Tidefreies Segelparadies bei Süderstapel
Süderstapel liegt bei Eider-km 61. Von Tönning oder Friedrichstadt kommend folgt man der gut ausgesteckten Mittelrinne. Rund 600 m vor dem Ort erscheint backbord die Kirchturmspitze von St. Katharinen – sie ist schon aus der Ferne ein praktischer Wegweiser. Die Hafeneinfahrt selbst öffnet sich nach Westen; grüne Dalben markieren die Zufahrt. Solltiefe im Fahrwasser gut 1,8 m, im Hafenbecken 1,6–2,0 m – langkielige Yachten sollten bei Mittel- oder Hochwasser einlaufen. Strömung spielt dank Wehrregelung nur bei starkem Abfluss eine Rolle; nachts gibt es keine Befeuerung, doch der Deich mit LED-Wegeleuchten genügt für eine vorsichtige Dämmerungsansteuerung. Schleusen braucht man nicht – die Eider ist hier tidefrei.
Idyllische Ruhe an geschütztem Liegeplatz
Drinnen liegt man an Dalben- oder Fingerboxen fast wie in einem Teich: Umgeben von Deich und Wiesen kommt kaum Wind durch, Schwell existiert nicht. Der Grund ist fester Lehm und wird nicht aufgewühlt – perfekt für eine ruhige Nacht. Durch die Nähe zum Strand entsteht tagsüber etwas Paddel- und Badeverkehr; ab 20 Uhr kehrt Stille ein. Offenes Ankern außerhalb lohnt kaum, da Schilfbänke und geringe Tiefe freien Schwojraum einschränken.
Praktische Hafenidylle mit Rundum-Service
Der Charme des Hafens liegt in kurzen Wegen: Strom, Wasser und kostenfreies WLAN direkt an jedem Steg. Modernes Sanitärhaus (Duschen, Waschmaschine) sowie Grill- und Picknickecke am Badestrand. Diesel in Kanistern und Gasflaschen gibt es gegenüber an der Landstraße; der Hafenmeister hilft beim Transport. Bäcker, Supermarkt „Dörpskroog“ und eine Dorfgaststätte erreicht man in fünf Gehminuten. Mülltrennung, Altölannahme und ein kleiner Yachtservicebetrieb komplettieren das Angebot. Liegegeld (2025): 12 € für Boote bis 10 m, 14 € bis 12 m – Strom inklusive; bezahlt wird bar oder via Überweisung beim Hafenmeister.
Wassersportabenteuer und Natur in Nordfriesland
Direkt neben den Stegen beginnt ein – für Schleswig-Holstein ungewöhnlich breiter – Sandstrand mit klarem, flachem Flusswasser: perfekter Kinderspielplatz und SUP-Einsetzpunkt. Hinter dem Deich eröffnet sich die Eider-Treene-Sorge-Niederung: Feuchtwiesen, Storchendörfer, Haubarge und Moorreste. Rad- und Wanderwege führen in alle Richtungen; besonders lohnend ist die 8-km-Tour nach Bergenhusen, wo im Sommer über 30 Weißstorch-Paare brüten. Angler finden Hecht, Zander und Aal; Tageskarten gibt es im Ort. Paddelnde können über den Gieselau-Kanal Richtung NOK oder stromauf bis Seeth schippern. Wer Landkultur sucht, besucht die romanische Backsteinkirche oder das private Haubarg-Museum Mildterhof. Im Juni säumen tausende Wildrosen die Dorfwege, und abends zieht Nebel über die Eiderwiesen – eine Szenerie, die eher an Skandinavien als an Nordfriesland erinnert.
Entschleunigung in Süderstapel: Naturidylle pur
Süderstapel ist kein Technik-Hotspot, sondern ein Ruhe-Hafen: perfekt, um nach Nordsee-Etappen auszuschlafen, Kinder frei laufen zu lassen oder einfach ein Wochenende im Grünen zu verbringen. Die Kombination aus Badestelle, solider Grundversorgung und absoluter Schwellfreiheit überzeugt besonders Familien, Fahrtencrews mit wenig Tiefgang und Paddel-Fans. Wenig geeignet ist der Platz für Yachten über zwei Meter Tiefgang oder Skipper, die Großstadtflair suchen. Ich erinnere mich an einen Abend im Cockpit, als die Sonne hinter Schilfinseln versank, ein Seeadler lautlos stromauf glitt und am Strand noch das Lachen zweier Kinder hallte – mehr Entschleunigung geht auf einem deutschen Fluss kaum.
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