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Finnland
·
Nordösterbotten
·
Kalajoki

Maakalla

Zeitreise zur Fischerinsel Maakalla

Einleitung

Nach 18 Seemeilen hart am Wind über die bottnische See tauchen die Kallankari-Inseln plötzlich aus dem Dunst auf: flaches, graues Gestein, darüber ein Holz­kirchlein mit spitzer Schieferturmhaube und ringsum verstreute rote Fischerhütten. Auf Maakalla, dem größeren der beiden Eilande, gilt seit 1771 ein eigenes Fischer-Autonomierecht – und genauso fühlt sich die Ankunft an: wie eine Zeitreise. Kaum habe ich den Heckanker ausgebracht, weht schon der süß-würzige Rauch frischer Weißfischfilets vom Räucherofen herüber; Möwen kreischen, doch sonst herrscht eine geradezu klösterliche Ruhe.
Rote Holzhäuser und ein Bootssteg an ruhiger Küstenlinie unter klarem Himmel, reflektiert im blauen Wasser

Inselhafen Maakalla: Navigationsherausforderung vor Finnlands Küste

Maakalla liegt auf 64° 14,6′ N / 23° 10,4′ E, rund 16 km westlich des Festland-Ortes Kalajoki. Die Zufahrt erfolgt ausschließlich von Nord-Nordost: Zwischen Ulkokalla-Riff und Maakalla öffnet sich ein 150 m breiter Pass ohne Betonnung, dessen sandiger Grund mindestens 3 m bietet. Als Landmarken dienen das weiße Kirch-Leuchtfeuer (Fl.W.4s 10 M) und der 18 m hohe Stahlmast der Wetterstation. Bei Tageslicht steuert man auf Kurs 220° direkt auf die Kirche zu, bis das Wellenschloss („Spülschwelle“) der Bucht an Backbord liegt; dann 90° nach Steuerbord und langsam in das winzige Hafenbecken eindrehen. Nachts ist das Leuchtfeuer klar erkennbar; die Insel liegt in einem Lichtloch ohne weitere Küstenfeuer. Aber Vorsicht: Nebelbänke bilden sich häufiger, Radar oder AIS sind Gold wert. Tidenhub spielt in der Bottenwiek keine Rolle (< 0,2 m), doch anhaltender Nordwest kann die Oberfläche um bis zu 0,5 m heben – mehr Wasser unterm Kiel, aber auch zusätzliche Querströmung in der Einfahrt.

Kleiner Hafen mit begrenztem Liegeplatzangebot

Das Hafenbecken ist kaum größer als ein Dorfteich. Es gibt einen einzigen Gästesteg – längsseits je ein Boot pro Seite – plus eine Heckboje am Stegkopf. Die *Tiefen liegen laut Navionics und Eigenlotung bei etwa 2,0 m direkt am Dalben; am Kopf vielleicht zehn Zentimeter mehr. Für Yachten über 11-12 m Länge oder > 2,1 m Tiefgang wird das Drehen eng. In dem Fall lohnt es, bis gegen 16 Uhr zu warten: Dann dampfen die beiden Ausflugs­kutter zurück ans Festland und lassen ihre robuste Pier frei, an der auch 13-Meter-Schiffe bequem festmachen können. Wer gar nicht hineinpasst, wirft den Anker nördlich der Mole auf 3–4 m Sand über Lehm. Der Grund hält ausgezeichnet. Bei Nord- bis Ostwind liegt man so ruhig wie in einem Schwimmbecken; West- und Südwestlagen lassen jedoch offene Dünung in die Reede laufen, die das Boot unangenehm rollen lässt. In Starkwind verlegt man sich besser längsseits an die robuste Ausflugspier oder bleibt gleich im Heimathafen.

Kleine rote Holzhäuser mit Leiter, daneben schlanker Holzbaken-Leuchtturm auf felsiger, grasiger Küstenlandschaft.
Kleiner Hafen: drei Motorboote an Stegen, ruhiges blaues Meer, sandiger Strand mit Felsen, klarer Himmel.

Puristisches Inselparadies mit traditionellem Selbstbedienungs-Fischladen

Strom- und Wasseranschlüsse sucht man vergebens – Maakalla ist puristisch. Am Stegende steht jedoch ein überdachter Picknick­tisch samt Feuerstelle, und zehn Meter dahinter die holzbefeuerte Insel­sauna. Wer genügend Gleichgesinnte findet, legt 5 € pro Nase in die Kasse des Saunawarts und darf ab 18 Uhr aufheizen. Waschhäuser gibt es nicht; stattdessen mehrere saubere Kompost­toiletten im Wald. Lebensmittel? Fehlanzeige – abgesehen von dem legendären 24/7-Selbstbedienungs­fischladen an der Westpier: Räucher­weißfisch, Barsch und Lachsfilet, bezahlt per MobilePay oder bar in die Holzkasse. Trinkwasser muss vom Festland mitgebracht werden. Müll nimmt man ebenfalls wieder mit; ein kleiner Sammelbehälter für Restmüll steht am Museums­schuppen, aber Volumen und Abtransport sind stark begrenzt.

Maakalla: Finnlands uriger Insel-Geheimtipp

Maakalla ist knapp 0,6 km² groß und besteht aus flachem Moränen­geröll, das durch Landhebung jedes Jahr weiter wächst. Zwischen den grauen Kieskuppen schimmern Teppiche aus Heidekraut und flechtenbewachsenen Felsen, in windgeschützten Senken duften Zwergbirken und Moltebeeren. Das Brackwasser ringsum misst kaum 4 ‰ Salz; deshalb tummeln sich im Sommer Schwärme von Flundern und Stichlingen, die man beim Schnorcheln in 1–2 m Tiefe beobachten kann – Sichtweiten von 3–5 m sind an guten Tagen drin. Ornithologisch ist die Insel ein Hotspot: Küstenseeschwalben (Arctic Tern) starten im Sturzflug auf alles, was ihrem Nachwuchs zu nahe kommt, während Graugänse zwischen den Bootshütten brüten. Auf den vorgelagerten Klippen rasten häufig Kegelrobben; ein frühes Dinghy-Paddel mit Fernglas belohnt fast garantiert mit Sichtung. Ein Rundweg von kaum einem Kilometer führt vom Hafen zur Holzkirche von 1780 – innen mit Schiffsmodellen statt Kronleuchtern – weiter zum kleinen Heimatmuseum und zurück durch das Fischer­dorf ohne Zäune und Gartenzäune: Eigentum gibt es hier nur als Erbrecht. Jedes Jahr am letzten Sonntag vor dem 25. Juli tritt die selbstverwaltete Fischer­versammlung im Freien zusammen, um in alter schwedischer Sprache Recht zu sprechen – ein lebendiges Relikt aus dem 18. Jahrhundert

Holzsegler am Steg vor roten Fischerhütten an ruhiger Ostsee unter weitgezogenem Wolkenhimmel.
Rote Holzhäuser und ein Bootssteg an ruhiger Küstenlinie unter klarem Himmel, reflektiert im blauen Wasser

Maakalla: Minimalistische Inselidylle mit Fischertradition

Maakalla ist kein „Hafen“ im klassischen Sinn, sondern eher ein exklusiver Zeitkapsel-Anleger: zwei Liegeplätze, null Luxus, hundert Prozent Atmosphäre. Wer kleines Schiff, überschaubaren Tiefgang und ausreichenden Eigenvorrat mitbringt, erlebt eine der authentischsten Fischerinseln Finnlands aus nächster Nähe – inklusive Sauna­dampf, Räucherfisch und Robbenblick. Für größere Crews oder Boote über 40 Fuß bleibt Maakalla ein Glücksspiel: Passt der Platz, ist der Abend unvergesslich; passt er nicht, bleibt nur Ankern in rollender Reede oder der Weg zurück nach Kalajoki. Technik- oder Diesel­service sucht man hier vergebens, dafür bekommt man stilles Nordlicht im September, Mitternachts­sonne im Juli und das vielleicht beste Weißfischbrötchen der Bottenwiek. Meine Logbuch-Notiz lautet deshalb: „Maakalla – minimalistische Perfektion. Wiederkommen bei NE-Wind Pflicht!“

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