Utklippan: Anlegen für Erfahrene Crews
Utklippan (Position 55 °57,3 ′ N / 15 °42,2 ′ E) besteht aus Nord- und Südinsel; das Hafenbecken liegt auf der Nordinsel. Zufahrt: Von Westen peilt man die Leuchtfeuerlinie 090 ° auf den Turm; bei wogender See ist der Westeingang breiter. Bei ruhigem Wetter funktioniert auch die schmale Osteinfahrt. Beide Passagen sind nur rund 12 m breit – Speed raus und Crew vorn auf Ausguck ! Tiefgang: Die Hafenschwelle wird jährlich gebaggert und hält laut Hafenbehörde 2,8–3,0 m; im Bassin selbst überall flaches Wasser auf 3 m. Besonderheiten: Keine Befeuerung innerhalb des Beckens. Nächtliches Einlaufen nur erfahrenen Crews mit klarem Plotterbild zu empfehlen, da Seezeichen fehlen und die Mole dunkel bleibt.
Gut geschützter Hafen mit Granitpier
Ankern ist im Hafenbecken sinnlos – der Grund ist plan und fällt sofort senkrecht auf 4+ m, Anker hält nicht . Deshalb macht man längsseits an der Granitpier oder der Schwimmstegrampe fest. Die Dalben sind stabil, zusätzlich liegen schwere Ringe im Stein. Wind- und Schwellschutz sind fast ideal, denn das Bassin ist rundum von bis zu vier Meter hohen Mauern umschlossen. Einzige Schwachstelle: Starker Südost bläst über die niedrige Trennmauer zur Südinsel und erzeugt leichten Schwell; mit fester Vorspring bleibt das Boot jedoch ruhig.
Rustikaler Hafen ohne Reservierungen
Liegeplätze: Etwa 30 Boote finden Platz; keine reservierten Boxen, “first come” gilt. Strom & Wasser: 2024/25 ist die Zuleitung defekt – kein Landstrom, kein Trinkwasser. Bordtanks also zuvor füllen. Sanitär & Sauna: Trocken-WC und ein kleines Duschhäuschen stehen am Nordkai; wer eine Saunaspende (per Swish/Bar) hinterlässt, darf den holzbeheizten Schärengang mit Meerblick nutzen. Müll: Ein Container für Restmüll, Glas und Metall neben dem Wärterhaus; Recycling erfolgt an Land in Karlskrona. Werft & Diesel: Fehlanzeige – Utklippan ist reine Outpost-Marina; der nächste Servicehafen heißt Karlskrona oder Simrishamn. Gebühren: 250 SEK für Schiffe bis 15 m, Bezahlung bar oder per QR-Code am Automat.
Naturparadies Utklippan: Vögel, Seehunde, Sternenhimmel
Die Inseln sind ein Naturschutzgebiet mit dramatischem kargem Granit, dünnen Graspolstern und ein paar Vogelbeersträuchern. Flora & Fauna: Im Frühjahr brüten Brandgänse und Dreizehenmöwen auf jeder Felsrinne, ab August tummelt sich eine Seehundkolonie an der Südspitze – Fernglas nicht vergessen. Unter Wasser: 3–6 m Sicht, Teppiche aus Zuckertang und Klippen voller Miesmuscheln. Schnorcheln lohnt sich, vor allem in den Felsgassen außerhalb der Mole; Dorsche, Seeskorpione und Butterfische sind häufig. Landgänge: Ein Holzsteg verbindet Nord- und Südinsel. Vom Leuchtturm (erbaut 1870) hat man bei Klarsicht Sicht bis Bornholm. Tafeln erklären die Geschichte des 18.-Jahrhundert-Nothafens. Ein einziger Weg führt rund um die Inseln (1,6 km). In sternklaren Nächten bietet Utklippan dank Null-Lichtverschmutzung spektakuläre Sternbilder und Nordlichtchancen bis in den März hinein.
Utklippan: Naturoase und Sturmrefugium Ostsee
Utklippan ist kein Komforthafen, sondern eine Naturoase und Wetterschutzbastion mitten in der Ostsee. Plus: Sicheres Bassin, Sauna mit Meerblick, Vogel- und Seehundreichtum, einzigartiger Leuchtturmflair – idealer Zwischenstopp auf der Route Bornholm ↔ Karlskrona oder Ystad ↔ Öland. Minus: Null Versorgung (Strom/Wasser/Diesel), Platzengpässe bei Starkwind-Fluchten, Schwell bei hartem Südost. Geeignet für Hochsee- und Langfahrtcrews, die eine sturmsichere Steinbadewanne suchen; Fotografen, Vogelgucker, Abenteurer. Wenig geeignet für Boote > 18 m, Refit-Stopps oder solche, die marinatypischen Komfort brauchen. Logbuch-Moment Wir erreichten Utklippan nach einem regnerischen Nachtschlag von Bornholm, 25 kn achterlicher Wind, 2 m Welle. Kaum war die Westeinfahrt passiert, legte sich das Boot in völlig glattes Wasser – surreal, als stünde man plötzlich im Trockendock. Abends heizten wir die Sauna, rannten im Sturmgebrüll barfuß über Granitplatten und tauchten direkt ins 14-Grad-Meer. Später spiegelte sich der Leuchtturm im Hafenbecken, und Nordlichtfahnen tanzten über dem Masttop. Utklippan lehrt: Manchmal braucht Seefahrt nichts als Felsen, Feuer und die Stille dazwischen.
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