Sicheres Navigieren in Tor Bay
Position Hafeneinfahrt: 50 ° 27,44′ N / 03 ° 31,73′ W (Kopf Haldon Pier). Zwischen Mai und September markiert ein starbordes Q.G-Leuchttonnenpaar (Initial Fix) den Endanlauf. Von dort steuert man auf 045 ° bis zur 50 m breiten Öffnung; Haldon-Pier-Feuer Q.G zur Steuerbord-, Princess-Pier-Feuer Q.R zur Backbordseite passieren. Die Einfahrtstiefe beträgt mindestens 4,4 m LAT – selbst bei Springniedrigwasser bleiben also über zwei Meter Wasser unterm Kiel. Tidenhub in Tor Bay liegt meist zwischen 4 m und 5 m; an unserem Ankunftstag stiegen die Hochwasser auf 4,9 m um 19:57 Uhr. Wer nachts oder bei schlechter Sicht kommt, orientiert sich zusätzlich am illuminierten Riesenrad sowie an der hell angestrahlten Princess Theatre-Fassade. Bei stärkerem Südost (selten) reflektiert Brandung an der Außenmole zurück; in diesem Fall empfiehlt der Harbourmaster, erst ab 30 Minuten vor HW einzulaufen. Funkkanäle: VHF 14 (Torquay Harbour) und VHF 80 (MDL Marina). Für die Tiden – gesteuerte Schleuse in den kleinen Inner Harbour gilt HW ± 3 h über eine 11,6 m breite hydraulische Cill.
Torquay Marina: Sichere Liegeplätze mit Schutz
Torquay ist ein Steg-Hafen. Die MDL Marina zählt 440 Schwimmplätze bis 30 m Länge; Besucher werden auf freien Boxen von A- oder B-Pontoon untergebracht. Dahinter liegen die beiden kommunalen Pontoons des Stadthafens – günstiger, dafür tagsüber etwas mehr Schwell durch Ausflugsboote. Rundum-Schutz ist hervorragend: Die Piers brechen jeden West- bis Nordwest-Schub, Hügel und Bebauung dämpfen Nordwinde. Erst bei hartem Südost steht in der Einfahrt ein unangenehmes Kabbeln; drinnen bleibt das Wasser jedoch ruhig. Wer lieber vor Anker schläft, findet außerhalb der Pierarme reichlich Platz in 4–6 m Sand/Schiefer – solide Haltequalität, aber offen nach Ost.
Effiziente Marina mit umfassendem Service
Das Anmelde-Ritual ist britisch effizient: Funkruf, zugewiesene Box, Marinero nimmt die Vorleine an. Liegegebühr (2025) in der MDL: 3,60 £/m für Yachten < 12,5 m, inklusive 16 A-Strom, Wasser, schnellem WLAN und Zugangskarte zu modernen Duschen und Laundry. Diesel bunkert man auf South Pier (gezeitentiefe Z-Säule), Propangas und Ersatzteile gibt’s im Chandlery an Beacon Quay. Fünf Gehminuten entfernt beginnt das Einkaufsdreieck: Tesco Express, Boots-Apotheke, Outdoor-Ausrüster. Samstags lockt ein Bauernmarkt mit Devon-Cheddar und frisch gefangener Seezunge. Müll und Altöl werden getrennt an der Werft-Ecke entsorgt; Pump-Out-Station und Fäkal-Sauger sind ausgewiesen. Für längere Arbeiten steht der 40-t-Travel-Lift der benachbarten Beacon Quay Shipyard bereit.
English Riviera: Naturparadies und Wassersport-Idylle
Trotz Urbanität bleibt die English Riviera UNESCO-Geopark ein Hotspot für Küstenfauna. In Tor Bay tummeln sich regelmäßig Gemeine und Große Tümmler, Hafen-Schweinswale sowie bis zu 30 Graue Robben – beste Chancen vom Kopf der Berry-Head-Klippe oder bei einer einstündigen „Seafari“ direkt ab Marina. Wer wandern will, folgt dem South West Coast Path nach Babbacombe Downs (4 km): Kalksteinklippen, Ginstergelb im Frühling, und mit Glück Sicht auf Basstölpel und Trottellummen. Landseitig lockt Kents Cavern, eine 450 000 Jahre alte Tropfsteinhöhle – in 30 Minuten zu Fuß erreichbar. Unter Wasser herrschen im August 17–19 °C und 3–4 m Sicht; Taucher finden bei Hope’s Nose dichte Seegraswiesen mit Seepferdchen, Schnorchler bestaunen Kelp-Riffe direkt unter Princess Pier.
Torquay Marina: Perfektes Drehkreuz an Englands Küste
Marina Torquay ist kein lauschiges Fischeridyll, aber ein rundum geschütztes, perfekt ausgestattetes Drehkreuz an der britischen Südküste. Für Crews auf Kanal-Transit bietet der Hafen alles, was ein Wetterfenster verlangt: verlässliche Tiefwasser-Boxen, 24/7-Zugang und hervorragende Anbindungen per Bahn oder Mietwagen. Familien finden Strände, Zoo und Waterpark in Reichweite, während Naturfans morgens Delfine beobachten und nachmittags auf dem Küstenpfad wandern können. Einziger Wermutstropfen ist das Party-Flair in Sommernächten – wer es ruhiger mag, bittet um einen Platz in den innenliegenden Reihen oder kommt im goldenen September. Ich persönlich blieb statt der geplanten Übernachtung gleich drei Tage: Der Mix aus Segler-Infrastruktur, viktorianischer Seebad-Nostalgie und quicklebendiger Tierwelt hat mich sofort festgenagelt. Beim abendlichen Sundowner im Cockpit, während die Lichter des Riesenrads als Spiegelbild über die ruhige Wasseroberfläche zogen, wusste ich: Torquay ist mehr Riviera, als man in England zu hoffen wagt – und ein Pflichtstopp für jede Kanal-Route gen West oder Biscaya.
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