Navigationshinweise für Edams Hafenagie
Der kleine Hafen liegt an der Westseite des Markermeers, knapp zwei Seemeilen nördlich von Volendam. Die Ansteuerung erfolgt über die grün- und rotbetonnte Edam-Geul. Ab Tonne EM 1 steuert man auf 260 ° direkt auf den alten Pegelturm zu; die vorgelagerte Buhnenlinie ist dabei steuerbord zu halten. Die Rinne ist offiziell auf zwei Meter gebaggert, verschlickt aber rasch – vor Saisonbeginn wird sie regelmäßig geräumt, trotzdem zeigten wir Ende Juli stellenweise nur 1,7 m unterm Kiel. Nach 400 Metern öffnet sich backbord der kleine Gemeindehafen (WSV De Zeevang, ca. 300 Plätze, Tiefe 1,8 m); wer tiefer in die Stadt will, läuft geradeaus weiter bis zur Keersluis. Hier wird man per Ampel in die Schleusenkammer gewinkt, bezahlt eine geringe Passagegebühr und passiert anschließend die Zugbrücke „Nieuwe Langebrug“. Mastliegende Höhenbegrenzung gibt es nicht – der Brückenwärter öffnet auf Funkkanal 22 oder per Stangentaste. Direkt dahinter beginnt der malerische Stadtgraben mit Gästepollern längsseits. Tiefer als 1,60 m sollte man hier allerdings nicht ziehen; der Grund steigt zur Uferkante hin schnell an. Nachts erleichtern ein -Leitfeuer am Molenkopf und die beleuchtete Schleuse die Orientierung. Dennoch verschluckt die Dorfbeleuchtung Kontraste – ein Blick auf den Plotter oder Radar schadet nicht. Bei West-Windstärken über sechs Beaufort baut sich vor der Einfahrt eine kurze, hackige See auf; wer die Abdrift unterschätzt, landet schnell im Flachwasserstreifen südlich der Rinne.
Ruhiger Ankerplatz im Edamer Stadtgraben
Das Markermeer vor Edam ist flach und verkehrsreich; freies Ankern ist verboten. Im Gemeindehafen liegt man dagegen völlig schwellfrei, denn die hohe Deichmauer schirmt selbst Starkwest ab. Im Stadtgraben fühlt es sich noch eine Spur geborgener an: verwunschene Gärten, Kopfsteinpflaster und kaum ein Hauch Wind. Der Untergrund besteht aus festem Klei-Lehm; Heckanker oder Dalbenfestmacher sitzen sofort. Einziger Störfaktor ist das Schraubenwasser der historischen Rundfahrtboote, das tagsüber leichte Wellen bringt – nachts ist absolute Ruhe.
Luxus im Hafen: Komfort für Segler
An den Gästestegen gibt es Strom (16 A) und Trinkwasser, im Hafenpreis inbegriffen. Das Sanitärhaus am Deich überrascht mit Hotelstandard: Fußbodenheizung, kostenlose Duschen, Waschmaschine und Trockner. WLAN ist in der gesamten Anlage stabil. Diesel- und Benzinmotoren bunkert man an der Zapfsäule des WSV, Gasflaschen tauscht die Total-Station am Stadtrand. Wer in die historische Binnenschleuse weiterfährt, landet mitten im Ort: Supermarkt, Bäckerei, Metzger und der berühmte Käsemarkt liegen keine fünf Gehminuten entfernt. Die Bäckerei De Klaas öffnet schon um 06:30 Uhr – wer morgens vor der Masse frische „Krentebolletjes“ will, steht früh auf. Ein kleiner Schiffszubehör-Shop verkauft Leinen, Fäkalienschläuche und Fender. Altöl und Batterien nimmt der Hafenmeister kostenlos; Müll wird sauber getrennt. Für längere Ausflüge stehen Leihfahrräder bereit – damit ist man in zwanzig Minuten am Seedeichstrand von Warderdijk.
Friesisch-holländische Idylle für Wassersportler
Hinter dem Steg beginnt eine friesisch-holländische Postkartenlandschaft: weite Polderwiesen mit Kühen und Kiebitzen, schnurgerade Grachten voller Seerosen, in denen Blesshühner nisten. Ein Spazierweg führt entlang des Stadtgrabens zum Grote Kerk – eine der größten Hallenkirchen Nordhollands – und weiter zum kleinen Stadtpark mit altem Baumbestand. Wer das Wasser nicht verlassen möchte, paddelt durch das verzweigte Grachtensystem bis zum Oorgat, einem stillen Altwasser voller Schilf und Reiher. Segler, die mehr Weite suchen, haben das gesamte Markermeer als Spielplatz: Volendam liegt knapp acht Seemeilen südlich, Hoorn zehn Meilen nördlich. Anhand der überall gültigen „Staande-Mast-Route“ erreicht man über Purmerend sogar Amsterdam ohne Mastlegen. Unter Wasser herrschen typische Binnenverhältnisse: Sicht meist unter einem Meter, doch Krautwiesen bieten Laicherfolg für Hechte und Barsche – Tagesangelschein beim VVV erhältlich.
Edam: Historische Ruheoase am Markermeer
Edam ist kein glitzernder Megahafen – eher eine Wärmeinsel im oft windigen Markermeer. Was es auszeichnet: Geschichte zum Anfassen – Liegeplätze im Stadtgraben zwischen 16.-Jahrhundert-Giebeln. Komplette Basisversorgung auf wenigen hundert Metern, vom Diesel bis zur Dorfbäckerei. Natürliche Ruhe hinter Seedeich und Schleuse – ideal, um nach rauschenden Markermeerknoten herunterzukommen. Nachteile? Die Zufahrt versandet schnell; Werften baggern zwar zu Saisonbeginn, doch Tiefgänge über 1,80 m fahren besser bei halbem Wind und hochgeholtem Kieltiefenmesser. Außerdem ist der Binnenhafen in Juli/August häufig voll – früh ankommen oder außen auf den Deichstegen warten, bis ein Platz frei wird. Empfehlenswert ist der Hafen für Familiencrews, die Käsemarkt, Strand und sicheres Badewasser verbinden wollen; für Binnenfans, die über die Staande-Mast-Route in die Grachtenwelt abtauchen; und für Feinschmecker, die abends ein Stück alten Edamer mit einem Glas Noord-Hollandsch-Bier im Cockpit genießen möchten. Mein Logbucheintrag nach zwei Tagen lautet schlicht: „Edam – klein, aber würzig.“ Wer einmal bei Sonnenaufgang durch die leise dampfenden Grachten Richtung Markermeer gekreuzt ist, versteht, warum man bei dieser Stadt immer ein wenig länger liegenbleibt, als der Törnplan es vorsah.
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