Sicherer Törn im Holandsfjord
Der Holandsfjord zweigt rund 60 Seemeilen südlich von Bodø ostwärts vom Vestfjord ab. Die 12 Seemeilen lange Fjordrinne ist tief (200 m+) und frei von Untiefen; man hält einfach die Fahrrinne mittschiffs. Ab dem Wendepunkt Skogneset – bei klarer Sicht unübersehbar an der scharfgezahnten Silhouette des Berges Vegdalstinden – steuert man auf das markante, hell gestrichene Kioskgebäude am Ende des Fjords zu. Beleuchtung gibt es nicht; wer nachts einläuft, verlässt sich auf Plotter, Radar und die orange Laterne des Shuttlebots MS Isprins, das mehrmals täglich Touristen von Holandsvika herüberbringt. Die Pierposition: 66 ° 41,3 ′ N / 13 ° 47,0 ′ E. Der mittlere semidiurnale Tidenhub liegt bei nur etwa 1 m, beeinflusst die Navigation also kaum – wohl aber den Strom aus dem Fjord, der bei ablaufender Springtide das Boot spürbar aufs Heck drückt.
Sichere Ankerplätze mit Aussicht
Engen Brygge besteht aus einer 20-m-Festpier und einer 90-m-schwimmenden Pontonanlage mit Wasser- und Stromanschlüssen. Die schwimmende Seite nimmt Boote bis ca. 50 m Länge längsseits auf; an einem ruhigen Juniabend lagen wir dort mit 2,20 m Tiefgang bei noch 4 m Wasser unterm Kiel – selbst größere Fahrtenyachten haben Reserve. Der fjordartige Kessel schützt bestens vor Wind und Welle aus West bis Nord. Problematisch sind jedoch Fallwinde: Wenn sich die kalte Luft über dem Gletscher löst, pfeifen nachts kräftige Katabatikböen talwärts. Auflandig prallen sie zwar am Pier ab, zerren aber an Fendern und Springen – lange Festmacher und Wecker im Cockpit sind sinnvoll. Wird der Ponton wegen Kreuzfahrtexkursionen gesperrt, verholt man einfach 200 m weiter nach Osten und fällt in 15–20 m Tiefe auf weichen Schlammgrund – das Halten ist exzellent, der katabatische Schwell aber spürbar.
Kostenlose Fahrräder und Gletscheraussicht
Der Übergang von Bord zu Land ist ein Schritt über die Gangway: Vor dem Kiosk warten Picknicktische, ein WC-Container, eine einzelne, solide Dusche (20 NOK) und – das Highlight – rund fünfzig tadellos gewartete Gratisfahrräder samt Kinderanhängern. Hafengeld (200–300 NOK je nach Schiffslänge) wird am Tresen bezahlt; Strom, Wasser, WLAN und Müllentsorgung sind inklusive. Diesel, LPG und größere Einkäufe gibt es erst wieder in Ørnes (15 sm Nordkurs), daher vorher bunkern. Dennoch ist das kulinarische Minimum gesichert: Der Kiosk verkauft Kaffee, Waffeln und Eis; zwei Kilometer talaufwärts lockt das Café Brestua mit Rentiersuppe und hausgemachtem Kuchen – bei gutem Wetter mit Panoramablick auf den Gletscher.
Abenteuer am Gletschersee Svartisvatnet
Die eigentliche Bühne beginnt hinter dem Steg. Ein gut geschotterter Fahrweg führt knapp drei Kilometer entlang des milchig türkisfarbenen Svartisvatnet. Danach wechselt man vom Rad auf Schusters Rappen: Über glattgeschliffene Felsriegel, die manchmal noch blankes Gletschereis zeigen, erreicht man nach weiteren 45 Minuten die Unterkante des Engabreen. Hier rauscht Schmelzwasser unter Eistoren hindurch, und aus Spalten dringt die klirrende Kälte von Jahrtausenden. Vogelfans beobachten Weißschwanzseeadler, die in den Fichten oberhalb kreisen, während im Fjord regelmäßig Schweinswale ausatmen. Unter Wasser reicht die Sicht an ruhigen Tagen 10 m; zwischen Kelpwäldern tummeln sich Seelachs-Schwärme, und unter dem Steg liegen oft Seesterne wie verstreute Bonbons. Wer noch mehr Natur will, folgt per Dinghy der Fjordbiegung nach Westen zum Wasserfall Halsfossen. Sein Sprühnebel färbt den Fels moosgrün und erzeugt im Abendlicht Regenbogen – ein perfekter Sundowner-Spot.
Svartisen: Abenteuerlicher Hafen im Wildnisparadies
Svartisen/Engen Brygge ist kein Luxushafen, sondern eine Expeditionsbühne. Er bietet genau das, was man braucht: Fendern, Festmachen, Frischwasser – und danach grandiose Wildnis. Wer mondäne Restaurants, Schiffsausrüster oder Schiffsdiesel neben dem Steg erwartet, wird enttäuscht. Wer aber bereit ist, ein bisschen Organisation (Vorräte, Treibstoff) in Kauf zu nehmen, wird mit einem der eindrucksvollsten Liegeplätze der Norwegischen Küste belohnt. Ideal für Crews, die nördlich oder südlich des Polarkreises unterwegs sind und einen wettergeschützten Zwei-Tages-Stopp mit nachhaltigem Wow-Faktor suchen. Wir haben in einer Julinacht unter Mitternachtssonne im Cockpit gesessen, das Eis glitzern sehen und die Katabatik singen hören – und beschlossen, dass Svartisen künftig ein Pflichteintrag jedes Helgeland-Törns ist. Vier-komma-fünf von fünf Logbuchsternchen – Abzug nur, weil die Dusche auf zwei Fünf-Kronen-Stücke begrenzt ist.
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