Ganzjährig sicherer Hafen in Portugals Westen
Der Porto de Abrigo da Nazaré (39 ° 35,3 ′ N / 9 ° 04,6 ′ W) ist einer der wenigen Häfen an Portugals Westküste, der bei praktisch jeder Tide und fast jedem Wetter sicher anlaufen lässt. Die Einfahrt – zwischen zwei massiven Steinmolen – ist über 100 m breit und von tiefem Wasser (10-12 m) unterspült; selbst bei NW-Schwell bricht hier selten eine Welle. Als Landmarke dient nördlich der Hafenbucht das Sítio-Plateau mit der Wallfahrtskirche Nossa Senhora da Nazaré; von Süden her erkennt man zunächst nur die endlos helle Strandlinie, bis kurz vor der Einfahrt der Felskamm auftaucht. Wer aus Norden kommt, hält sich landnah, bis die Klippe querab liegt, und peilt dann 150 ° in die Hafenschneise. Nach Passieren des rot blinkenden Molenlichts wendet man steuerbord am Kontrollturm und läuft in den inneren Fischereihafen; die Marina liegt direkt dahinter in der SW-Ecke. Offizieller Funk ist derzeit nicht besetzt, doch Gastlieger melden sich auf Kanal 09 bei den Marinahelfern oder legen sich zunächst an einen der drei Hammerköpfe.
Nazaré: Sicherer Stegplatz ohne Schwellproblemen
Nazaré ist ein Steg- statt Ankerplatz: Innerhalb des Hafens herrscht Ankerverbot, weil Fischkutter und Pilotboote rund um die Uhr manövrieren. Gastlieger finden an den beiden äußeren Fingerpontons Plätze bis 25 m Länge bei 4 m Wassertiefe – bei Schlechtwetter darf man längsseits am zentralen Kopfsteg liegen und nötigenfalls in zweiter Reihe. Die Mole nimmt den vorherrschenden NW-Schwell komplett, und dank des vorgelagerten Nazaré-Canyons entsteht selbst bei Sturmlagen kaum Reflexsee; wir haben in zwei Nächten 35-kn-Böen erlebt, ohne dass die Leinen knarzten. Lediglich starker SO-Wind pfeift quer übers Becken, erzeugt aber eher Kabbel als Dünung.
Komfortabler Hafen mit guter Stadtanbindung
Direkt am Steg gibt es Frischwasser, 16-A-Strom und kostenloses WLAN. Das Hafenbüro (werktags 09-17 Uhr) händigt Dusch- und Torcodes aus; außerhalb der Zeiten hilft der Wachschutz beim Check-in. Ein Minimercado am Marinagebäude verkauft Brot ab 07 Uhr, Grundnahrungsmittel, sogar Gas-Refills; größere Einkäufe erledigt man im Supermarkt „Intermarché“ (10 Minuten Fußweg). Diesel bunkert man am öffentlichen Tankponton im Außenbecken, der auch bei Low Water ausreichend Tiefgang hat. In der angeschlossenen Werft arbeitet ein 80-t-Travellift; Motor-, Elektrik- und Riggarbeiten machen lokale Firmen, bei Segelschäden kommt ein Loft aus Peniche binnen 24 Stunden. Mülltrennung (Glas/Papier/Rest) erfolgt an Containern vor dem Tor, Altöl nimmt die Werkstatt entgegen. Für Landgang in die Altstadt fährt alle 15 Minuten ein Shuttle-Bus; wer lieber läuft, braucht 25 Minuten bis zur Strandpromenade.
Nazaré – Fischertradition trifft gigantische Atlantikwellen
Kaum hat man das Hafentor verlassen, begegnet man Nazarés Doppelseele: unten die Fischerdamen in traditionellen Sieben-Röcken, die auf der Promenade Sardinen auf Holzgestellen trocknen, oben auf dem Kliff die Neon-Schilder „Big Wave Capital“. Der Nazaré-Canyon – ein 210 km langer Tiefseegraben, dessen „Schlund“ nur einen Kilometer vor der Küste auf 50 m hochkommt – wirkt wie ein riesiger Trichter und stapelt Winterswells zu 30-Meter-Kolossen . Vom Hafen aus läuft man 40 Minuten oder nimmt den Funicular hinauf nach Sítio; am Forte de São Miguel Arcanjo zeigt das Surf-Museum Bretter und Bilder der aktuellen Rekordwelle (Sebastian Steudtner, 93,7 ft im Feb 2024) . Abseits des Spektakels bietet Nazaré klassische Atlantiklandschaft: Pinien, Stechginster und im Frühjahr Teppiche aus Strandlilien; Delfine patrouillieren regelmäßig im Hafenvorfeld, und wer schnorchelt, findet an der südlichen Hafenmole Seeanemonen und Seesterne in erstaunlich klarem Wasser. Wandernde sollten den Küstenpfad nach São Martinho do Porto anpeilen (17 km): spektakuläre Kliffe, verlassene Bunkeranlagen und im Sommer rosa blühender Hottentottenfeigen-Teppich.
Sicherer Hafen mit Atlantikflair: Nazaré erleben
Der Hafen Nazaré ist zugleich Zuflucht und Abenteuerbasis: Einerseits bietet er eine der besten Schutzhäfen zwischen Peniche und Figueira da Foz – mit Tiefgangreserve, Werftinfrastruktur und fairen Liegepreisen (Frühjahr 2025 zahlten wir 26 € für 11 m inkl. Strom). Andererseits wartet draußen die vielleicht eindrucksvollste Küstendynamik Europas. Wer Crew wechseln, Großwetter abwarten oder einfach Fisch und Folkore genießen will, ist hier goldrichtig. Ideal für: Langfahrt-Crews auf Nord- oder Südkurs, die eine sichere Box nach langen Atlantikmeilen suchen. Surf-Afficionados, die im Winter auf einen Swell-Call lauern und das Boot als schwimmendes Apartment nutzen. Familien, denen der breite Stadtstrand, das Fischerei-Museum und die kurze Funicular-Fahrt Abwechslung bieten. Weniger geeignet ist Nazaré für Hardcore-Ankerliebhaber:innen – hier führt kein Weg an Festmacherleinen vorbei – und für Crews mit Lärmallergie: Fischer laufen auch um 03 Uhr noch aus. Mein persönlicher Höhepunkt war ein Nachtspaziergang aufs Kliff: Unten im Hafen klirrten Masten leise, draußen donnerte weit entfernt eine einzelne Brecherwand – zwei Welten, getrennt durch eine Mole. Genau dieser Kontrast macht Nazaré zu einem Platz, der in Erinnerung bleibt – und auf der Reiseroute entlang Portugals Westküste einen Pflichtstopp verdient hat.
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