Hafen Neuendorf: Ansteuerung und Besonderheiten
Neuendorf liegt am Südrand Hiddensees im geschützten Vitter Bodden. Die Zufahrt beginnt im Hiddensee-Fahrwasser: Von den grünen Tonnennummern 20/18 führt ein rot-grün bepricktes Nebenfahrwasser direkt zum Hafen. Mindeste Tiefen laut BfS-Meldung 25/2025 betragen 2,0 m an den Fahrwasserrändern, 2,3–2,4 m in der Mitte. Kurs & Landmarken – Tagsüber weist der gestreifte Leuchtturm Dornbusch (NW) und, näher dran, der Kirchturm von Vitte den Weg. Im letzten Viertel dient die Ostpier des Fähranlegers als Leithilfe. Knackpunkte – Zwei enge Kurven zwingen zum Steuern auf Sicht; das Echolot fällt außerhalb des Prickenstrichs rasch unter 1 m. Nachtansteuerung – Tonnen bleiben unbefeuert; einzig der Fähranleger ist beleuchtet. Plotter und Scheinwerfer sind Pflicht, vor allem bei Nebel. Der eigentliche Hafen besteht aus drei Becken: Nord (Fischer & Fahrgast), Mittel (kleine Yachten < 9 m) und Süd (Sportboote bis 16 m). Tiefgang größer als 1,9 m sollte vorab den Hafenmeister fragen – bei SW-Wind drückt Sand ins Becken.
Ruhiges Ankern im Bodden-Schlick
Freies Ankern ist im Nationalpark nur in der 2-m-Linie südlich der Mole erlaubt. Der Grund ist dichter Boddenschlick, hält hervorragend; 25 m Kette auf 2,5 m Wassertiefe reichten bei uns für eine stürmische Nordwestnacht vollkommen. Im Hafen liegt man zwar geschützt vor Wind, aber nicht vor dem Fährschwell: Jede Ankunft der Fähren Stralsund / Schaprode bringt für fünf Minuten unruhiges Wasser. Wer leichten Schlaf hat, verholt nach Feierabend vor den Anleger und fährt am Morgen wieder hinein.
Ruhiger Hafen mit eingeschränkter Versorgung
Alle Gäste liegen an Heckpfählen oder längsseits; Strom (16 A) und Wasser gibt es am Steg, das Hafengeld entrichtet man beim Hafenmeister (Holzbaracke an der Südpier). Die Sanitäranlagen sind neu, werden aber tagsüber von Dutzenden Inseltouristen genutzt – lieber spät duschen. Trinkwasser kann nur am Gebäude gefüllt werden, nicht an jedem Liegeplatz. Einkaufsmöglichkeiten sind spärlich: Ein Mini-Konsum (Sommer 08-18 Uhr) hält Grundnahrungsmittel, Brötchen und Strandspielzeug bereit. Frischen Fisch verkauft die Kooperative morgens direkt vom Kutter; wer mehr braucht, radelt 3 km nach Vitte. Diesel? Fehlanzeige. Gasflaschen gibt’s beim Inselbaubetrieb (Lieferung per Handwagen). Mülltrennung am Nordkai, Altöl nimmt der Hafenmeister nach Anmeldung.
Naturparadies Neuendorf: Sand, Vögel, Seeluft
Neuendorf liegt mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Schon beim Festmachen sieht man häufig Seeadler über den Kiefern kreisen. Südlich des Hafens beginnt die ausgedehnte Dünenheide Gellen, Brutgebiet für Zwergseeschwalben und Heimat der seltenen Stranddistel. Im Früh- und Spätherbst ziehen Zehntausende Gänse, Kiebitzregenpfeifer und Watvögel vorbei – ein Paradies für Fernglasbesitzer. Ein Holzbohlenweg führt in 30 Minuten zum Leuchtfeuer Gellen – gerade genug Bewegung für Hafentage. Wer höher hinaus will, wandert zwei Stunden nordwärts nach Vitte oder nimmt den Inselbus. Baden kann man direkt hinterm Deich: feiner, heller Sand, flach abfallend, oft menschenleer. Unter Wasser bleibt die Sicht bescheiden (1 m), doch Krautwiesen beherbergen Stichlinge und junge Flundern – perfekt für Kinder mit Kescher.
Neuendorf: Fischerdorf-Flair und Naturerlebnis
Neuendorf ist kein Komfort-Hafen, eher eine Zeitkapsel: Pluspunkte Authentischer Fischereiflair – Räucherfisch direkt vom Boot. Nationalpark vor der Gangway – Seeadlerkreisen statt Discobeats. Sichere Dalbenplätze bei jedem Wind. Minuspunkte Enges Becken, geringe Tiefe; Yachten über 16 m oder > 2 m Tiefgang haben Stress. Kein Diesel, wenige Steckdosen, tagsüber viel Tourischerbel. Fährschwell stört ruhigen Mittagsschlaf. Empfehlen kann ich Neuendorf Fahrtencrews, die Natur und Einfachheit suchen, Familien mit kleinen Kindern (flacher Strand!) und Vogelbeobachter. Technik- und Shoppingfreund:innen finden in Schaprode oder Lauterbach bessere Bedingungen. Mein Logbuch nach zwei Nächten: „Hiddensee pur – bitte so lassen.“
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