Navigieren im Schärenlabyrinth von Norwegen
Koordinaten: 68 ° 09,1′ N / 14 ° 13,0′ E. Die Zufahrt erfolgt von Westen durch das betonnte Schärenlabyrinth zwischen Heimøya und Hellandsøya. Wer aus Svolvær kommt, folgt zunächst der befeuerten Route 731, hält dann Ausschau nach dem markanten weißen Leuchtturm auf Finnholmen und biegt direkt südlich davon hart nach Backbord in das Hafenbecken ein. Die Tiefe fällt von 20 m im Hauptfahrwasser auf 6–7 m am Gästesteg; für unsere 2 m Tiefgang blieb stets Wasser unterm Kiel. Bei Dunkelheit ist Vorsicht geboten: Die Hafeneinfahrt selbst ist unbefeuert und die umliegenden Felsen schlucken Navigationslichter. Radar, Karte-Plotter und ein Spotter am Bug sind Pflicht. Windrichtungsabhängig kann der Querstrom im Sund 1 kn erreichen, allerdings lässt er nach, sobald man hinter der mole liegt.
Henningsvær: Sicherer Hafen bei Starkwind
Henningsvær ist in erster Linie ein Steg-Hafen; freies Ankergelände gibt es kaum, denn das Becken ist tief und von Senklots-Fischern dicht genutzt. Gäste liegen längsseits an drei Schwimmstegen vor der Mole oder – falls dort belegt – an dem Einzelsteg mittig im Ort. Wassertiefe 4–6 m, fester Grund, dicke Dalben und solide Ringe: Auch bei Starkwind sitzt das Schiff wie angenagelt. Die massive Mole bricht Ost- bis Südostseegang vollständig, und Felsrücken im Westen schirmen die häufigen Nordwestböen ab. Nur bei seltenem Nordoststurm schleicht sich leichter Schwell ins Becken; eine zusätzliche Vorspring beruhigt dann den Lieger. Für den Fall, dass alles voll ist, bietet sich die ruhige Bucht Hopspollen (1 sm NE) als Notankerlösung an – 10 m Tiefe auf Schlick, gute Haltequalität.
Norwegischer Hafen: Komfort und Kultur vereint
Festmachen, Landstrom einschalten – und man steht praktisch mitten im Dorf. Strom und Trinkwasser sind in der GoMarina-Gebühr (2025: 300 NOK bis 40 ft) inbegriffen; bezahlt wird per App oder norwegischem VIPPS. Öffentliche Duschen und Waschmaschinen fehlen, Toiletten findet man tagsüber im Servicegebäude am Großparkplatz (10 Min. Fußweg). Diesel steht theoretisch an einem verrosteten Straßentank direkt am Kai; praktisch bunkert man besser im 18 sm entfernten Svolvær. Dafür ist der Joker-Supermarkt an der Hauptstraße ein wahres Raumwunder: frisches Gemüse, Propan-Kartuschen, sogar eine Mini-Apotheke. Müll- und Altölcontainer stehen am Kopf der Mole. Kulinarisch locken Cafés, die Kaviarfabrik (moderne Kunst + Espresso) oder die legendäre Trevarefabrikken mit Sauna, Pizza und Live-Indie-Bands – alles im Radius von 500 m.
Abenteuer und Naturzauber auf den Lofoten
Sobald die Leinen sitzen, beginnt der Spielplatz Lofoten. Direkt hinter dem Ort schraubt sich der Steig zum 541 m hohen Festvågtind empor: ein knackiger 90-Minuten-Hike über Fels und Geröll, belohnt mit Instagram-Panorama auf die ins Wasser getupften Inseln von Henningsvær. Wer das RIB-Boot der „Lofoten Opplevelser“ besteigt, kommt Seeadlern fast auf Flügelspannweite nahe; nicht selten tauchen auch Kegelrobben oder Minkwale neben dem Boot auf. Unter Wasser herrscht arktischer Reichtum: Tangwälder, Kammmuschelbänke und mit Glück ein Schwarm dicker Küstenkabeljaus. Sichtweite 10–15 m, Wassertemperatur im Juli 10 °C – Trockenanzug empfohlen. Die Tidenamplitude liegt im Vestfjord bei rund 2 m; Strömung in den Kanälen bleibt moderat. An Land riecht man überall den für Lofoten typischen Stockfisch, der von Februar bis Juni auf hölzernen „Fiskehjell“ trocknet – ein rustikales Fotomotiv und zugleich Wirtschaftsfaktor. Abends zieht das goldene Mittsommerlicht über den kleinen Platz mit seinen bunten Boutiquen, Kerzenziehereien und Kunstgalerien, bevor gegen Ende August das erste Nordlicht über die Bergzacken tanzt.
Henningsvær: Norwegens Kreative Küstenperle
Henningsvær vereint das Beste der Lofoten auf wenigen Quadratkilometern: spektakuläre Natur, authentische Fischereigeschichte und eine junge, kreative Szene – alles direkt am Schwimmsteg. Wer heiße Duschen, Spa-Marinas oder Großstadttrubel sucht, wird murren; wer dagegen auf eigenem Schiff das Lebensgefühl nördlich des Polarkreises erleben will, sollte hier unbedingt eine Nacht, besser zwei, einplanen. Für Crews mit bis zu 2,5 m Tiefgang, die Windschutz, Versorgung und ein Plus an Kultur schätzen, ist Henningsvær der perfekte Zwischenstopp zwischen Reine und Trollfjord – und für mich der Ort, an dem Norwegen jedes Mal ein Stück zuhause wird.
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