Sicherer Eintritt in die Ría
Die Einfahrt in die Ría ist über zwei Seemeilen breit und bei fast jedem Wetter offen. Trotzdem sollte man nördlich der Hafeneinfahrt großzügig Abstand vom Land halten: Dort streckt sich ein Riffgürtel fast eine halbe Meile seewärts – bei Schwell unübersehbar brechend, bei Flaute tückisch verborgen . Bei Tageslicht dienen der weiße Leuchtturm von Punta Roncudo und der kräftige Geruch der percebeiros als Landmarken; nachts weist ein iso-grünes Sektorenfeuer an der Außenmole den Weg. Wir hielten uns mittig im Fahrwasser, bis querab des Fischereihafens die Wassertiefe auf unter zwölf Meter steigt – dann langsam auf 5-8 m abfallen und südlich der Muschelflöße drehen. Tidenhub liegt hier bei Springs knapp unter drei Metern; wer bei Hochwasser einläuft, denkt an ausreichend Kette oder plant gleich den halben Meter Sicherheitsaufschlag . Der Schiffsverkehr besteht fast ausschließlich aus Fischerbooten, die VHF-Kanal 09 nutzen und beim Ein- und Auslaufen deutlich signalisieren.
Sicherer Ankerplatz bei Praia do Osmo
Zwischen der Ost-Mole und dem Sandstrand „Praia do Osmo“ findet man reichlich Platz zum Schwojen. Der Grund besteht aus feinem, kompaktem Sand, teils von dünnen Seegrasmatten überzogen – unser Delta grub sich schon bei halber Rückwärtsfahrt fest; nach dem Einfahren hielt der Anker einer 35-kn-Bö problemlos stand . Vorherrschende Sommerwinde kommen aus Nordwest und werden von Mole und Steilufer effektiv abgeriegelt, Schwell läuft kaum ein. Kritisch wird es nur bei starkem Süd (bevorzugt herbstliche Tiefs) – dann steht die Ría offen, und Laxe auf der Südseite bietet die bessere Leemöglichkeit . Bei längerem Aufenthalt lohnt es, ein zweites Heck- oder Bug-Gurtband zum Strand auszubringen, um das Boot exakt auszurichten und Platz für Spätankömmlinge zu lassen.
Praktische Hafenversorgung mit Charme
Mit dem Dinghy legt man am einfachsten an der betonierten Sliprampe im Fischereihafen an. Links daneben befindet sich ein niedriger Ponton: Dort gibt es tagsüber meist einen offenen Wasserhahn – Kanister füllen möglich, Schläuche jedoch selbst mitbringen. Diesel und Benzin werden per Kanister von der Straßentankstelle (500 m) geholt; LPG-Flaschen tauscht die Ferretería González an der Hauptstraße. Zwei kleine Supermärkte – „Supermercado Miramar“ und „Covirán“ – decken den Tagesbedarf, frischer Fisch wird direkt am Auktionstresen verkauft, und wer Glück hat, ergattert am Kiosk noch warme Empanadas . Müllcontainer stehen am Kai, Recycling wird strikt getrennt. Wäscherei-Service vermittelt die Hafenbehörde; WLAN gibt es gratis in mehreren Bars entlang der Hafenpromenade.
Abenteuer Küste: Wracks, Wandern, Wildlife
Corme liegt mitten in der Costa da Morte, einer Küstenlinie, die wegen ihrer vielen Wracks berüchtigt ist und gleichzeitig mit wild-schöner Landschaft lockt . Direkt achteraus des Ankerfelds erstreckt sich eine Reihe geschützter Sandbuchten, ideal zum Schwimmen oder SUP-Ausflug. Schnorchelnde finden an den Felsköpfen nahe Punta Roncudo farbenprächtige Anemonen, Taschenkrebs und – mit etwas Glück – Seepferdchen. An Land führen Etappen des Wanderwegs “Camino dos Faros” über Kiefernhaine und duftende Ginsterfelder zu spektakulären Aussichtspunkten; 45 Minuten Fußmarsch bringen einen zum Roncudo-Leuchtturm, wo percebeiros in waghalsiger Kletterei die begehrten Entenmuscheln ernten. Vogelfreunde beobachten Kormorane und Krähenscharben, im Frühjahr auch durchziehende Basstölpel. Bei Ebbe lohnt ein Abstecher zur Flussmündung bei Ponteceso, ein Brutgebiet für Reiher und Regenpfeifer.
Corme: Galiciens Authentisches Küstenparadies
Corme hat uns als „ehrlicher“ Fischerort ohne touristischen Zierrat überzeugt. Wer Marina-Luxus erwartet, ist hier falsch – dafür gibt es authentisches Galicien, fangfrische Meeresfrüchte und ein ruhiges Ankerfeld, das bei Nord- und Westlagen kaum Wünsche offenlässt. Die Kombination aus sicherem Sandgrund, kurzer Dinghy-Distanz in den Ort und vielseitigen Wander- sowie Badeoptionen machen den Platz ideal für Crews, die ein, zwei Tage Verschnaufpause zwischen A Coruña und Finisterre suchen oder schlechtes Wetter abwarten wollen. Familien schätzen die flachen Strände, Langfahrt-Segler den guten Schutz vor den sonst rauen Atlantikdünungen der Costa da Morte. Mein persönlicher Höhepunkt war ein Abendessen an Bord: Die Sonne versank feuerrot hinter dem Kap, aus den Gassen wehten Galicien-Folklore-Klänge der Festa do Percebe herüber, und unser Boot lag so ruhig, dass die Eiskristalle im Albariño-Glas nicht einmal klirrten. Corme – unscheinbar auf der Karte, aber ein echtes “Safe Haven” im wilden Nordwesten Spaniens.
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