Anspruchsvolle Ansteuerung im Boddenrevier Rügens
Der Hafen liegt an Rügens Westküste am Hiddensee-Fahrwasser. Von Norden oder Süden folgt man zunächst der betonnten Hauptrinne; Höhe Leuchttonne 27 / N2 zweigt bei rwK ≈ 088 ° ein Seitenpriel nach Osten ab. Ab hier führt die Tonnenkette Sch 1 / Sch 4 mit grün-roten Staketonnen in sanften S-Kurven in den Bodden. Tiefe im Priel rund drei Meter, im Hafenbecken bis fünf Meter – genug für mittlere Fahrtenyachten. Markante Landmarke bei Tag ist der gedrungene Kirchturm des Dorfes; nachts helfen nur die Fähranleger und die schwache Hafeneinfahrtsbeleuchtung – die Tonnen selbst bleiben unbefeuert. Wer also nach Dunkel anläuft, sollte sich auf Plotter oder Peilungen verlassen und langsam fahren; die Schilfbänke links und rechts verzeihen keine Abweichung.
Ruhiger Hafen mit optimalem Wetterschutz
Im Hafen sorgen ein breiter Dalbensteg und der Fährkai für nahezu vollständigen Rundumschutz. Südliche Starkwinde lassen allenfalls einen leichten Schwell quer durch das Außentor laufen; bei West- oder Nordostlagen liegt man spiegelglatt. Der Untergrund ist dichter Schlick-Sand, sowohl in den Boxen als auch – für Ankerfreunde – draußen zwischen Ufer und Fahrwasser. Dort fanden wir auf 2,5 m Tiefe sofort halt; selbst Böen von 30 kn ließen den GPS-Track kaum ausbeulen. Strömung gibt es im Bodden praktisch nicht, Tidenhub liegt unter 20 cm – ideal für Crews, die ruhige Nächte schätzen.
Moderner Hafenkomfort im Bodden-Ambiente
Wer an den modernen Schwimmstegen festmacht, hat Wasser und 16/32-A-Strom direkt am Poller. Sanitäranlagen sind neu, beheizt und mit Familienkabinen ausgestattet; eine Slipanlage, ein Bootskran und eine Pump-Out-Station runden den Service ab. Diesel erhält man zu festen Öffnungszeiten direkt beim Hafenmeister; Gasflaschen werden im Servicehof getauscht. Einkaufen funktioniert in Schaprode boddentypisch kleinteilig: Brötchen und regionale Produkte gibt’s morgens im Hofladen Schillings am Hafenweg, Basics in einem Mini-Markt auf dem nahen Campingplatz. Für größeren Proviant fährt man mit Bus / Leih-E-Bike 15 Minuten nach Gingst (Edeka) oder 25 Minuten nach Bergen. Wer lieber an Bord bleibt, holt sich im Fischkutter „Kutterfisch“ geräucherten Aal und Barsch direkt aufs Cockpit. Mülltrennung und Altölannahme befinden sich am Werfttor; der Hafenmeister achtet streng darauf – ein Pluspunkt in Zeiten von Bodden-Eutrophierung.
Naturreicher Boddenhafen mit Inselblick und Artenvielfalt
Kaum ist das Stegtor hinter einem zugefallen, steht man in der vielleicht vogelreichsten Ecke Rügens: Im Frühjahr und Herbst trompeten Tausende Kraniche über den Bodden, Seeadler patrouillieren regelmäßig über die Insel Öhe gegenüber, und abends flitzen Fledermäuse über den Schilfgürtel. Zwischen den Pfählen am Fähranleger grasen oft Kegelrobben auf der Jagd nach Heringen. Schaprode ist zugleich Dreh- und Angelpunkt für Ausflüge nach Hiddensee – die weißen Häuser Neuendorfs leuchten am Horizont, und die Fähre benötigt 20 Minuten. Wer an Land bleiben will, wandert den Deich entlang zum Aussichtshügel „Hoch Hilgor“: Panorama über den Bodden bis zur Wittower Fähre inklusive. Radfahrer schätzen den autofreien Weg durch die „Klüter Schwedenhagen“, vorbei an Salzwiesen voller Strandastern und Strandmalven. Unter Wasser erwartet einen typische Boddenkulisse: Sicht selten über einen Meter, dafür reichlich Krautwiesen. Kinder fangen Stichlinge und Posthornschnecken mit dem Kescher, während Angler im Spätsommer gute Chancen auf Zander und Hecht haben. Der Hafen selbst besitzt einen kleinen Sandstrand – perfekt für ein Feierabendbad bei 22 °C Wassertemperatur im Juli.
Bodenständige Boddenidylle im Hafen Schaprode
Schaprode ist kein Ort für mondäne Hafenspaziergänge oder Boutique-Shopping – aber genau deshalb liebe ich ihn. Wer eine wettersichere Box in Reichweite zu Stralsund sucht, morgens mit dem ersten Kranich-Ruf wach werden will, oder einfach einen Absprunghafen für Hiddensee benötigt, wird hier glücklich. Die Mischung aus verlässlicher Infrastruktur (220 Liegeplätze, Diesel, Kran) und bodenständigem Inselleben macht Schaprode für mich zum Pflichtstopp in den Boddengewässern. Einziger Vorbehalt: Bei Nacht oder dichtem Nebel ist die unbefeuerte Tonnenkette eine Herausforderung – lieber am Tage einlaufen oder auf GPS-Peilung achten. Mein Logbuch schließt deshalb mit einer simplen Notiz: „Schaprode = Boddenidylle mit Fährkino. Wiederkommen garantiert.“
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