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Schweden
·
Kalmar län
·
Torsås Municipality

Bergkvara

Idyllischer Hafenstopp im Kalmarsund

Einleitung

Der Kalmarsund lag spiegelglatt, als wir in den späten Nachmittagsstunden die flache Küstenlinie von Bergkvara querab bekamen. Hinter dem Bug tauchten erst ein grüner Campingplatz‐Steg, dann ein weißer Gästehafenmast auf; über den Schilffeldern wehte der salzig‐süße Geruch von Ostsee­tang, gemischt mit Grillduft aus der Dalskärs Sjökrog. Kaum hatten wir den Motor auf Standgas gedrosselt, glitt ein riesiger Schwarm Brandgänse über das Wasser, und irgendwo klingelte das Rad eines Eisverkäufers. Schon nach den ersten Leinenzug fühlte sich der Platz an wie ein Urlaubstag im Bilderbuch – klein, freundlich und wohlig eingerahmt von Pinien und roten Schwedenhäusern.
Zwei kleine Motorboote an Holzsteg, ruhige Bucht mit Schilf, rotem Hüttchen und Bäumen unter klarem Himmel

Herausfordernde Ansteuerung im Kalmarsund

Bergkvara liegt bei 56° 23,4′ N / 16° 05,4′ E, gut 20 sm südlich von Kalmar auf der Westseite des Kalmarsunds. Von Norden oder Süden folgt man der betonnten Küstenroute nach Karte 713 SW; kurz vor dem Ziel fällt die niedrige Silhouette der Campinganlage Dalskär ins Auge. Das eigentliche Hafenvorfeld ist durch vorgelagerte Schären und Flachs geschützt. Wer von Nordosten einläuft, muss auf das Pärchen gelber Kreuzpricken achten: Unbedingt mittig zwischen ihnen hindurch – beidseits wird’s flacher als ein Meter! Danach folgt ein enger, zweimal knickender Tonnenstrich (grün–rot), bis der weiße Kopf des Hafenleitpfostens erreicht ist. Nachts hilft nur Radar oder Mondlicht; Befeuerung gibt es keine. Der Endanlauf ist bei ruhigen Bedingungen unkritisch, doch ein frischer Südost drückt quer auf die letzte Tonne, deshalb lieber mit etwas Fahrt in die strömungsfreie Beckenöffnung zielen.

Ruhige Nächte in geschützter Bucht

Geankert wird hier nicht mehr: Die Bucht wurde 2019/20 auf ihr historisches Soll von 2,5 m ausgebaggert, sodass heute rund 25 Gastplätze mit Heckboje oder Fingersteg zur Verfügung stehen. Die rechteckige Beckenform liegt komplett hinter einer breiten Steinmole und dichter Ufer­vegetation – Windwelle hat praktisch keine Chance. Nur bei steifem Südost spürt man ein leises Schaukeln, das aber schon an den Heckbojen totläuft. Der schluffig‐sandige Grund sorgt selbst bei Starkböen für ruhige Nächte: Nichts arbeitet, kein Fender knarrt, und die Masten singen höchstens im Chor der nahen Segelvereinsboote.

Kleiner Hafen mit mehreren Segelbooten an einem Steinpier unter bewölktem Himmel, ruhiges Wasser im Vordergrund
Ruhiger Yachthafen: anliegenden Segelboote, freie Holzstege und Bojen spiegeln sich im klaren Wasser unter blauem Himmel

Luxus-Marina: Komfort und Aktivitäten pur

Strom und Frischwasser finden sich an allen Schwimmstegen; die Gebühr zahlt man an der Rezeption des benachbarten Dalskärs Camping (zwei Minuten zu Fuß). Dort gibt’s auch Duschen, Waschmaschinen, eine Latrinen‐ sowie Saugstation für Schwarzwasser. Der Platz glänzt mit Komfort, den kaum ein Ostsee‐Gästehafen bietet: zwei beheizte Pools, Minigolf, Beachvolleyball, Sauna, Fahrrad‐, Kajak‐ und SUP‐Verleih – alles im Liegegeld (ca. 230 SEK für 10 m) enthalten. Brot und frische Zimtschnecken holt man morgens im Mini-Market; für den Großeinkauf liegt ein ICA‐Supermarkt 1,5 km landeinwärts. Diesel gibt es nur per Kanister an der Orts­tankstelle; wer Gas tauschen muss, wird in Kalmar oder Karlskrona fündig. Müll wird sortenrein an einer modernen Umweltstation abgegeben – inklusive Batteriebox und Grillkohlebehälter. WLAN reicht bis ins Cockpit, allerdings schwächelt das Netz, sobald der Campingplatz voll belegt ist.

Naturparadies: Örarevet und Garpen Leuchtturm

Gleich neben dem Hafentor beginnt das Naturreservat Örarevet – eine schmale, von Kiefern bewachsene Nehrung, auf der man barfuß durch weißen Sand läuft, während rechts die Ostsee rauscht und links Rohrdommeln im Schilf trompeten. Ein echtes Highlight ist die 15-minütige Bootsfahrt zum Leuchtturm Garpen: Ab Bergkvara Marina fährt stündlich ein Charterboot auf die winzige Granitinsel. Oben auf dem Turm schweift der Blick 360 Grad über den Kalmarsund; unten locken Seehund­kolonien und ein kleiner Cafégarten. Unter Wasser wechselt klarer Sand zwischen Tangwäldern und Seegrasmatten; bei sonnigem Hochdruck erreicht die Sicht fünf bis sieben Meter – ausreichend, um dichten Schwärmen von Jungfischen zwischen Seesternen hinterherzutauchen. Wer lieber an Land bleibt, radelt auf dem Küstenweg in 40 Min. nach Torsås, kehrt im maritimen Kulturmagasin ein oder beobachtet im Abendlicht Fischadler über der Bucht.

Kleiner Yachthafen: Segel- und Motorboote an Stegen, Holzhütte, Steinmole, ruhiges Wasser unter wolkenlosem Himmel
Kleine Motorboote liegen am Steg eines Jachthafens; dahinter Steinmauer, Bäume und wolkenverhangener Himmel.

Bergkvara: Idyllisches Hafenparadies mit Komfort

Bergkvara ist für mich die perfekte Kombination aus Kleinod und Komfort. Man liegt sicher wie in einer Jollenya‐Bucht, hat aber Pool, Restaurant und Brötchenservice vor der Kajüte. Die wenigen Plätze sorgen dafür, dass es selbst im Juli nie nach „Bettenburg“ riecht – maximal nach frisch geräuchertem Hering vom Hafenstand. Einschränkungen gibt es natürlich: Fünf Tonnen Diesel bunkert man hier nicht und wer über zwei Meter Tiefgang hat, sollte Hochwasser abwarten oder gleich nach Kalmar weiterziehen. Für Fahrtensegler*innen bis etwa 12 m, Familien auf Ostsee­bummel und Crews, die nach einem langen Blistertag einfach nur entspannt baden, grillen und saunieren wollen, ist Bergkvara jedoch ein Volltreffer. Mein Tipp: Mit der Nachmittagsbrise einlaufen, den Bug an eine Heckboje legen, gleich das Boot für den Garpen-Ausflug reservieren – und beim Sonnenuntergang über den Schilfköpfen feststellen, dass „Gästhamn“ in Schweden nicht nur Hafen, sondern auch Gastfreundschaft bedeutet.

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