Navigationsregeln für die Cíes-Inseln
Die Inselgruppe liegt rund sechs Seemeilen westlich von Vigo; βetritt man sie unter Segel, gilt es, drei Regeln im Blick zu behalten: (1) Permit-Pflicht: Für Fahrt im Nationalpark braucht man vorab eine Navigations- und tagesbezogene Ankergenehmigung (online bei der Xunta, tägliches Kontingent 75–125 Boote) . (2) Fahrgastkorridor: Zwischen Monteagudo-Nordspitze und Illa dos Viños verkehrt tagsüber stündlich eine Schnellfähre – daher unbedingt südlich der betonnten Linie bleiben. (3) Tiefgang & Landmarken: Die Ankerbucht vor Rodas bietet durchgängig 8–15 m Wassertiefe; wir peilen zunächst den weiß-schwarzen Leuchtturm auf Illa do Faro, laufen dann in den türkisfarbenen Spiegel südlich der Fähre ein und lassen auf 10 m Sandgrund fallen. Bei Nacht hilft das Oc (2) W 24 s-Feuer des Faro de Cíes, doch wegen dünenbedingter Silhouettenverfälschung empfiehlt sich eine Ansteuerung im ersten oder letzten Licht.
Sichere Ankerplätze bei Cíes-Inseln
Die Bucht ist ein klassischer Sand-Ankerplatz: Im Zentrum liegen 30–40 m Kette auf feinem, hartgepresstem Korallsand; unser Spade verzahnte sich nach ¼ Kettenlänge. Erfahrungsberichte nennen Halttiefen von 10–15 m »mittig im Becken« und sehr guten Grip . Gegen Schlagwetter aus West bis Nordwest schirmen die Inselrücken zuverlässig ab; nur bei seltenen Ost- oder Südostlagen steht Dünung durch den Estrecho de Rodas, dann weicht man 0,3 sm nordwestlich in die kleinere Praia de Nosa Señora oder in die Südbucht vor San Martiño aus . Tagsüber erzeugen die Ausflugskatamarane spürbaren Schwell, der ab 19 Uhr verschwindet – danach liegt man fast wie auf einem Bergsee.
Autarkes Inselabenteuer mit Ranger-Begrüßung
Zwei betonierte Dinghy-Korridore am Nord- und Südkopf des Strandes sind ausgeschildert; außerhalb davon herrscht Bademodus. Wir landeten am Holzsteg gegenüber des Campingplatzes – dort begrüßen Ranger:innen freundlich, kontrollieren aber gelegentlich die Permits. Trinkwasser gibt es nur in Kanistermengen an der Mini-Cantina des Zeltplatzes; Diesel oder Gas müssen in Vigo oder Baiona gebunkert werden. Ein kleiner Insel-Shop verkauft morgens Brot, einfache Konserven und kühlen Albariño; für Müll stehen am Pier getrennte Container bereit – wer Sperrmüll loswerden will, muss ihn mit aufs Festland nehmen . Strom und Sanitäranlagen für Yachten existieren nicht – man lebt autark.
Naturparadies Cíes-Inseln erleben
Die Cíes-Inseln sind der nördlichste Vorposten des Parque Nacional Marítimo-Terrestre de las Islas Atlánticas. Unter Wasser wogen braune Laminaria-Wälder, zwischen denen sich Seepferdchen, Oktopusse und farbenprächtige Nacktschnecken verstecken; die Sicht lag bei uns bei gut 12 m. Oberhalb der Wasserlinie brüten über 20 000 Gelbfußmöwen, dazu Krähenscharben und in den Klippen sogar Wanderfalken. Ein Netz aus vier gut markierten Wanderwegen führt durch Kiefern- und Erdbeerbaumhaine hinauf zum 175 m hoch gelegenen Faro Alto – der Blick reicht bei klarer Luft bis Kap Finisterre . Abends, wenn die Tagesgäste abreisen, verwandelt sich die Insel in eine Naturbühne: Meeresleuchten säumt das Ufer, und mit etwas Glück kreuzen Delfine im Mondlicht die Bucht. Schnorchel-Hotspot ist die Felskante westlich des Isthmus; dort tummeln sich Brassen und Regenbogenlippfische zwischen Blasentangwiesen.
Islas Cíes: Atlantiktraum für Naturliebhaber
Wer sich nach einer Atlantiketappe einen Hauch Südseekulisse wünscht, ohne auf guten Halt und kurze Anfahrt verzichten zu müssen, wird auf den Islas Cíes glücklich. Die Permit-Prozedur ist dank Online-Portal unkompliziert, erfordert jedoch etwas Vorausplanung in der Hochsaison. Für Crews, die autark strom- und wassertechnisch klarkommen, bieten die Inseln ein nahezu perfektes Naturrefugium: sicherer, sandiger Grund, Wander- und Schnorcheleldorado, dazu die seltene Chance, eine Nationalpark-Insel über Nacht (fast) für sich zu haben. Weniger geeignet ist der Platz für Eigner:innen, die auf Marinaservice oder Hunde an Bord angewiesen sind – Letztere sind an Land verboten. Mein persönlicher Höhepunkt war ein Sundowner am Bugkorb: Die Sonne glitt hinter den Granitzähnen der Westküste, während der Leuchtturm drei Kabellängen entfernt seinen Doppelblitz über die spiegelglatte Lagune schickte. Kein Motorengeräusch, kein Lichtsmog – nur das leise Klacken der Ankerkette und das Gefühl, an einem der letzten wirklich unberührten Plätze Europas zu liegen. Kurzurteil: + Traumhafte Landschaft, guter Halt, 360°-Naturerlebnis − Keine Infrastruktur für Treibstoff/Frischwasser, Permit-Limitierungen Empfehlung: Für naturaffine Fahrtsegler:innen und Familien mit autarker Bordtechnik, die bereit sind, sich einen Platz im Paradies im Voraus zu reservieren.
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