Navigationshinweise für Ölands Westküstenhafen
Der Hafen liegt an der Westküste Ölands, knapp 20 Seemeilen südlich von Kalmar. Von Norden folgt man der betonnten Küstenlinie, bis die weiß-rote Fahrwassertonne “Mö 6” querab liegt; dort Kurs 110°, das Richtfeuer (Oc R 6 s) ansteuern und sich mittig im 40 m breiten Dammdurchbruch halten. Die Solltiefe beträgt 3 m, fällt aber bei starkem Nordost kaum unter 2,5 m. Von Süden kommend hält man sich ausserhalb der Flachzone Bläsinge Bank, peilt den alten Zementsilo an und läuft direkt auf die Hafenfront zu. Nachts erleichtern das Leitfeuer sowie die umlaufenden LED-Poller an den Quais die Orientierung; der nackte Deich wirft jedoch kaum Radar-Echo, daher Plotter oder Notpeillicht bereithalten. Strom steht praktisch keiner, und selbst frischer Südwest bringt nur leichten Chop an die äußere Mole, der nach dem Abbiegen in die Einfahrt sofort abebbt.
Geschützter Hafen mit exzellenten Ankerbedingungen
Mörbylånga war einst Handelshafen für Zuckerrüben; heute besteht er aus zwei parallelen, 200 m langen Kaianlagen. Tiefgang 2,5 – 3,5 m im mittleren Becken. Gastliegeplätze ≈ 30–40, verteilt auf West- und Ostkai; zusätzlich zehn ausgewiesene Boxen mit Y-Auslegern am Südkopf. Mooring Bug- oder Heck zur Pier mit Boje oder längsseits an der Ostpier. Durch die doppelten Molen ist der Hafen nahezu 360° geschützt; nur bei hartem Südost flutet ein kurzer Schwell in die Einfahrt, der am Südkopf spürbar bleibt. Der Grund besteht aus hartem Sand-/Schluffgemisch – also exzellente Haltebedingungen, falls man Heckanker zu Wasser lässt.
Modernisierte Marina mit umfassendem Service
Das Servicegebäude – einst Zollschuppen – wurde 2023 komplett saniert: Duschen, WC, Waschmaschine und Wäschetrockner im Liegegeld (der Code steht auf der Quittung). Strom 16 A an jedem Poller; Wasser zapft man von Edelstahlsäulen auf beiden Piers. Gebühren (Sommer 2025) 220 SEK/Tag bis 12 m; Strom 50 SEK optional. Bezahlt wird bequem per App oder QR-Terminal – wer mag, kann seinen Platz sogar vorab reservieren. Diesel & Benzin: Tankwagen kommt nach Anruf (Nummer im Hafenhandbuch); Gasflaschen tauscht die OKQ-Tankstelle 800 m landeinwärts. Einkauf: ICA-Supermarkt, Fischladen, Apotheke und Systembolaget liegen alle innerhalb von 400 m um den Hafenplatz. Samstags im Juli lockt ein kleiner Wochenmarkt auf dem Stortorget – perfekt, um Honig, Käse und Öland-Rapsöl zu bunkern. Müll & Umwelt: Getrennte Container sowie eine kostenfreie Pump-Out-Station am Südkai; Altölannahme beim Werftschuppen. WLAN: kostenlos und schnell – das Rathaus fungiert als Glasfaser-Knoten, die Funkzelle deckt den gesamten Hafen.
Stora Alvaret: Naturparadies und Kulturschätze
Die eigentliche Attraktion liegt wenige Kilometer östlich: Stora Alvaret, das karge Kalksteinplateau, UNESCO-Welterbe und botanischer Schatz mit Orchideen, Salznelken und Steinsimse. Mit Leihrädern (Hafenmeister fragen) radelt man in 20 Minuten bis an die Alvarkante; unterwegs locken Aussichtspunkte für Kraniche und Gottsackerkäfer. Wer lieber läuft, folgt dem Uferpfad nach Süden zur Vogelbeobachtungsplattform „Kärrsnäsviken“ oder badet an der kleinen Sandlagune direkt außerhalb der Hafenausfahrt. Unter Wasser darf man keine Karibiksicht erwarten – anderthalb Meter sind schon gut –, aber in den Seegraswiesen wimmelt es von Stichlingen und Flussbarschen, und hin und wieder lugt ein Aal aus der Schlickröhre. Das Dorf Mörbylånga (1 700 Einwohner) hat sich seinen Blekinge-haften Kern bewahrt: holzverkleidetes Rathaus, Kopfsteinpflaster, Lindenallee zur Kirche. Die alte Zuckerfabrik ist heute Kulturzentrum mit Sommergalerien und Jazzabenden. Direkt am Kai steht die „Hamnkrogen“, berühmt für geräucherten Dorsch und Ölandskroppkakor; zum Dessert empfiehlt sich ein Abstecher in die Bäckerei „Fredriks Bröd“ (Zimtschnecken!). Und wer abends noch Energie hat, kann im „Mormors Stenugnsbageri“ den wöchentlichen Quiz-Abend mitmachen – Schiffsknoten-Wissen bringt Punkte.
Mörbylånga: Ruhe und Erholungsoase
Mörbylånga ist kein Adrenalin-Hotspot, sondern eine Oase der Entschleunigung – perfekt, um nach einem ruppigen Kalmarsund-Tag Kraft zu sammeln oder vor einem langen Brückenetappensprung noch einmal so richtig Proviant und Gelassenheit zu tanken. Geeignet für Familien, die sichere Stege, flaches Badewasser und kurze Wege zu Spielplatz & Eisbar brauchen. Einhandsegler: breite Boxen, kaum Schwell, hilfsbereite Hafenhosts vom Bootsklub. Natur- und Kulturfans: Radtour auf das Stora Alvaret vormittags, Fisch in Buttersoße abends. Eingeschränkt geeignet Yachten über 4 m Tiefgang (Flachzonen an der Einfahrt) Partysuchende – ab 22 Uhr dominiert hier das Gezwitscher der Schwalben. Mein Logbuch endet mit einem Satz, den ich selten notiere: „Bleiben einen Tag länger – wegen nix Besonderem, außer dieser Ruhe, der warmen Abendsonne auf den roten Schuppen und dem Duft von Zimtschnecken über dem Cockpit.“ Genau das macht den Reiz von Mörbylånga aus: wenig Spektakel, viel Seele.
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