutz: Kaum Schwell, auch bei Starkwind sicher. Kurze Wege: Steg → Sanitär 50 m, Steg → Backhaus 200 m. Authentisches Flair: Werften, Bootsbauer, Schifferkirche statt Souvenirrummel. – Punkte Tiefgang limitiert auf 2,1 m; Dickschiffe müssen in Kappeln bleiben. Kein 24-h-Diesel, Supermarkt nur per Rad oder Auto erreichbar. In den Sommerferien oft voll – früh nach Mittag einlaufen oder reservieren. Für wen geeignet? Familien: geschütztes Revier, Spiel- und Grillplatz in Rufweite, flaches Wasser zum SUP-Einstieg. Einhandsegler & Genießer: kurze Manöverwege, Ruhe, Hilfe ist stets greifbar. Kultur- und Naturfans: Rad- und Wanderwege, Vogel- und Werftgeschichte direkt vor der Tür. Weniger passend für Crews, die abends Bars und Live-Musik suchen oder Hochseelieger > 15 m Länge. Mein Logbuch endet mit einer Szene kurz vor Mitternacht: Spiegelglattes Noor, Schilf, das im Mondschimmer silbrig glänzt, und das leise Pochen einer Schiffsuhr an Bord des Nachbarbootes. Kein Autolärm, nur der ferne Ruf eines Käuzchens. Arnis – kleinste Stadt, großes Seglerglück.
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