Gezeitenunabhängiger Hafen mit einfachem Zugang
Dieppe ist einer der wenigen Häfen der Normandie, der ohne Schleuse und bei jeder Tide angelaufen werden kann. Die betonnten Zufahrtslinien beginnen 2 sm vor der Pier; nachts führt ein rot-weißes Richtfeuerpaar (.5s) direkt in die 90 m breite Hafeneinfahrt. Der Tiefwasserkanal ist auf 8 m ausgebaggert; selbst bei Spring-Niederwasser bleiben im Außenhafen noch 6 m. Innerhalb der Molen hält man sich backbord, quert die Fährlinie zügig und biegt sofort steuerbord in den Bassin Ango ab (grün befeuertes Tor). Dann rechts halten – der Gäste-Schwimmsteg liegt gleich hinter dem Marina-Büro. Ein Funkruf auf VHF 12 “Dieppe Port Plaisance” wird rund um die Uhr beantwortet. Bei starkem Südwest kann in der Einfahrt kurzer Kreuzschwell stehen; der Kanal selbst ist dann aber wie abgeschnitten.
Geschützte Marina mit ruhigen Innenstadtliegeplätzen
Die Marina verteilt sich auf vier Tiden-unabhängige Bassins; 67 Besucherplätze mit Schwimmstegen und Finger liegen direkt im Bassin Ango, 2½ m bis 4 m tief, ruhiges Wasser dank hoher Kaimauern. Die Mole schützt vor West‐ und Nordwinden; bei Starkost pfeift Böen durch die Hafengasse, ohne jedoch Schwell zu erzeugen. Freies Ankern vor der Stadt ist unmöglich: Das Außenreede ist Fähr- und Fischergebiet, der Grund steil abfallend. Als Notausweich hilft das Wartebecken “Bassin du Paradis” (Steg mit Heckbojen), falls in Ango alles belegt ist – dort aber Rauschen der Kühlaggregate.
Günstige Marina mit zentraler Stadtnähe
Liegegeld (2025): 32 € für 11 – 12 m Schiff inkl. Strom, Wasser & WLAN; Token-Duschkabinen im Marinahaus. Treibstoff: Diesel-Pontons an der Westpier des Bassin Duquesne (24 h Bankkarte). Technik & Service: 45-t-Travel-Lift, 360-t-Boat-Lift (Werftzone), Segelmacher “Voilerie Nord” 300 m hinter der Schleuse. Proviant: Monoprix-Supermarkt 350 m, dazu mittwochs & samstags Normandie-Markt auf der Grande Rue – Käse, Cidre und Fisch direkt vom Boot. Entsorgung: Mülltrennung an jedem Ponton, Altölcontainer an der Slip-Rampe. Nachts sind die Stege nur mit Codekarte zugänglich und videoüberwacht; Stadt-Zentrum, Bahnhof und die Newhaven-Fähre liegen unter zehn Gehminuten entfernt.
Kreideklippen, Jakobsmuscheln und Wracktauchen Dieppe
Das Revier wird geprägt von den Alabasterklippen, bis zu 100 m hohe Kreidewände, die nördlich und südlich der Hafeneinfahrt steil ins Meer fallen – ein Spazierweg startet direkt am Hafenleuchtturm. Auf der Westklippe thront das Château-Musée mit Impressionisten-Gemälden ; unten im Fischereihafen versteigern Bagnards jeden Morgen Jakobsmuscheln – Dieppe rühmt sich einer AOP-Scallop-Auszeichnung. Wer Rad dabei hat, rollt auf dem “Avenue Verte” (ehemalige Bahntrasse) in einer Stunde durch Apfelplantagen bis Arques-la-Battaille mit seiner Ruinenburg. Unter Wasser ist das Ärmelkanal-Grün trüb (1 – 3 m Sicht), doch Wrack-Taucher finden erstklassige Ziele: das Dampfschiff Carthaginian (32 m), oder das U-Boot UB-150.
Ganzjährig zugänglicher Stadtliegeplatz mit Flair
Stärken Tidefrei & tief: Einer der wenigen Häfen der Nord-Normandie, der Tag und Nacht ohne Schleuse erreichbar ist. Innenstadtlage: Bars, Bistros und Marktstände beginnt man fast vom Cockpit aus zu riechen. Service-Dichte: Lift, Diesel, Ersatzteile, Fähranbindung – alles zu Fuß. Schwächen Preisniveau höher als in kleinen Nachbarhäfen. Bei anhaltendem Ost 6 dröhnt der Wind durch die Masten – Ohropax helfen. Sanitäranlagen okay, aber kein Sauna-Luxus; Fußweg vom Besuchersteg drei Minuten. Für Ärmelkanal-Querungen bleibt Dieppe erste Wahl: Halbtagesschlag von Brighton/Newhaven, keine Tidenrechnung, zuverlässiges Refit-Back-up. Genießer:innen schätzen die prompt servierten “Moules Dieppoise”. Mein Höhepunkt: ein spätes Glas Muscadet im Cockpit, während das Schloss in orangefarbenes Halogenlicht getaucht wird und aus der Ferne das Horn der Nachtfähre herüberhallt – Klang und Kulisse, die jeden Kanaltörn mit einem Hauch Belle-Époque veredeln.
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