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Schweden
·
Stockholms län
·
Rödlöga

Roedloega

Rödlöga: Kupferklippen im Schärengarten

Einleitung

Der Übergang von der geschützten Husarö-Leid nach draußen merkt man sofort: Das Wasser wird dunkler, die Felsen karger – und dann taucht er auf, der rötlich schimmernde Granitrücken von Rödlöga. Schon der Name („roter Stein“) verrät, was einen erwartet: kupferfarbene Klippen, die im Spätnachmittagslicht glühen. Wir gleiten durch das enge Sund zwischen Megelskär und Rödlöga-Storön, vorbei an ein paar geduckten Fischerhütten. Kaum liegt das Schiff längsseits am warmen Fels des Seglarberget, wird es still. Nur das Schlagen der Wellen gegen den roten Granit und das Kreischen einer Seeschwalbe erinnern daran, dass wir uns am Außenrand des Stockholmer Schärengartens befinden. Der Duft von Kiefernharz mischt sich mit frisch gebackenem Zimtschneckenaroma, das vom Café Truten herüberweht – Willkommen im vielleicht charmantesten Naturhafen der nördlichen Ostschären.
Sonniger kleiner Hafen mit Segel- und Motorbooten, roten Holzhäusern am Ufer, Steg mit zwei Holzstühlen im Vordergrund

Seglerparadies Rödlöga: Sicherer Zugangstipps

Rödlöga liegt auf 59 ° 35,6′ N / 19 ° 10,3′ E – exakt dort, wo die bewaldeten Innen-Schären in eine zerklüftete Granit-Insellandschaft übergehen. Die meistgenutzte Zufahrt führt von Westen über die als „Granhamnsfjärden–Rödlöga-leden“ bezeichnete Plotter-Fahrstraße. Ab der Kardinaltonne Rödlöga NW hält man Kurs 090° und peilt die Kirchturmspitze von Rödlöga by. Kurz vor Megelskär gabelt sich der Sund: Nordkante Megelskär – 4–6 m tief, frei von Untiefen, ideal bei südlicher Brise. Südkante Storön (Seglarberget) – 5–9 m, aber ein isolierter Felskopf ragt bis 2 m unter die Oberfläche; daher 10 m Abstand halten. Wer von Norden kommt, kann die Ansteuerungstonne Kallskär NE nehmen und dann südostwärts in den Sund hineinkleiden. Tiefgangsprobleme gibt es nicht; die Innenrinne fällt erst direkt am Felsfuß auf unter 3 m. Nachts ist alles unbefeuert und durch Landreflexionen schwer auszumachen – Radar oder ein Crew-Ausguck auf dem Bug sind Pflicht. Tidenhub (< 0,3 m) ist vernachlässigbar; bei Starkwind aus Ost kann allerdings Wind­stau von 20–30 cm auftreten.

Schärenfest statt Anker in Seebucht

Klassischer Anker fällt hier kaum: Die Bucht ist tief (7–15 m) und überall mit Seegras durchzogen. Man macht stattdessen schärenfest: Buganker oder Boje ausbringen, Heck­leinen in naturelle Eisenringe oder an die glatten Granit-Augen. Seglarberget (SW-Ufer) – bester Schutz bei Nord- bis Ostwinden, 3–6 m Wassertiefe direkt vor dem Fels, guter Halt in hartem Schlick. Megelskär (NO-Ufer) – Alternative bei Nordwest bis Süd; hier etwas seichter (2–4 m) und weniger Roll, dafür mehr Nachmittagssonne. In Starkwindlagen > 25 kn aus Südost verholt man sich in das nördliche Sundbecken hinter Brännskär; dort pfeifen zwar Fallböen, aber Welle bleibt außen vor. Der Platz ist beliebt – ab Juli sollte man spätestens gegen Mittag einlaufen, sonst belegt eine bunte Mischung aus Familien­crews und Traditions­ketches alle Ringe.

Rotes Holzhaus am bewaldeten Ufer, kleines Boot an Felsen im blauen See unter leicht bewölktem Himmel.
Kleiner Anleger mit roten Holzhäusern, schwedischer Flagge und anlegendem Motorboot, umgeben von Wasser und Bäumen.

Rödlögaboden: Legender Stopp für Segler

Vom Fels ist es nur ein Sprung ins Dingi. In der Byviken (Fähranleger) warten: Rödlögaboden – klein, aber legendär: frisches Brot, Gemüse, Grillkohle, Ersatz-Gas und sogar Segler-Eis. Öffnung täglich 10–18 Uhr in der Saison. Café Truten – Zimtschnecken, Blaubeerküchlein, lokale Räucherfisch-Teller; Terrasse mit Blick aufs Fahrwasser. Zapfstation Diesel & Benzin direkt am Fähr-Pontoon; Tiefgang dort 2,5 m, längsseits anlegen möglich. Latrine-Saugstation + Müllbehälter auf dem Schwimmponton bei Megelskär (offen KW 19 – 43). Wasserzapfen ist an der öffentlichen Pumpe neben dem Laden erlaubt (leicht eisenhaltig); wer duschen will, greift zum Bordcockpit-Beutel – Sanitär­anlagen gibt es keine.

Insel-Romantik mit Blick aufs Ålandmeer

Rödlöga ist ein Insel-Mikrokosmos: rote Granitbuckel, Kiefern-, Wacholder- und Blaubeerheiden, dazwischen magerer Wiesenboden voller Wollgras. Vier markierte Rundwege (0,8–4 km) starten am Seglarberget und führen zu Aussichtskuppen, einem kleinen Heimat­museum und dem alten Lotsen­huset. Unter Wasser liegen Blockfelder, Tangwälder und seichte Sandflecken – ideale Kinder-Schnorchelplätze mit Stichlingen und Zwergdorschen. Im Frühjahr nisten Graugänse und Kormorane auf Brännskär; im Spätsommer schweben Hunderte von Quallen (Aurelia aurita) unter dem Boot, doch unproblematisch. Bei klarer Sicht öffnet sich auf dem Hügel „Kobben“ ein 360°-Blick: Im Osten funkelt der offene Ålands­havet, im Westen erkennt man die dunkelgrüne Baumlinie von Finnhamn; nachts leuchtet der Leuchtturm Söderarm wie ein fernes Glühwürmchen.

Rote und weiße Holzhäuser und Bootsschuppen an bewaldeter Uferbucht, Bootssteg ragt ins ruhige blaue Wasser
Mehrere Segelboote am Steg einer grünen Schärenbucht; Menschen an Bord, schwedische Flagge, Sommersonne.

Rödlöga: Schärenidylle mit Komfort und Flair

Rödlöga ist weder Marina noch Wildnis, sondern eine gelungene Mischung: sichere Festmachringe, Diesel­zapfsäule und Dorfladen treffen auf ungefiltertes Schären-Feeling – rote Felsen, klare Luft, kein Auto weit und breit. Pluspunkte Rundum-Schutz, je nach Windrichtung Wahl zwischen zwei Ufern. Legendäre „letzte“ Versorgungs­möglichkeit vor dem Sprung nach Stora Nassa oder Söderarm. Kurze Wanderwege, Café und Museum sorgen für Landgang-Abwechslung. Wermutstropfen Hochsaison-Andrang: Wer nach 15 Uhr ankommt, muss kreativ werden. Keine festen Sanitäreinrichtungen – Bord­dusche bleibt Pflicht. Dichtes Revier aus Flachs und Steinen verlangt präzises Plottern. Für Schären-Neulinge ist Rödlöga ein lehrreicher Etappenstopp: Anlegen am Fels üben, aber mit Infrastruktur in Schlauchbootdistanz. Familiencrews profitieren von flachen Badeplätzen und Pfannkuchen im Café; Langfahrt­segler:innen bunkern Diesel und Brot, bevor es weiter gen Norrtälje oder Hanko geht. Zwei Nächte „rote Felsen, Mitternachts­sonne und Zimtschnecken“ reichten, um uns restlos zu überzeugen: 4,5 von 5 Schärenringen – und jedes Jahr ein Fixpunkt auf unserem Sommertörn.

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