Ankern vor Galiciens markantem Dünenleuchtturm
Cabo Corrubedo (Leuchtfeuer-Kennung Fl(2+3) WR 20 s, Reichweite 15 sm, Turmhöhe 14 m) markiert die Südbegrenzung der Ría de Muros/Noia und den Westzipfel der Barbanza-Halbinsel. Von Norden kommend hält man nach Überqueren der Grundlinie Monte Louro – Cabo Corrubedo guten Abstand zu den vorgelagerten Felstorsos Baixos de Corrubedo; die Karte zeigt dort örtlich versetzte Brandungsbrecher. Ein sicherer Einsteuerkurs liegt zwischen 200° und 210°, bis die Ortstafel und die Kirche von Corrubedo querab passieren. Das Ankerfeld erstreckt sich westlich der Fischereimole auf 42° 34,3′ N / 09° 03,8′ W. Mir zeigte der Lotgeber bei LW Springs 5,2 m – ausreichend für Yachten bis knapp 3 m Tiefgang. Bei klarer Sicht dienen der rot-weiße Leuchtturm und die 20 m hohe Wanderdüne als perfekte Tageslandmarken; nachts gibt der Leuchtturm sein markantes 2 + 3-Flasher-Muster, aber die Küstenlinie ist ansonsten dunkel. Bei Nebel wird noch ein historisches, aber heute inaktives Sirenensignal erwähnt – also unbedingt Radar oder Plotter parat halten.
Idealer Ankerplatz mit sandigem Grund
Der Grund besteht aus feinem, kompaktem Sand mit vereinzelten Schlicktaschen – ein Traum für jede Bugankerform. Unser 25-kg-Rocna grub sich bereits nach zwei Metern Rückwärtsfahrt ein und saß bombenfest. Halteversuche bis 35 kn Seitenlast ließ er unbeeindruckt. Die Bucht ist nach Südosten offen; Nord- bis Westlagen stehen dank der Landzunge fast spiegelglatt. Langanhaltender Süd oder Südost hingegen erzeugt kurzen Kabbelschwell, der das Boot tanzen lässt. Dann heißt es: Gang frei, weiter in eine der Rías oder ab in die Marina Portosín. Tidenhub: bis 3,8 m (Springs) – also 5:1 Kette einplanen. Fischer stellen vor dem Hafen zahlreiche Muringbojen aus; peilt man das Ankerfeld mittschiffs der Bucht an, bleibt man frei von Trossen.
Ursprünglicher Hafen mit eingeschränkter Infrastruktur
Bei ruhiger See lässt sich das Dinghy einfach am weiten Sandstrand trockenen Fußes ziehen – bei meinem Besuch rollten jedoch etwa ein-Meter-Brandungswellen, sodass wir lieber zur Fischereimole motorten und neben der Sliprampe ausstiegen. Im Hafen selbst gibt es für Yachten keine Plätze; die Stege sind vollständig mit lokalen Booten belegt. Wasser kann man mit Kanistern an einem Außenhahn neben der Halle nachfüllen, Diesel nur per Kanister aus Ribeira (10 km) organisieren. Zwei Minimercados, eine Panadería und eine kleine Metzgerei liegen keine 200 m von der Mole entfernt. Müllcontainer stehen an der Hafenzufahrt, Altöl wird in der nahegelegenen Werft Aguiño angenommen. Kostenloses WLAN findet sich in fast jeder Bar entlang der Strandpromenade; LTE/5 G-Empfang war vollflächig verfügbar.
Wanderdüne, Lagunen und Atlantikvielfalt erleben
Das eigentlich Spektakuläre wartet einen halben Kilometer weiter westlich: die mobile Düne des Parque Natural de Corrubedo – über 1 km lang, 250 m breit und bis zu 20 m hoch. Holzstege führen durch Zwergkiefern und Ginsterheide zu zwei Beobachtungsplattformen mit Blick auf die Lagunen Carregal (salzhaltig) und Vixán (süßwasser). Dort lassen sich im Herbst tausende Zugvögel beobachten – von Austernfischer und Kiebitzregenpfeifer bis hin zu seltenen Sumpfohreulen und See-Alken. Unter Wasser überrascht klares Atlantikwasser mit Sandflächen, grünen Seegraswiesen und granitenen Felsspornen: perfekte Reviere für Schnorchelexkursionen; wir trafen Conger, Pfauenlippenmuscheln und dichte Sardinenschwärme. Wer lieber wandert, steigt in 90 Minuten auf den Monte Enxa (10 km Rundtour ab Hafen) – spektakulärer Rundblick über beide Rías garantiert. Kulinarisch darf man den fangfrischen Centollo (Königskrabbe) oder hausgemachte Empanada de Mariscos nicht verpassen; meine Empfehlung: die urige „Bar Pequeño“ direkt an der Pier.
Idyllische Naturankerbucht mit Atlantikflair
Corrubedo ist kein All-Weather-Port wie Muros oder Portosín, sondern eine Bilderbuch-Ankerbucht, die bei vorherrschenden Nordwinden mit traumhaftem Haltegrund, Postkartenkulisse und echtem Dorfleben lockt. Wer einen entspannten Bade- und Naturstopp zwischen Finisterre und den Rías Baixas sucht, findet hier ein Kleinod, sollte aber einen wachen Blick auf Winddreher nach Süd behalten. Für Crews mit Kindern bietet der flach abfallende Strand Riesenspaß, Vogelbegeisterte kommen in den Lagunen voll auf ihre Kosten, und Langfahrtsegler tanken hier vor allem Ruhe – Technik-Service und Großproviant findet man besser im 10 sm entfernten Ribeira. Mein Logbucheintrag schließt mit drei Worten: „Klein, rau, einzigartig.“ Uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die gerne ankern, Natur mögen und sich an einer Prise Atlantik-Wildheit nicht stören, sondern erfreuen.
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