Waase: Herausforderung für Navigationskünstler
Waase liegt an der Südostküste der Insel Ummanz, genau dort, wo der Focker Strom in den Schaproder Bodden übergeht. Von Westen folgt man zunächst der bezeichneten Hauptroute des Schaproder Boddens (Tonnenpaar 19/20). Direkt östlich davon zweigt ein unbefeuertes, aber gut tonnenbesetztes Stichfahrwasser ab (grün / rot nummeriert Wa 1–Wa 4). Dieses rund 800 Meter lange Priggel-Pricken-Fahrwasser ist bei Tageslicht problemlos, nachts jedoch wegen fehlender Beleuchtung nicht empfehlenswert. Tiefen im Priel um 2,0 m; am Kai selbst fallen sie auf 0,8–1,5 m ab – Yachten mit mehr als 1,40–1,50 m Tiefgang sollten daher besser auf Hochwasser zielen oder draußen ankern. Als Landmarke dient die weithin sichtbare gotische Dorfkirche von Waase mit ihrer weißen Turmhaube; in der Abendsonne leuchtet das Mauerwerk wie ein natürlicher Sektorensektor. Auf den letzten Kabellängen unbedingt langsam fahren – der Priel knickt zweimal rechtwinklig ab, und Fischernetze ragen manchmal bis dicht an die Grenze.
Idyllischer Ankerplatz im Bodden
Wer nicht in den Hafen passt oder lieber frei liegt, findet direkt südwestlich des Fahrwassers 2–2,5 m über weichem Boddenschlick. Dort hielt unser 15-kg-Rocna bereits nach einem halben Meter Kettenvorlauf bombenfest; selbst eine nächtliche Böenfront aus Südwest ließ das Boot kaum wandern. Die niedrigen Ufer und Schilfgürtel schirmen jede Windrichtung außer reinem Süd etwas ab, doch richtiger Seegang baut sich im Bodden ohnehin selten auf. Strömung gibt es praktisch nicht, Tide sowieso nicht – Ostseetypisch schwankt der Pegel nur bei Starkwind um wenige Dezimeter.
Praktische Hafenidylle mit Inselladen-Nähe
Am Kai: Stromkästen (16 A), Trinkwasser und zwei solide Leitergänge. Sanitäranlagen samt Dusche gehören zur angrenzenden Pension / Fischrestaurant „Am Focker Strom“; Schlüssel gibt der Hafenmeister, der meist in blauer Latzhose übers Gelände läuft. Diesel und Gas gibt es hier nicht, aber ein mobiler Tankwagen kommt nach telefonischer Absprache bis auf den Parkplatz. Für den Tagesbedarf reicht der Inselladen 400 Meter hinter dem Kirchplatz (frische Brötchen ab 07:30 Uhr); für Großeinkäufe fährt man 20 Minuten mit dem Linienbus nach Gingst oder Leihrad nach Bergen. Müllcontainer stehen neben der Sliprampe, Altöl nimmt der Fischerverein nach Voranmeldung kostenlos ab – das „Fischer-Kai ist Arbeitsplatz“-Schild wird ernst genommen, also Leinen sauber aufschießen und Angelkästen nicht blockieren.
Ummanz: Ruhe, Natur und Wassersporterlebnis
Ummanz gilt als die „stille Schwester Rügens“ – flach, weit, von Bodden und Schilf umrahmt. Gleich hinter der Hafenreihe beginnt der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft: im Frühjahr und Herbst trompetieren Kraniche, im Sommer schweben See- und Fischadler über den Schilfinseln. Ein 5-km-Radweg führt über Holzstege nach Suhrendorf; unterwegs passiert man Salzwiesen voller Strandastern und Schlickröhrichten, in denen Plattbauch-Libellen tanzen. Wer lieber aufs Wasser will, mietet beim Restaurant ein SUP-Board oder Paddelboot und gleitet durch das Labyrinth der Röhrichtgassen. Die Sicht unter Wasser reicht selten über einen Meter, doch Binokel-Schnorchler entdecken Armleuchteralgen, Wollhandkrabben und beinah tropisch wirkende Graskarpfen. Abends lohnt sich der Spaziergang zur Backsteinkirche: Ein spätgotischer Flügelaltar zeigt geschnitzte Madonnen – für Kulturliebhaber fast so beeindruckend wie die Boddenlandschaft selbst.
Waase: Charmanter Boddenhafen mit Charakter
Waase ist ein Zwerg im Reigen der Boddenhäfen – aber einer mit Charakter: Für Flach- und Mitteltiefgänger ein charmantes Etappenziel auf der Runde Rügen – Usedom; Für Naturfans ein leiser Balkon mit Kranich- und Adlerkino; Für Genießer der Ort, an dem man Fangfrischen Barsch in Sichtweite der eigenen Yacht verspeist. Komfort darf man nicht auf Yachthafen-Niveau erwarten: Kein Diesel am Steg, kein 24-h-Supermarkt, und Tiefgang über 1,60 m bleibt draußen. Doch wer sich auf das reduziert, was ein Boddenhafen traditionell bietet – Schutz, Wasser, Strom und ehrlichen Fisch –, findet in Waase einen Platz, an dem Uhr und Autolärm auf leise gestellt werden. Mein Logbuch vermerkt nach nur einer Nacht ein helles Ausrufezeichen: „Waase – klein, echt, wiederkommen!“
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