Solider Hafen mit gutem Tidenmanagement
Der Anlauf ist einfach: Die betonnten Außenrinnen tragen mindestens 5 m unter Kartennull bis vors Ro-Ro-Terminal . Man orientiert sich an den beiden weiß-schwarzen Leitmasten auf der Pier. Bei Spring setzt der Tidenstrom im Portland Race noch mit 3 kn vorbei – ein Versatz, den man einplanen muss, bevor man Kurs 276 ° auf die Hafeneinfahrt nimmt. Innen fällt die Tiefe Richtung Town Bridge sanft auf etwa 2,2 m; nach der Öffnung (Sommer: stündlich, Winter: auf Anmeldung) bleibt direkt dahinter wieder 2,5 m MLWS bis zur Marina . Die Brücke funkt auf VHF 12, eine Karte zeigt online, wann Vorbuchung nötig ist . Nachts leitet ein grünes Festlicht, doch Lotsenkurs ist ratsam: Frachter und Angelschoner nutzen dieselbe Achse.
Ruhige Marina im geschützten Hafenbecken
Weymouth Marina liegt oberhalb der Town Bridge in einem ehemaligen Hafenbecken. Die Schwimmstege sind robust, Dalben gepuffert, und Hochwasser (+2 m) wie Niedrigwasser (-1 m) spürt man nur als leises Glucksen am Rumpf. Auch bei Starkwest dringt kein Schwell herein; einzig das Niedergehen der Brücke erzeugt eine 20 cm Miniwelle, die aber von den Stegen geschluckt wird. Der Untergrund ist dichter Hafenschlick – wer in Not ankerte, bräuchte einen Schwerschaft, doch im Regelbetrieb legt hier niemand den Haken aus. Der Außenhafen bietet Ketten- und Sinkerlieger mit 3–4 m Wassertiefe; dort ist Restschwell vom Kanal spürbar, doch für einen Notstopp okay.
Moderner Komfort mit zentraler Hafenlage
Strom & Wasser liegen an jedem Finger, im Liegegeld enthalten. Treibstoff gibt es über einen mobilen Service am Steg – Anruf genügt, der Tankwagen steht eine Stunde später am Kopf . Wer große Mengen bunkern will, kann auch den kostengünstigen Zapfponton in Portland Marina (3 sm S) nutzen. Sanitär & WLAN: moderne Duschen, Waschmaschinen, schnelle Glasfaser – bei Regatten abends trotzdem knapper Upload. Einkauf: Ein Tesco Express liegt 400 m über die Brücke, der Fischhändler „Crab House“ verkauft fangfrischen Seeteufel direkt am Kai, und drei Bäcker bruzzeln morgens ab 06:00 Uhr. Werkstatt: Segelmacher „Holt“ holt Tücher per Handwagen ab, Bootselektrik übernimmt „Quayside Marine“ zehn Stegplätze weiter. Hub-Kran gibt es erst in Portland, aber für Riggarbeiten reicht der mobilen 25-t Autokran am Kai. Entsorgung: Mülltrennung am Stegkopf, Altöltank gratis, Fäkalpumpe per Jet‐Vac (Taster am Service-Pontons).
Jurassic Coast: Wracktauchen und Küstenidylle
Kaum hat man die Gangway überquert, beginnt geologischer Welterbegrund: Der Jurassic Coast Path führt in 30 Minuten zum Verne-Aussichtspunkt über Chesil Beach; fossile Ammoniten liegen am Wegrand. Unter Wasser ist die Sicht meist <= 2 m, aber Taucher lieben das Wrack der Alex Van Opstal (1940) in 12 m Tiefe vor Portland. Ornithologen beobachten im Fleet-Lagoon seltene Brandseeschwalben; Radfahrer folgen der stillgelegten Bahntrasse bis Bridport (25 km). Abends spiegelt sich die bunte Lichterkette der Georgian Esplanade im Hafenwasser, während aus der Pub-Meile Musik und Lagerduft weht – Fish ’n’ Chips in der Backhand, Möwen im Blick, Kanalgeschichten im Ohr.
Weymouth: Sicherer Hafen mit Seebad-Flair
Weymouth ist für Kanalsegler das Schweizer Messer unter den Südküsthäfen: Pluspunkte tideunabhängiger, sicherer Zugang, robust gegen Sturm. Komplettservice in 200 m Radius – Diesel, Lebensmittel, Segelmacher. Pulsierendes Seebadambiente ohne die mondänen Preise von Hamble oder Lymington. Minuspunkte Brückenzeiten diktieren Ablegen – bei verpasstem Slot wartet man eine Stunde (Sommer) oder bucht vor (Winter). Tiefgänge über 2,2 m müssen in den Außenhafen oder nach Portland. Regattatermine (Dartmouth Classics, J/109 Nats) bringen Engpass – früh reservieren. Geeignet für Kanalüberquererinnen, Familien auf West-Country-Törn, LangfahrtYachten vor Biscaya-Sprung oder Azoren-Rückkehr. Weniger interessant für Eigner, die absolute Ruhe suchen – Hafenklingeln, Pub-Gelächter und Brückengong gehören hier zum Soundtrack. Ich selbst stieg nach 260 sm von Brest rüber: seeklarer Diesel am Steg, Warmdusche ohne Markenknausern, dann durch die Esplanade mit Eishörnchen in der Hand. Zwei Tage später, bei Slack Water, öffnete die Town Bridge für uns – der Dockmeister winkte, Möwen schrien, und der Solent-Wind roch nach frisch beginnendem Abenteuer. Weymouth blieb im Kielwasser als Mischung aus britischer Seebad-Nostalgie und zuverlässigem „Safe Harbour“, den ich auf jedem Channel-Pass gern wieder anlaufe.
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