Navigieren durch Schärenlabyrinth bei Husøy
Auf der Seekarte wirkt der Weg zwischen den vorgelagerten Schären wie ein Labyrinth, tatsächlich ist er aber gut betonnt: Von Westen führt die „Husøy-leden“ zwischen den Leuchttonnen Træna NV (Fl.R) und Træna SV (Fl.G) hindurch. Danach folgt man der grün-roten Stakett-Linie, die sich in einem tiefen Schlauch (≥ 6 m) bis fast an den Fährkai heranzieht. Erst unmittelbar vor Husøy knickt die Rinne nach Steuerbord in einen kaum sichtbaren Einschnitt; bei ablandigem Licht hat man das Gefühl, direkt auf eine Felswand zuzulaufen – keine Sorge, die Durchfahrt verbreitert sich auf gut 20 m. Die Tidenamplitude beträgt in dieser Region selten mehr als 1 m; Strom setzt meist schwach nach Ost. Wer nachts anläuft, hat nur spärliche Uferbeleuchtung – besser Tageslicht oder klaren Polarsommer wählen.
Geschützter Hafen für flache Yachten
Das Hafenbecken ist L-förmig und im Winter von schwimmenden Eiswänden geschützt. Für Yachten gibt es einen einzigen Schwimmponton (Beton, Fingers ohne Dalben). Laut Karte liegen dort nur 1,4 – 1,6 m bei mittlerem Niedrigwasser – Tiefgänger > 1,60 m riskieren Grundberührung. Direkt neben dem Ponton zieht sich eine hohe Holz-Spundwand entlang, in der Tau- und Rohrleitungen hängen; Festmachen dort ist unklug. Wer mehr Tiefgang braucht, ankert in der breiteren Zufahrt vor der Einmündung (bis 7 m, Schlick über Sand, guter Halt) und verholt mit Heckleine an den Außenkai. Gegen Wind aus Süd- bis Nordwest ist der Hafen perfekt abgeschattet; bei starkem Ost kann leichter Schwell in die Zufahrt laufen, der aber an der Mole bricht.
Praktische Hafentipps für Torsholmen
Strom- und Wasseranschlüsse befinden sich auf dem Ponton, funktionieren aber nur in der Sommersaison (Mai–Sept.). Sanitär: Ein rotes Servicehäuschen mit Dusche und WC steht zehn Gehminuten entfernt am Torsholmen-Kai, dem zweiten Gästesteg (hier ebenfalls 1,4 m Tiefe). Der Schlüssel dazu hängt im Briefkasten des Hafenbüros – Selbstbedienung nach norwegischer Vertrauensart. Liegegeld (2025): 200 NOK pauschal, bar in ein Kässchen oder per Vipps bezahlen. Diesel & Benzin: keine Zapfstelle; Kanister an der Fährpier, falls der Fischtrawler gerade bunkert. Supermarkt: „Joker Træna“ (300 m) ist Lebensmittelladen, Baumarkt und Bootszubehör zugleich – vom Dichtmittel bis zum Leinenschäkel alles da. Der Laden öffnet Mo–Sa, schließt aber pünktlich mit der letzten Fähre. Entsorgung: Hausmüllcontainer am Kai, kein Pump-out. Handyempfang (Telenor 4G) ist stabil, Wi-Fi gibt es kostenlos im Gemeindehaus gegenüber der Kirche.
Trænaxe: Inselparadies mit Nordsee-Blick
Træna besteht aus fast 500 Inseln, Schären und Felsen; Husøy selbst misst kaum einen Kilometer im Durchmesser. Eine Inselrunde dauert zu Fuß keine dreißig Minuten – länger, wenn man an jeder Fotokulisse Halt macht: grasende Rentierschafe, verwaiste Bunker aus dem Kalten Krieg, farbenfrohe Street-Art-Installationen des Træna-Music-Festivals. Das Highlight ist jedoch die Nachbarinsel Sanna (1 sm westlich, kostenloser Wasser-Taxi-Shuttle im Sommer): Dort ragt der 338 m hohe Granitkegel Trænstaven wie ein Nordsee-Matterhorn empor. Wer die zwei Stunden Aufstieg wagt, wird mit einem 360°-Blick über Helgeland belohnt: Bei klarem Wetter reicht das Panorama von Lovund bis zu den Lofoten. In der Kirkhelleren-Höhle – Kathedrale aus Fels, 40 m hoch – finden im Juli Open-Air-Konzerte statt. Unter Wasser herrschen Atlantikbedingungen: Temperaturen selten über 10 °C, Sichtweiten 5–15 m. Kelpwälder, Königskrabben und mit Glück ein Schweinswal vor der Hafeneinfahrt lohnen den Trocki.
Husøy: Naturparadies für Abenteuersegler
Husøy ist kein Komforthafen – Tiefgang knapp, Service minimal. Aber genau das macht seinen Reiz: Man tauscht Landstrom und Waschsalon gegen endlose Nordhimmel, Seeadler und ein Gemeinschaftsgefühl, das nur entlegene Inseln erzeugen. Geeignet für Schiffe mit < 1,6 m Tiefgang oder Crews, die vor dem Ponton ankernd auf das Dinghy ausweichen. Natur- und Bergfans, die Træna erklimmen, Paddeln oder Kelp-Schnorcheln wollen. Reviersprung zwischen Helgelandküste und Lofoten, wenn das Wetter eine kurze Atlantikpassage erlaubt. Weniger ideal Deep-Draft-Yachten und Crews mit Diesel- oder Pump-out-Bedarf. Langlieger, die WLAN, Ersatzteil-Shops oder Pub-Nights suchen (es gibt genau eine Bar, Öffnungstage Donnerstag–Samstag). Logbuch-Schluss „23:47 Uhr, Juli. Die Sonne taucht nur kurz hinter Sanna ab, färbt den Himmel lachsrosa und kehrt als Mitternachtsglut zurück. Ein Hafenmeister gibt es hier nicht, nur das Summen der Windgeneratoren, das Kreischen der Dreizehenmöwen und den Duft von Trockenfisch, der von den Holzgestellen weht. Husøy – klein, karg, unvergesslich.“
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