Navigationsführer zur Ría de Vigo
Die Ría de Vigo öffnet sich zwischen Cabo Home im Norden und Cabo Silleiro im Süden; die Tiefen liegen selbst in der Hauptfahrrinne selten unter 15 m. Von See kommend steuert man zunächst 090 ° auf die markante Castillo-Silhouette am Monte O Facho zu, hält dann nordöstlich an der grünen Fahrwassertonne „Cangas“ (Fl G 5s) vorbei in die Ensenada de Cangas. Die Marina-Koordinaten: 42 ° 15,63′ N / 08 ° 46,79′ W. Die Hafeneinfahrt ist 125 m breit, bei Nacht befeuert und mindestens 5 m tief; Muschelzuchtflöße („bateas“) liegen gut ausgetonnt backbordseits. Achtung auf Querverkehr: Die Schnellfähren Vigo ↔ Cangas laufen im 30- bis 60-Minuten-Takt mit knapp 20 kn. Wer ankern will, hält sich nach der Einfahrt nördlich des Fahrwassers – westlich der Außenmole beginnen 4–6 m Wassertiefe über Sand.
Sicherer Ankerplatz vor Cangas
Der Grund vor Cangas besteht aus dichtem, hellem Sand mit vereinzelten Seegrasflecken – ideal für Bügel-, Pflug- und Rocna-Typen. Bei 35-kn-Nordwest in einer Sommergewitterfront hielt unser 25-kg-Rocna ohne sichtbares Kriechen. Rundumschutz geben die Mole im Osten und die Morrazo-Halbinsel im Westen; nur hartnäckiger Südwind kann kurzen Chop erzeugen. Der mittlere Springtidenhub beträgt 3,3 m – 5 : 1 Kettenlänge oder ein Tide-Snubber sind Pflicht. Schwell kommt hauptsächlich von den Fähren; er dauert jedoch selten länger als ein paar Minuten. Wer absolut flach liegen will, verholt in die Marina oder orientiert sich an den flacheren, windabgewandten Buchten östlich von Punta Rodeira.
Optimale Marina-Infrastruktur in Cangas
Das Beiboot lässt sich kostenlos an der Sliprampe der Marina Puerto Deportivo Cangas (Club Náutico Rodeira) festmachen; außerhalb der Bürozeiten genügt ein kurzer Hinweis auf VHF 06. Strom und Wasser liegen an allen Stegen, Diesel sowie Benzin an der Tankpier hinter dem 60-t-Travelift. Zum Großproviantieren sind es 300 m zu zwei Supermärkten; eine Fischhalle mit fangfrischen „Nécoras“ und „Pulpo“ grenzt direkt an den Kai. Weitere Infrastruktur: Schiffsausrüster, Motor- und Elektrowerkstatt, Gasflaschenservice sowie bewachte Parkplätze. Müllcontainer stehen an der Hafenzufahrt; Altöl nimmt die Werft nach Anmeldung entgegen. Wer Crewwechsel plant, nutzt die stündliche Personenfähre nach Vigo (Fahrzeit 20 min, Ticket ca. 3 €) – Terminal direkt an der Passagiermole.
Cangas: Traumstrand und Delfinbeobachtung
Cangas liegt am Südrand des UNESCO-Biosphärenreservats „Terras de Pontevedra – Morrazo“. Gleich hinter dem Hafen beginnt der 980 m lange Playa de Rodeira – feiner, weißer Sand, moderater Wellengang, Dusch- und Rettungsdienst … und seit Jahren Träger der Blauen Flagge. Frühmorgens sieht man hier oft Delfine, die im Strom Sardinen treiben. Wer tauchen möchte, tendert 0,7 sm nach Punta Balea: dort fallen Granitblöcke bis auf 12 m ab, von Conger-Höhlen überzogen. An Land lohnt der 25-minütige Aufstieg zum Monte do Facho (189 m): Von oben öffnet sich ein 270-Grad-Panorama über die Inseln Cíes und Ons sowie beide Ästuare – ein Postkartenblick, für den sich selbst segelfaule Crewmitglieder begeistern. Zahlreiche Küstenwanderwege führen weiter zu den wilden Stränden Playa de Barra und Playa de Melide (beide naturbelassen, teils FKK).
Cangas: Perfektes Anker- und Marinerlebnis
Cangas kombiniert drei Dinge, die in den Rías Baixas selten zusammentreffen: ein geschützter Ankerplatz, eine gut ausgerüstete Marina und eine quicklebendige Kleinstadt in Dinghy-Reichweite. Für Langfahrtcrews ist der Hafen ein günstiger Ersatz zum oft vollen Vigo-RCN: Tiefgang bis 3 m, 269 Liegeplätze und alle Versorger direkt am Steg. Für Urlaubs- und Chartercrews wiederum ist Cangas das perfekte Basislager für Tagesschläge zu den Islas Cíes (Nationalpark) oder nach Baiona. Einzige Einschränkung: Bei länger anhaltendem Südost zieht die Bucht leichte Kreuzsee – dann lieber in die Marina verholen. Mein Logbuch schließt mit einem großen Stern an der Spalte „Wiederkommen“: Cangas ist die Art Hafen, in der man „nur schnell Diesel bunkern“ wollte und drei Tage später immer noch bei Tapas und Albariño sitzt. Für mich ab sofort der Geheimtipp in der Ría de Vigo – besonders für alle, die gern ankern, aber auf städtische Infrastruktur nicht verzichten wollen.
Community's Meinung