Barhöft: Anspruchsvoller Hafen nahe Rügen
Barhöft liegt an der Nordküste des Strelasunds, nur einen Steinwurf von Rügen entfernt. Die Baggerrinne ist rund drei Meter tief, wird aber jedes Frühjahr neu ausgesteckt – deshalb unbedingt der aktuellen Betonnung oder den NV-Charts folgen. Tagsüber steuert man auf das rot-weiße Richtfeuer 229° (Kennung 2 × Oc R) zu; es führt mitten durch die Rinne bis kurz vors Hafenhaupt. Bei Dunkelheit wird es kniffliger: Die Randtonnen der Reede tragen keine Lichter, und bei Nordwind können im Flachwasser neben der Rinne steile Kabbelwellen stehen. Wer sich unsicher fühlt, ankert einfach zwischen den Reedetonnen 1–3 und wartet den Morgen ab. Strömung spielt kaum eine Rolle, doch bei Starkwind aus Südost bläst es quer durchs Fahrwasser – wir brauchten bei 28 kn Böen fast Vollgas, um den Versatz zu kompensieren.
Windgeschützter Hafen mit ruhiger Atmosphäre
Im Hafen selbst wird festgemacht, nicht geankert: Etwa 100 Liegeplätze (Schiffslänge bis 40 m, Tiefgang max. 3,5 m) verteilen sich auf Fingerstege, Heckbojen und eine kräftige Kaimauer. Die Pfahlboxen liegen windgeschützt hinter Wald und Dünen; bei Weststurm hörten wir draußen das Boddenbrausen, während an Bord kaum ein Glas vibrierte. Lediglich Ostlagen können leichten Schwell ans Außenholz drücken. Bei sehr vollem Hafen bleibt als Ausweichmöglichkeit die Bock-Reede südlich der Insel Bock – dort herrscht guter Sandhalt, Landgang ist wegen des Nationalpark-Verbots jedoch tabu.
Ruhiger Hafen mit guter Versorgungsinfrastruktur
Alle Boxen verfügen über Frischwasser, Strom (16 A) und kostenloses WLAN. Diesel (biofrei) zapft man am Schlauch an der Südmole, Gasflaschen tauscht der Hafenmeister auf Bestellung. Sanitärgebäude und Waschmaschine liegen nur wenige Schritte vom Steg; wer morgens Brötchen möchte, bestellt sie bis 18 Uhr im Hafenkiosk. Ein kleines Restaurant direkt am Anleger serviert Boddenzander und Räucherfisch, der nächste Supermarkt befindet sich im Ort Klausdorf (1 km, Leihfahrräder am Hafen). Müll wird streng getrennt, eine Fäkalienabsauganlage ist vorhanden. Kran (6,5 t) und Slip ermöglichen kleine Reparaturen – Ersatzteile liefert Stralsund über Nacht.
Naturerlebnis zwischen Kranichen und Boddengewässern
Barhöft ist Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, einem der wichtigsten Vogelrastgebiete Europas. Im Herbst fallen hier bis zu 70 000 Kraniche ein; vom 38 m hohen Aussichtsturm neben dem Hafen lässt sich ihr abendlicher Einflug über die Inseln Bock und Hiddensee spektakulär beobachten. Rundwege führen durch Küstenheide und Erlenbruch zum „Haus am Kliff“, einer modernen Nationalpark-Ausstellung mit interaktiven Stationen für Kinder. Wer weiter wandern will, folgt dem 25-km-„Kranichpfad“ bis Zingst – immer begleitet von Rohrdommelruf und Schilfsurren. Die flachen Bodden eignen sich zwar nicht fürs Schnorcheln, wohl aber fürs Stand-Up-Paddeln oder Paddeln im Windwatt – Seeadler kreisen oft über den Schilfgürteln, und in den warmen Uferzonen tummeln sich Hechte und Barsche. Kinder freuen sich über den kleinen Sandstrand am Ostende des Hafengeländes, während Angler vom Steg aus Aal und Hering an die Leine bekommen.
Ruhiger Naturhafen zwischen Bodden und Ostsee
Marina Barhöft vereint zwei seltene Qualitäten: sicheren Liegeplatz unmittelbar am Fahrwasser Richtung Stralsund und zugleich unmittelbaren Naturkontakt. Für Crews, die die Ziegelgrabenbrücke abwarten, Tagesausflüge nach Hiddensee planen oder einfach einen Wetter – und Kranichstopp einlegen möchten, ist der Hafen ideal. Familien schätzen Spielplatz, Badestrand und kurze Wege, Langfahrtseglende die ruhige Nacht ohne Dünung – lediglich die Mücken können an windstillen Sommerabenden zur Geduldsprobe werden. Mein persönlicher Höhepunkt war ein Spätabend im Cockpit: Tiefrote Sonne über dem Bodden, leises Flügelschlagen der ersten einfliegenden Kraniche und das Glucksen der Dalben im absolut windstillen Wasser. Für mich ist Barhöft deshalb nicht nur ein „technischer“ Zwischenhafen, sondern ein stiller Logbuch-Schatz – ein Ort, an dem man die Ostsee kurz vergessen und den Puls der Boddenlandschaft spüren kann.
Community's Meinung