Navigieren zur rauen Costa da Morte
Die Ría ist weiträumig, doch die Costa da Morte macht keine Geschenke. Wer von Norden kommt, umsegelt zuerst Cabo Vilán mit seinem elektrischen Leuchtturm Fl(2) W 15 s, dessen Feuer bei klarer Sicht über 28 sm reicht – ein perfekter Wegweiser bei Nacht und Dunst . Von dort hält man auf das breite Fahrwasser (Peilung etwa 110 °) zwischen den Untiefen Los Meixidos im Westen und Bajo Xan Ferreiro im Osten, allesamt betonnte Felsnasen, die bei Schwell brechen können. Der Hafeneingang selbst ist völlig frei von Sandbänken; mindestens 6 m Wassertiefe wurden auch bei halber Tide gemessen . Steuerbord markiert ein rot blinkendes Mole-Licht, backbord ein grünes Festfeuer. Bei Tageslicht sind der lange, hohe Steinwall und ein rostbrauner Kran die besten Landmarken. Funkkontakt mit dem Club läuft über VHF Kanal 09; in unserem Fall kam binnen einer Minute ein Schlauchboot heraus und wies uns den Gastliegeplatz an. Die örtliche Tide schnellt bis 3,4 m bei Spring – also Leinen großzügig fahren und Fender doppeln .
Sicherer Hafen mit stabilen Stegen
Camariñas ist in erster Linie ein Hafen mit Schwimmstegen, kein typischer Ankerplatz – dennoch kann man nördlich der Marina auf 5-7 m in Sand/Mud gemischt ankern, wenn die Stege voll sind. Die Haltequalität ist gut; das schlammige Gemisch saugt sich regelrecht fest, verlangt aber Geduld beim Klarholen. Rundum schützt die 300 m lange Mole, sodass selbst bei durchziehendem Tief aus West oder Nordwest nur leichter Kabbel entsteht. Bei hartem Südost frischt es im Hafenbecken auf, aber die Stege bleiben beruhigend stabil. Die Marina selbst bietet 83 Liegeplätze mit 1,5-5 m Tiefgang und Aufnahmelängen bis 18 m .
Komfortabler Hafen mit umfassendem Service
Ankommen heißt hier: Leinen fest – und gleich vorne links liegt das Hafenbüro mit Dusche, Waschmaschinen und dem obligatorischen Bar-Tresen. Wasser, 16-A-Strom sowie Gratis-WLAN gibt es an jedem Stegfinger; Diesel kommt auf Zuruf per Schlauchwagen an den Mittelsteg . Gasflaschen tauscht die Ferretería Ricardo im Ort; zwei gut sortierte Supermärkte „Gadis“ und „Froiz“ sind keine fünf Gehminuten entfernt. Frischfisch ersteigert man morgens in der Lonxa; abends locken Tapas-Bars mit pulpo á feira und lokalem Weißwein. Müll- und Recyclingcontainer stehen direkt vor dem Hafentor. Reparaturen? Die Marina verfügt über einen kleinen Werftbereich, 30-t-Travellift und Handwerker für Holz, Motor und Elektrik . Wer Ersatzteile braucht, findet das Nötigste im nautischen Shop gleich hinter dem Clubhaus; größere Bestellungen werden binnen 24 h aus A Coruña angeliefert.
Cabo Vilán: Natur, Strände und Wracks
Schon die Ansteuerung lässt erahnen, wie bizarr-schön die Umgebung ist. Der Naturpark Cabo Vilán mit seinen gischtgepeitschten Granitfelsen liegt nur sechs Kilometer westlich; ein ausgebauter Küstenwanderweg (Teil des Camino dos Faros) startet direkt an der Hafenpromenade. Auf der Südseite der Ría laden mehrere Sandstrände – Praia de Area Grande, Praia de Lingunde – zum Badestopp; das Wasser ist erstaunlich klar, je nach Tageslicht in türkis bis smaragdgrün. Unter Wasser herrscht Leben: Auf einem Schnorchelgang entlang der Hafenmole trafen wir Seesterne, Spinnenkrabben und Schwärme kleiner Seebarsche. Taucher schwärmen von den Wracks vor Cabo Vilán, allen voran der HMS Serpent (1890), die heute ein stummes Riff in 27 m Tiefe bildet. An Land fallen die traditionellen Hórreos (steinerne Getreidespeicher) und die Klöppelspitzen-Werkstätten ins Auge – wer Zeit hat, sollte das Museo do Encaixe besuchen und den Handwerkerinnen über die Schulter schauen . Ein Ausflugstipp für Regennachmittage ist der Bus nach Santiago de Compostela (ca. 1 h 45 min); Haltestelle direkt am Hafen, Tickets im Café „Villa de Oro“.
Camariñas: Ruhiger Hafen der Costa da Morte
Camariñas ist der perfekte Kontrast zur rauen Küstenlinie, die ihm den Beinamen „Schutzraum der Costa da Morte“ eingebracht hat. Für uns war es der erste Platz seit A Coruña, an dem wir drei Tage lang beruhigt schlafen, Wäsche waschen, Diesel bunkern und trotzdem Natur pur erleben konnten. Die Preise bleiben fair (September 2024 zahlten wir 20 € für 10,5 m inklusive Strom) . Geeignet ist der Hafen für: Langfahrt-Crews, die nach einer anstrengenden Biskaya-Überquerung einen sicheren, günstigen Boxenstopp brauchen. Familien, weil Strände, Spielplatz und Supermarkt in Laufschuh-Distanz liegen. Wetterabwartende Einhandsegler:innen – das Hafenpersonal behält die isobarischen Horrorkarten im Blick und greift ungefragt mit Leinenhilfe ein. Weniger geeignet ist Camariñas für Freund:innen des mondänen Yacht-Flairs – hier dominiert der Geruch von Motoröl und getrocknetem Seetang, nicht Parfüm und Prosecco. Doch genau das macht den Charme aus. Mein persönlicher Höhepunkt: der Anblick der Abenddämmerung über der Ría, wenn der Doppelflash des Cabo-Vilán-Feuers wie ein Herzschlag über die Wasseroberfläche wandert und die schweren Fischkutter leise tuckernd heimkehren. In solchen Momenten spürt man, dass Galicien Seele hat – und Camariñas ihr sicherer Hafen ist.
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