Ruhiger Naturhafen mit anspruchsvoller Zufahrt
Der Hafen liegt bei 54 ° 16,9′ N / 13 ° 42,4′ E an der Südostspitze Rügens, im hintersten Winkel des Zicker Sees. Die Zufahrt ist betont, aber wegen wandernder Sandhaken jedes Jahr etwas anders; aktuelle BfS-Meldungen zu Mindertiefen (Frühjahr 2025: stellenweise ≤ 2,6 m) sollte man unbedingt prüfen. Fahrwasser: Nur ca. 30 m breit, Kurse teils < 2 m neben den Fahrwassertonnen. Für Yachten über 1,90 m Tiefgang empfiehlt sich das Anlaufen bei steigendem Wasser – der Boddenhub beträgt 0,3–0,6 m, reicht also gerade, um kritische Stellen zu entschärfen. Ansteuerungstag: Tagsüber problemlos – man hält vom Greifswalder Bodden den grün-roten Tonnenstrich an, bis die rote Spitztonne „TG 1“ querab liegt, dann 310 ° in den See hinein. Nacht: Nicht zu empfehlen – die Hafeneinfahrt ist unbefeuert, und die Tonnen besitzen nur Reflektoren. Wind & Seegang: Auch bei kräftigem Ost- oder Westwind bleibt das Wasser in der Einfahrt flach; Dünung baut sich praktisch nicht auf.
Geschützter Hafen mit ruhigem Naturankerplatz
Der kommunale Hafen bietet rund 45 Liegeplätze an Schwimmstegen, Heckpfählen bzw. Mooringleinen; Tiefgang 2,2–2,5 m laut Hafenmeister. Anlegen: Gastlieger melden sich am Kopfsteg (rote Flagge). Boxbreiten 3,5 – 5 m, Strom (16 A) und Wasser am Poller. Schutz: Die Ostmole schirmt das Becken fast vollständig ab; selbst 7 Bft NE sorgen innen nur für leichten Schwell. Ankern: Wer frei liegen möchte, findet nördlich der Zufahrt – vor Klein Zicker Ort – einen Naturliegeplatz in 2,5–3 m über gut haltendem Sand. Dalbenreste aus der Zeit der Dampfschifffahrt bieten Notleinen.
Moderner Hafen mit guter Versorgungsinfrastruktur
Sanitär: Neues Dusch- und WC-Gebäude (2022 fertiggestellt) am Kopf des Hauptstegs – sehr sauber, Zugang mit PIN. Diesel: Kleine Selbstbedienungszapfsäule auf dem Südkai, geöffnet 08:00–18:00 Uhr. Slip & Kran: Betonrampe (bis 3 t Trailerboote) und 4-t-Mastkran vorhanden. Einkauf: Im Dorf (600 m) Mini-Markt, Bäcker, Fischladen. Größerer Supermarkt in Göhren (8 km, Buslinie 20). Entsorgung: Wertstoffinseln am Hafenparkplatz; Fäkalienpumpe und Altölannahme direkt neben der Slipbahn. ÖPNV: Stündlicher Bus nach Bergen und zum Fährhafen Mukran; Haltestelle „Thiessow Hafen“ 200 m.
Naturidylle im Biosphärenreservat Südost-Rügen erleben
Der Hafen liegt mitten im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Schon vom Steg aus sieht man Seeadler über den Zicker See kreisen; abends ziehen Kraniche schnarrend Richtung Boddenruhezone. Eine Holztreppe führt in zehn Minuten auf den Lotsenberg – oben bietet die verglaste Plattform einen 360-Grad-Blick von den Kreidefelsen bis zur Insel Vilm. Wer das Dinghy nutzt, kann bei Hochwasser in die Schilfgürtel der Having paddeln: Rohrdommeln, Eisvögel und dicke Brassen gleiten durchs braune Boddenwasser. An Land startet am Hafen die Mönchgut-Rundroute: 15 km über Dünen, Kiefernwälder und den 66 m hohen „Bakenberg“ – perfekt zum Beinevertreten nach langen Vorwindmeilen. Unter Wasser darf man keine karibische Klarheit erwarten; Sicht selten > 1 m. Dennoch lohnt sich in windstillen Morgenstunden ein Schnorchelgang an der Mole: Süßwassermuscheln, junge Flundern und manchmal ein Hecht lauern zwischen den Steinen.
Thiessow: Hafenidylle mit boddentypischem Charme
Hafen Thiessow ist kein durchgestyltes Marina-Resort – er ist der boddentypische Gegenpol zu den Seebrückenzentren im Norden Rügens. Die Zufahrt erfordert Aufmerksamkeit für Tonnen und Tiefenmeldungen, belohnt aber mit ehrlichem Fischereiflair, solider Infrastruktur und einem Naturpanorama, das vom Cockpit aus wie ein Wimmelbild wirkt: Adler oben, Kutter querab, Dünen hinten. Ideal ist der Platz für Crews mit moderatem Tiefgang, die ein wettersicheres Etappenziel zwischen Strelasund und Usedom suchen, oder für Familien, die kurze Wege zum Strand und spannende Landabenteuer schätzen. Weniger geeignet ist Thiessow für Tiefgänger über zwei Metern, Nachtschwärmer oder Technikgroßprojekte – dafür fehlen Wassertiefe, Gastronomiedichte und Großkran. Mir persönlich wird das Einlaufen in Erinnerung bleiben: die Stille des Bodden, das Salz in der Abendluft und der Moment, in dem der Lotsenturm im letzten Sonnenlicht auberginenfarben glühte. Wer Rügen unverstellt erleben und trotzdem sicher liegen möchte, findet in Thiessow einen Hafen mit Charakter – klein, kantig, herzlich.
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