Anspruchsvolle Ansteuerung nach Timmernabben
Timmernabben liegt rund 18 Seemeilen nördlich von Kalmar, gegenüber von Borgholm auf Öland. Die Ansteuerung erfolgt über ein gut betonntes Fahrwasser, das sich etwa vier Seemeilen vom Hauptfahrwasser des Kalmarsunds bis in das Hafenbecken schlängelt – rote Stangen an Steuerbord, grüne an Backbord, alles logisch nach „Seesystem IALA-A“. Die Wassertiefen in der Rinne betragen durchweg 3 bis 4 Meter; tiefergehende Yachten (über 2 m) sollten bei Winddruck aber aufmerksam auf die Lotanzeige schauen, denn Wind aus Süd kann den Wasserstand etwas drücken. Bei Nacht helfen weder Leuchtfeuer noch Richtbaken; man steuert konsequent nach Plotter und Peilung auf den hell angestrahlten Schornstein der Keramikfabrik. Wer aus Norden kommt, muss die Untiefe Björnskärs Grund freihalten und dann westwärts in die bezeichnete Rinne einschwenken. Tidenhub gibt es in der Ostsee praktisch keinen (< 0,2 m).
Sichere Hafenplätze bei jedem Wetter
Klassisches Ankern spielt hier nur vor dem Hafenkopf eine Rolle; die meisten Gäste machen wie in Schweden üblich Heckboje und Bug zum Steg oder legen längsseits an dem kleinen Pier südlich der Mole an. Die Sedimente bestehen aus festem Sand mit dünner Schlickschicht – der Heckanker greift sofort und hält zuverlässig. Die äußeren Bojenplätze sind bei östlichen bis südöstlichen Winden allerdings ruppig; ab 6 Bft stehen Schaumkronen bis ans Heck – besser ist dann der Sprung in den inneren Hafen hinter den schwimmenden Wellenbrecher, wo Boxen mit grünen Schildern freie Plätze anzeigen. Dort liegt man nahezu schwellfrei bei allen Windrichtungen, einzig starker Nordost kann noch ein wenig Dünung durch die Hafeneinfahrt drücken.
Komfortabler Hafen mit Fischgenuss
Der Steg führt direkt auf den Hamnplan, wo der Hafenmeister (mobil 070-556 24 36, Juni–August) morgens und abends seine Runden dreht. Wasser, Strom (1 Anschluss am Außensteg, 15 Anschlüsse im Innenhafen), WiFi und eine Fäkalabsauganlage sind inklusive der Hafengebühr von 200 SEK/Tag. Diesel und Benzin gibt es an der kleinen Sjömack (Selbstbedienungszapfsäule) 200 Meter nördlich. Gleich neben dem Steg steht das weithin berühmte Nabbens Rökeri & Fisk – eine Kombination aus Räucherfischladen und Restaurant, in dem man vom Lachs bis zur Krabbenbombe alles findet, was die Ostsee hergibt. Ein Eiscafé, der Campingplatz mit Minigolf und die öffentliche Badestelle Danska Varvet (Duschen/Toiletten, 400 m) liegen südöstlich am Uferweg, während der größere ICA-Supermarkt „Matbutiken Timmernabben“ etwa 1,5 km nordwestlich erreichbar ist. Müllcontainer und Recyclinginseln stehen direkt am Parkplatz, sodass das Bordleben unkompliziert bleibt.
Timmernabben: Historie, Natur und Handwerk vereint
Obwohl Timmernabben ein Werft- und Fischerdorf ist, dominiert am Ortsrand erstaunlich viel Grün. Schilfgürtel, lichte Kiefern und der süß-tangige Geruch des Brackwassers prägen das Bild. Die alte Industriekultur lebt im Schifffahrts- und Werftmuseum (Mittwoch/Sonntag geöffnet) weiter – dort erfährt man, dass zwischen 1850 und 1900 rund 70 hölzerne Briggs hier vom Stapel liefen. Wer zehn Minuten die Landstraße hochläuft, erreicht die Gabriel-Keramik-Manufaktur: seit 1925 werden dort kunstvolle Kachelöfen und Fayencen gefertigt, und im Werksverkauf lassen sich handgemachte Souvenirs erstehen. Unter Wasser sollte man die Erwartungen dämpfen: Sichtweiten liegen selten über zwei Meter, doch zwischen Tangwiesen tummeln sich Plattfische und Flussbarsche – ein kurzer Schnorchelgang vom Badestrand lohnt sich bei ruhigem Wetter. An Land bieten sich kleine Radtouren zu den Naturreservaten Oknö oder den Vogelwiesen bei Mönsterås an; Busverbindungen nach Kalmar und Oskarshamn starten stündlich an der Hauptstraße.
Timmernabben: Authentischer Hafencharme im Kalmarsund
Timmernabben ist kein Postkarten-Schärengarten mit blankem Granit, sondern ein ehrlicher Arbeits- und Freizeithafen. Er punktet mit ruhigen Liegebedingungen, verlässlicher Grundversorgung und der vielleicht besten Räucherfischtheke zwischen Kalmar und Oskarshamn. Tiefgang bis 2 m, übersichtliche Rinne und achterliche Boje sind ideal für Familien- und Chartercrews; wer einen 2,20-m-Langkieler segelt, muss den Pegelstand im Blick behalten. Wen es nach Spa-Marina und Nightlife dürstet, der wird hier nicht glücklich – doch wer nach einem langen Segeltag gerne barfuß über Holzstege schlendert, frischen Lachs kauft und den Sonnenuntergang über der weiten Bucht genießt, ist in Timmernabben goldrichtig. Für mich gehört der Hafen zu den sympathischsten Stopps im Kalmarsund – nicht spektakulär, aber authentisch und zuverlässig.
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