Seglerparadies Rödlöga: Sicherer Zugangstipps
Rödlöga liegt auf 59 ° 35,6′ N / 19 ° 10,3′ E – exakt dort, wo die bewaldeten Innen-Schären in eine zerklüftete Granit-Insellandschaft übergehen. Die meistgenutzte Zufahrt führt von Westen über die als „Granhamnsfjärden–Rödlöga-leden“ bezeichnete Plotter-Fahrstraße. Ab der Kardinaltonne Rödlöga NW hält man Kurs 090° und peilt die Kirchturmspitze von Rödlöga by. Kurz vor Megelskär gabelt sich der Sund: Nordkante Megelskär – 4–6 m tief, frei von Untiefen, ideal bei südlicher Brise. Südkante Storön (Seglarberget) – 5–9 m, aber ein isolierter Felskopf ragt bis 2 m unter die Oberfläche; daher 10 m Abstand halten. Wer von Norden kommt, kann die Ansteuerungstonne Kallskär NE nehmen und dann südostwärts in den Sund hineinkleiden. Tiefgangsprobleme gibt es nicht; die Innenrinne fällt erst direkt am Felsfuß auf unter 3 m. Nachts ist alles unbefeuert und durch Landreflexionen schwer auszumachen – Radar oder ein Crew-Ausguck auf dem Bug sind Pflicht. Tidenhub (< 0,3 m) ist vernachlässigbar; bei Starkwind aus Ost kann allerdings Windstau von 20–30 cm auftreten.
Schärenfest statt Anker in Seebucht
Klassischer Anker fällt hier kaum: Die Bucht ist tief (7–15 m) und überall mit Seegras durchzogen. Man macht stattdessen schärenfest: Buganker oder Boje ausbringen, Heckleinen in naturelle Eisenringe oder an die glatten Granit-Augen. Seglarberget (SW-Ufer) – bester Schutz bei Nord- bis Ostwinden, 3–6 m Wassertiefe direkt vor dem Fels, guter Halt in hartem Schlick. Megelskär (NO-Ufer) – Alternative bei Nordwest bis Süd; hier etwas seichter (2–4 m) und weniger Roll, dafür mehr Nachmittagssonne. In Starkwindlagen > 25 kn aus Südost verholt man sich in das nördliche Sundbecken hinter Brännskär; dort pfeifen zwar Fallböen, aber Welle bleibt außen vor. Der Platz ist beliebt – ab Juli sollte man spätestens gegen Mittag einlaufen, sonst belegt eine bunte Mischung aus Familiencrews und Traditionsketches alle Ringe.
Rödlögaboden: Legender Stopp für Segler
Vom Fels ist es nur ein Sprung ins Dingi. In der Byviken (Fähranleger) warten: Rödlögaboden – klein, aber legendär: frisches Brot, Gemüse, Grillkohle, Ersatz-Gas und sogar Segler-Eis. Öffnung täglich 10–18 Uhr in der Saison. Café Truten – Zimtschnecken, Blaubeerküchlein, lokale Räucherfisch-Teller; Terrasse mit Blick aufs Fahrwasser. Zapfstation Diesel & Benzin direkt am Fähr-Pontoon; Tiefgang dort 2,5 m, längsseits anlegen möglich. Latrine-Saugstation + Müllbehälter auf dem Schwimmponton bei Megelskär (offen KW 19 – 43). Wasserzapfen ist an der öffentlichen Pumpe neben dem Laden erlaubt (leicht eisenhaltig); wer duschen will, greift zum Bordcockpit-Beutel – Sanitäranlagen gibt es keine.
Insel-Romantik mit Blick aufs Ålandmeer
Rödlöga ist ein Insel-Mikrokosmos: rote Granitbuckel, Kiefern-, Wacholder- und Blaubeerheiden, dazwischen magerer Wiesenboden voller Wollgras. Vier markierte Rundwege (0,8–4 km) starten am Seglarberget und führen zu Aussichtskuppen, einem kleinen Heimatmuseum und dem alten Lotsenhuset. Unter Wasser liegen Blockfelder, Tangwälder und seichte Sandflecken – ideale Kinder-Schnorchelplätze mit Stichlingen und Zwergdorschen. Im Frühjahr nisten Graugänse und Kormorane auf Brännskär; im Spätsommer schweben Hunderte von Quallen (Aurelia aurita) unter dem Boot, doch unproblematisch. Bei klarer Sicht öffnet sich auf dem Hügel „Kobben“ ein 360°-Blick: Im Osten funkelt der offene Ålandshavet, im Westen erkennt man die dunkelgrüne Baumlinie von Finnhamn; nachts leuchtet der Leuchtturm Söderarm wie ein fernes Glühwürmchen.
Rödlöga: Schärenidylle mit Komfort und Flair
Rödlöga ist weder Marina noch Wildnis, sondern eine gelungene Mischung: sichere Festmachringe, Dieselzapfsäule und Dorfladen treffen auf ungefiltertes Schären-Feeling – rote Felsen, klare Luft, kein Auto weit und breit. Pluspunkte Rundum-Schutz, je nach Windrichtung Wahl zwischen zwei Ufern. Legendäre „letzte“ Versorgungsmöglichkeit vor dem Sprung nach Stora Nassa oder Söderarm. Kurze Wanderwege, Café und Museum sorgen für Landgang-Abwechslung. Wermutstropfen Hochsaison-Andrang: Wer nach 15 Uhr ankommt, muss kreativ werden. Keine festen Sanitäreinrichtungen – Borddusche bleibt Pflicht. Dichtes Revier aus Flachs und Steinen verlangt präzises Plottern. Für Schären-Neulinge ist Rödlöga ein lehrreicher Etappenstopp: Anlegen am Fels üben, aber mit Infrastruktur in Schlauchbootdistanz. Familiencrews profitieren von flachen Badeplätzen und Pfannkuchen im Café; Langfahrtsegler:innen bunkern Diesel und Brot, bevor es weiter gen Norrtälje oder Hanko geht. Zwei Nächte „rote Felsen, Mitternachtssonne und Zimtschnecken“ reichten, um uns restlos zu überzeugen: 4,5 von 5 Schärenringen – und jedes Jahr ein Fixpunkt auf unserem Sommertörn.
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